Nach C&A zieht sich auch Promarkt zurück / Experte empfiehlt Integration öffentlicher Einrichtungen

Haven Höövt trifft der nächste Schlag

Die Geschäftsflächen im Haven Höövt leeren sich in immer rasanterem Tempo. Kaum hat mit dem Bekleidungsgeschäft C&A ein weiterer wichtiger Mieter den Schlüssel abgegeben, kündigt Promarkt einen Räumungsverkauf an. Zwar ist der Grund für den Ausstieg des Elektronik-Discounters nicht vor Ort zu suchen, sondern in internen Umstrukturierungen seines Mutterkonzerns Rewe – für das angeschlagene Shopping-Center ist dies jedoch egal. Es kann keine weiteren Hiobsbotschaften gebrauchen.
15.08.2013, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Haven Höövt trifft der nächste Schlag
Von Jürgen Theiner

Die Geschäftsflächen im Haven Höövt leeren sich in immer rasanterem Tempo. Kaum hat mit dem Bekleidungsgeschäft C&A ein weiterer wichtiger Mieter den Schlüssel abgegeben, kündigt Promarkt einen Räumungsverkauf an. Zwar ist der Grund für den Ausstieg des Elektronik-Discounters nicht vor Ort zu suchen, sondern in internen Umstrukturierungen seines Mutterkonzerns Rewe – für das angeschlagene Shopping-Center ist dies jedoch egal. Es kann keine weiteren Hiobsbotschaften gebrauchen.

Vegesack. Stefan Sahr hat einen schwierigen Posten. Der Center-Manager des Haven Höövt bemüht sich nach Kräften, die Abwanderung der Mieter zu stoppen. Als sich vor wenigen Tagen Rossmann ein Stück vergrößerte, wurde das Erfolg gefeiert. Doch gleichzeitig reißen anderswo auf den langen Fluren der Shopping Mall neue, weit größere Löcher auf. Mit C&A und Promarkt verlassen zwei wichtige Akteure Vegesack.

Im Fall des Elektronik-Discounters haben übergeordnete strategische Entscheidungen des Rewe-Konzerns den Ausschlag gegeben. Rewe trennt sich von seiner Unterhaltungselektronik-Sparte. Die Hälfte seiner 54 deutschen Promarkt-Filialen hat Rewe an Wettbewerber verkauft. Der Vegesacker Standort gehört nicht dazu. Nach Angaben von Konzernsprecher Andreas Krämer laufen weitere Übernahmegespräche. Sie seien "völlig ergebnisoffen", Schließungen mithin eine "Option". In jedem Fall wird in der Vegesacker Promarkt-Niederlassung in Kürze ein Räumungsverkauf beginnen. Entsprechende Informationen der NORDDEUTSCHEN bestätigte Krämer, ohne einen konkreten Termin zu nennen.

Mit Promarkt stehen also weitere 1500 Quadratmeter Fläche auf der Kippe. Der Geschäftsführer des Einzelhandelsverbandes Nordsee, Wolfgang Brakhane, kann sich nur mit Mühe vorstellen, dass eine etablierte Unterhaltungselektronik-Kette einen Promarkt-Standort in einem inzwischen halb verwaisten Shopping-Center übernimmt. Denn genau darin liege das Problem: Je leerer die Flure, desto geringer die Neigung potenzieller neuer Mieter, sich im Haven Höövt anzusiedeln. Die Abwärtsspirale hält sich selbst in Gang. "Ich hätte nach der Insolvenz des Einkaufszentrums im Mai 2012 nicht gedacht, dass es dort so schnell abwärts geht", bekennt Brakhane. Wenn es nicht schnell gelinge, einen Investor für die Immobilie zu finden und den Trend umzukehren, dann, so Brakhane, "wird es unendlich schwer, dieses Center aufrechtzuerhalten".

Wie weit die Suche nach einem solchen Geldgeber gediehen ist, darüber hüllen sich die Akteure in Schweigen. Die Verkaufsausschreibung wird von der Berliner Maklerfirma CBRE Retail Investment betreut. Geschäftsführer Jan Dirk Poppinga beschränkt sich auf die Aussage: "Unsere Restrukturierungsaktivitäten laufen, sind aber zeitintensiv." Für die Investorensuche sei eines besonders wichtig: "Wir brauchen Ruhe."

Nach Einschätzung des Experten Kurt Klein hat die Anziehungskraft deutscher Einzelhandelsimmobilien bei Investoren im vergangenen Jahr nachgelassen. "Das Interesse hat sich etwas abgekühlt", urteilt der Professor für Immobilienwirtschaft an der Uni Regensburg. Nur noch Objekte in erstklassigen Lagen könnten problemlos am Markt untergebracht werden. Das Haven Höövt würde angesichts der Strukturdaten des Bremer Nordens "wohl eher nicht dazugehören", schlussfolgert Klein.

Shopping-Center im Wandel

Die Probleme des Haven Höövt sind aus Kleins Sicht nicht einzigartig. Viele der rund 450 deutschen Shopping Center kämpften mit Problemen. Rund 60 Prozent hätten einen "Relaunch" nötig, also eine Art Runderneuerung. Wo dies bereits geschehe, sei ein Trend zur Verflechtung der privaten Immobilie mit dem öffentlichen Raum erkennbar.

Kleins Prognose: Das Shopping-Center der Zukunft ist nicht mehr das "Raumschiff, das in einer Stadt landet und dort als autarker Körper steht". Die zunehmende Konkurrenz durch den Online-Handel bewirke an einigen Standorten eine Verringerung der Verkaufsflächen – zugunsten von Gastronomie, Dienstleistungen und Freizeitangeboten. Parallel werde versucht, die Einkaufszentren durch Integration von Bürgerbüros, Büchereien und anderen städtischen Einrichtungen zu einer "halb-öffentlichen Sphäre" zu machen.

Genau diese Chance ist in Vegesack erst in jüngster Zeit vertan worden. Das Haven Höövt hatte sich als Standort eines zentralen Job-Centers für Bremen-Nord beworben, wurde jedoch nicht berücksichtigt. Arbeitsagentur und Sozialbehörde, die die Einrichtung tragen, entschieden sich für einen Neubau an der Hermann-Fortmann-Straße. Die entsprechende Ausschreibung ist von der Sozialdeputation erst im Juni beschlossen worden.

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