Fachausschuss Mobilität und Klima

Heftige Debatte um autofreie Meile

Im Fachausschuss Mobilität und Klima des Beirates Östliche Vorstadt wurde ein bunter Strauß an Themen erörtert, eine heftige Debatte entbrannte um die geplante, autofreie Ostertormeile für einen Tag.
03.02.2020, 05:49
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Heftige Debatte um autofreie Meile
Von Sigrid Schuer
Heftige Debatte um autofreie Meile

Angstraum Friedrich-Karl Tunnel: Die Bewohner möchten gern, dass er ähnlich wie der Findorff-Tunnel renoviert wird und würden auch selbst mit anpacken.

PETRA STUBBE

Unerwartet und ungewohnt heftig verlief in der jüngsten Sitzung des Fachausschusses Mobilität und Klima des Beirates Östliche Vorstadt die Debatte über den für Sonnabend, 11. Juli, im Viertel für einen Tag geplante autofreie Meile. Die Grünen-Politikerinnen Irmgard Lindenthal und Sona Terlohr gehören zu den Initiatorinnen des Arbeitskreises, in dem sowohl Mitglieder des Beirates Mitte als auch des Beirates Östliche Vorstadt vertreten sind. Im Mai vergangenen Jahres war dieser autofreie Sonnabend Vor dem Steintor/Ostertorsteinweg, den die Fraktion der Grünen angeregt hatte, von den Beiräten Östliche Vorstadt und Mitte als Beitrag zum Umweltschutz beschlossen worden.

Kosten kontrovers diskutiert

Andere Städte haben es bereits vorgemacht, die Straße wird zum Flanierraum, in dem es sich ungestört treffen lässt. In den gesperrten Nebenstraßen der Ostertormeile könnten Kinderflohmärkte veranstaltet werden. Irmgard Lindenthal stellte die umfangreichen Ergebnisse des ersten Vorbereitungstreffens von Mitte Januar vor. Dabei wurde deutlich, was alles zu tun ist. So sind Polizei, Ordnungsamt, Verkehrsbehörde und Bremer Straßenbahn AG mit einzubeziehen. Angedacht ist ein kostenfreier ÖPNV zwischen Am Brill und St.-Jürgen-Straße. Vom Weserstadion aus soll ein Shuttlebus eingesetzt werden. Lindenthal sieht den autofreien Sonnabend auch als Signal für den örtlichen Einzelhandel. Demnächst wird der Arbeitskreis die Geschäftsleute vor Ort einladen.

Lindenthal erntete von Helmut Kersting Widerspruch: „Ist Konsumförderung denn ökologisch sinnvoll?“ Zudem wies der Linken-Politiker auf die Kostenfrage hin. Er möchte im Vorfeld genauso wie Jürgen Schultz (FDP) geklärt wissen, wie viele Kosten für solch einen autofreien Tag anfallen würden und wer letztendlich dafür aufkäme. Seine Meinung: „Dafür könnte man bestimmt verdammt viele Bäume pflanzen.“ Ähnlich sieht das Peter Kadach von der CDU. Außerdem wollte Kersting wissen, was mit dem Suchverkehr von auswärtigen Besuchern wäre. Er führte ins Feld, dass allein die Aufstellung von zwei Barken für eine Strecke von 150 Metern zwischen Mathilden- und Humboldtstraße für wenige Stunden 250 Euro gekostet habe. Andere Ausschuss-Mitglieder winkten ab: Das sei doch Peanuts. Lindenthals Parteikollege Markus Werner sprang ihr zur Seite: Schließlich werde ja auch bei Werder-Spielen der Verkehr weiträumig abgesperrt, weshalb dann nicht auch für den Klimaschutz?

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Ebenfalls Aufreger-Qualität hat der Zustand der Fahrradwege Am Hulsberg in dem Bereich der Haus-Nummern 74 bis 94 sowie vor dem Rewe-Markt und Am Schwarzen Meer in dem Bereich zwischen Friedrich-Karl-Straße und dem Eislabor. Die Asphalt-Decke gleicht dort einem Flickenteppich, der, so der einstimmige Beschluss des Ausschusses, möglichst bald durch das Amt für Straßen und Verkehr ausgebessert werden soll. Relativ kurzfristig vor der Sitzung hatte Bianca Wenke (SPD) den Antrag, die jeweils stadteinwärtigen Radwege-Teilstücke in das diesjährige Radwege-Sanierungsprogramm aufzunehmen, gestellt. Die Erörterung und der Beschluss zu zwei weiteren Punkten in diesem Antrag wurde deshalb auf die nächste Sitzung des Ausschusses ­vertagt.

Ferner standen folgende Themen auf der Agenda: Bereits aus dem Jahr 2018 stammt der Beiratsbeschluss, demzufolge vor der Rossmann-Filiale Vor dem Steintor zusätzliche Fahrradbügel aufgestellt werden sollen. Ziel ist es, eine bessere und barrierefreie Passierbarkeit des Fußweges zu erreichen. Die Ausschuss-Mitglieder haben sich jüngst ein Bild vor Ort gemacht. Das Amt für Straßen und Verkehr will nun auf der Straße acht Fahrradbügel installieren, dafür werden zwei bis drei Parkplätze wegfallen. Allerdings dürfte bis zur Umsetzung wegen der haushaltslosen Zeit noch ein Weilchen ins Land gehen. Helmut Kersting schlug vor, sonst Mittel aus dem Stadtteilbudget dafür locker zu machen, das davon nicht betroffen ist.

Tunnelrenovierung gefordert

Der Fachausschuss wird sich auch um den Bürgerantrag von Katja Lichtblau kümmern, die wie diverse andere Anwohner auch, gerne möchte, dass der dreckige und dunkle Eisenbahntunnel an der Friedrich-Karl-Straße einer ähnlichen Renovierung wie der Findorff-Tunnel unterzogen wird. Die Anwohnerschaft möchte gern tatkräftig mit anpacken und bittet nun um Rat und Unterstützung des Beirates. Ziel ist es, diesen Angstraum heller und freundlicher zu gestalten. Manuela Jagemann, stellvertretende Leiterin des Ortsamts Mitte, weiß, dass das „ein ganz dickes Brett“ ist, das habe die Befassung seit 2012 mit dem Findorff-Tunnel gezeigt. So müssten verschiedene Player und vor allem die Deutsche Bahn miteinbezogen werden, die Eigentümerin der Eisenbahnbrücken. Jagemann will nun erst einmal Kontakt mit der Liegenschaftsstelle der Deutschen Bahn aufnehmen.

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