Neues Wohnviertel in Bremen-Nord

Haven Höövt ade: Quartier für 600 Menschen geplant

Wesbau plant Großes am Vegesacker Hafen. Wo das Einkaufscenter steht, soll ein Quartier für 600 Menschen entstehen. Der Mannheimer Projektentwickler hat jetzt einen Architektenwettbewerb gestartet.
09.02.2018, 17:32
Lesedauer: 3 Min
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Haven Höövt ade: Quartier für 600 Menschen geplant
Von Christian Weth
Haven Höövt ade: Quartier für 600 Menschen geplant

Vorne das Schulschiff, dahinter das Einkaufscenter, daneben der Hafen: Projektentwickler Wesbau will die Szenerie verändern. Ein neues Quartier soll entstehen.

Karsten Klama

Auf dem Papier ist der Name „Haven Höövt“ bereits getilgt. Zu schlecht ist das Image des Einkaufscenters. Die Wesbau GmbH, die es gekauft hat, will weg von ihm – und weg von Wörtern wie Shoppingerlebnis. „Wohnen am Alten Speicher Vegesack“ heißt jetzt das Motto. Auch wenn es nach wie vor Geschäfte auf dem Gelände geben soll, viele sogar, aber eben noch mehr Wohnungen. Der Mannheimer Projektentwickler will ein Quartier für bis zu 600 Menschen schaffen. Den Anfang hat er längst gemacht.

Bastian Wieland sagt, dass er gerade von der Architektenkammer kommt. Und just heute habe sie dem Wettbewerb zugestimmt, der aus dem Komplex mit viel Leerstand ein Viertel mit viel Leben machen soll. Der Mann lächelt, er ist selbst Architekt. Wieland arbeitet für Max Zeitz, Geschäftsführer von Wesbau. Er sitzt an diesem Donnerstagabend neben ihm. Beide erklären den Vegesacker Fraktionen, dass sie Gutes für Vegesack wollen. Und dass ein Beleg dafür der Wettstreit der Architekten ist.

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Eigentlich müsste der Projektentwickler gar keinen machen. Das Projekt ist Privatsache. Es ist sein Grundstück und sein Geld, dass er auf dem Gelände am Hafen investieren will – 70 Millionen Euro. Dass die Gesellschaft trotzdem einen Wettbewerb auslobt, dafür gibt es zwei Gründe. Und beide hängen irgendwie zusammen. Wesbau-Chef Zeitz spricht davon, dass der Imagewechsel unbedingt gelingen muss. Und dass die ­Vegesacker nach allen Problemen mit der Immobilie sehen sollen, dass es sein Unternehmen wirklich ernst meint.

Fünf Büros beteiligen sich an dem Wettbewerb. Architektenkammer und Wesbau haben sie ausgewählt. Die Planer kommen aus Bremen, Oldenburg und Hamburg. Ob auch ein Nordbremer Büro beteiligt ist, kann Wieland nicht mit letzter Gewissheit sagen. Der Architekt aus Karlsruhe „glaubt aber schon“. Wann die Planer zum ersten Mal zusammenkommen, weiß er dagegen genau: am 28. Februar. Dann soll es ein Kolloquium im Alten Speicher geben, inklusive Rundgang im Einkaufscenter. „Die Planer sollen vor Ort sehen, wo die Probleme und wo die Potenziale liegen.“

Zeitz kennt die einen wie die anderen. Vegesacker haben sie ihm gemailt. „Ich habe mittlerweile so viele Vorschläge bekommen, dass es im Grunde gar keinen Wettbewerb mehr braucht.“ Die Beiratspolitiker lachen. Später werden sie sagen, dass die Menschen aus dem Stadtteil irgendwie am Wettbewerb beteiligt werden müssten. Zeitz und Wieland nicken. Beide Seiten verständigen sich darauf, dass es im März eine vorgezogene Bürgerbeteiligung geben soll. Vorgezogen wird sie deshalb, weil es am Ende des Wettbewerbs zu spät für Anregungen und Bedenken wäre.

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Wieland erklärt nämlich, dass der Siegerentwurf auch ganz sicher umgesetzt wird. Selbst wenn Wesbau ihn am Ende schlecht finden sollte. „So sieht es das Verfahren vor.“ Festgelegt wurde noch mehr. Zeitz sagt, dass es mehrere Gebäude geben soll, dass sie mal drei, mal vier Geschosse haben werden und vereinzelnd auch mal fünf. Die Zahl der Wohnungen ist ebenso fix. Mindestens 150 und höchstens 180 sollen es nach seinen Worten werden. Die Sozialwohnungsquote beträgt 25 Prozent. Die Größe des Geländes, das die Architekten von Grund auf verändern sollen, beziffert Zeitz mit 1,5 Hektar.

Was wo gebaut werden könnte, sollen allein die Architekten entscheiden. Nur das Wofür ist vorgeben: Wohnen, Einkaufen und die Möglichkeit für mehr. Das Mehr steht laut Zeitz für einen Kindergarten, ein Polizeirevier, über das gesprochen wird, für ein Pflegeheim, betreutes Wohnen, ein Boardinghaus, Gastronomie. Der Wesbau-Chef will Platz für Optionen schaffen: „Kommt in dieses oder jenes Gebäude auf dem Grundstück beispielsweise keine neue Vegesacker Wache, dann vielleicht die Kita mit Hort – oder umgekehrt.“

Nur der hintere Teil des Einkaufscenters soll bleiben, was er ist: Verkaufsfläche. Zeitz zählt auf, welche Händler und Handelsketten bleiben: Deichmann zum Beispiel, Tedi, Kik und Rossmann – und welches Unternehmen geht: Marktkauf. Wann definitiv Schluss ist, steht mittlerweile fest. Am 30. März soll es so weit sein. Wann Nachfolger Kaufland die Lücke wieder schließt, kann Architekt Wieland nicht sagen. Und darum auch nicht, ob es eine Zeit lang keinen Supermarkt im Center geben wird: „Wir werden sehen.“

Wann die ersten und wann die endgültigen Pläne für das neue Quartier vorliegen sollen, ist schon jetzt terminiert. Nach dem Auftakt-Kolloquium haben die Architekten knapp zwei Monate Zeit, einen Vorentwurf zu erarbeiten – und noch mal zwei Monate, sich auf eine finale Version festzulegen. Die Jury, in der unter anderem Vertreter der Baubehörde und der Architektenkammer sitzen, will am 25. Juni tagen, um abschließend über die Pläne zu befinden. Läuft alles glatt, könnten nach Wielands Zeitplan im nächsten Jahr die Bauarbeiten für das Quartier beginnen. Mit Abrissarbeiten rechnet er schon früher.

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