Bremerin bringt ein Paris-Buch heraus

Der Inbegriff von Sinnlichkeit

Impressionen aus Paris: Heide Hohnholt erfüllt sich mit ihrem Buch über die französische Hauptstadt einen Traum. „Paris, Poesie einer Weltstadt“ liest sich wie eine Liebeserklärung.
16.10.2020, 17:51
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Der Inbegriff von Sinnlichkeit
Von Sigrid Schuer
Der Inbegriff von Sinnlichkeit

Seit Jahrzehnten verliebt in Paris: Heide Hohnholt hält ihr neues Buch in den Händen.

Christina Kuhaupt

Paris, ein Sehnsuchtsort nicht nur vieler Bremer, ist bedingt durch die massiven Beschränkungen in diesen Monaten in weite Ferne gerückt. Doch wer Heide Hohnholts Erzählungen von der Lichterstadt lauscht, der flaniert im Geiste mit der Bremerin durch die einzelnen Quartiere der Metropole. Entlang der Seine, vorbei an den Bouquinistes, den fliegenden Buchhändlern, vorbei an Notre-Dame, 2019 schwer beschädigt durch einen Brand. Weiter geht‘s, mitten hinein in das lebendige Viertel Marais, das belebt und verführt, wie es in einem Chansons von Jacques Brel heißt. „Paris ist für mich der Inbegriff von Sinnlichkeit, Eleganz und Kunst“, sagt Heide Hohnholt, die eigentlich erst kürzlich aus ihrer Lieblingsstadt zurückgekehrt wäre.

Schwierige Bilder-Auswahl

Eigentlich, denn Corona hat auch ihre Reise zunichte gemacht. Mit ihrem Buch „Paris, Poesie einer Weltstadt“ hat sich die 79-Jährige einen großen Traum erfüllt. Der Name des opulent bebilderten, eleganten Bandes ist Programm: Eine liebevolle Hommage in poetischen Worten und ebensolchen Fotografien. Die Autorin stellt sich bei ihren Erzählungen nicht selbst in den Mittelpunkt, sondern die Weltstadt Paris mit all ihren Facetten. Es sei schon schwierig gewesen, eine Auswahl aus hunderten von Aufnahmen zu treffen, räumt Heide Hohnholt ein.

Das Marais, das einstige jüdische Zentrum von Paris, liegt nur einen Steinwurf entfernt vom Centre Pompidou. Dieses Museum beherbergt die bedeutendste Sammlung moderner und zeitgenössischer Kunst Europas. Das Marais ist seit Jahrzehnten zur zweiten Heimat von Heide Hohnholt und ihrer frankophilen Familie geworden. Dort, sagt sie, werde sie von Parisern wie eine Pariserin begrüßt. Die gebürtige Oldenburgerin trieb die Neugier auf die Verheißung Paris als 17-Jährige in die französische Hauptstadt. „Oft haben wir uns auf dem Markt ein Bund Radieschen gekauft und sind die Treppen hochgelaufen zur Sacré-Coeur, um sie dort mit diesem einmaligen Blick über ganz Paris zu verzehren“, erinnert sie sich an ihre Jugendzeit.

Damals standen Les Halles noch, die legendären Markthallen. 1989 hielt Hohnholt die alten Wein-Depots von Paris-Bercy in ihrem ersten Buch fotografisch fest, bevor auch diese Depots abgerissen wurden. Und auch die Champs-Elysées hätten sich inzwischen doch sehr verändert, räumt Hohnholt ein. Schon der deutsche TV-Journalist und Autor Ulrich Wickert hatte in seinem Paris-Buch den Niedergang des einstigen Prachtboulevards beschrieben. Natürlich finden sich in Hohnholts Buch auch Abbildungen der Touristen-Attraktionen – der Invaliden-Dom, der Place de la Concorde, der Eiffel-Turm. Denn den liebt Heide Hohnholt heiß und innig, auch wenn er sehr touristisch sei.

Aber die Bremerin hat auch einen Blick für den Alltag der sogenannten kleinen Leute und der großen Künstler in den alten, engen Gassen, die es in der Hauptstadt Frankreichs noch an vielen Stellen gibt. Wie Ménilmontant, dem Quartier der Edith Piaf, der Stimme von Paris. In diesem Quartier ist ein kleines Museum zu finden, in dem Besucher alles über die große französische Sängerin erfahren. Oder dem Atelier einer weiteren, großen Künstlerin: Camille Claudel. Die Bildhauerin, die sich als einstige Geliebte, Schülerin und Muse unter Schmerzen von Auguste Rodin emanzipierte, hatte ihr Atelier am Quai de Bourbon auf der Ile Saint-Louis.

„Ich kenne fast jedes Atelier in Paris“, sagt Heide Hohnholt. Besonders fasziniert war sie deshalb vom Atelier von Camille Claudel. Und obwohl das Musée Rodin ihr Lieblings-Museum sei, hinterfrage sie durchaus den Mythos Rodin. „Heute ist ja gar nicht mehr so genau nachzuvollziehen, welche Werke nun von ihm oder von ihr stammen“, sagt sie.

Aber auch das ist Paris: Die Poesie dieser Weltstadt ermöglicht so manche Begegnung, die in einer anderen Stadt wohl illusorisch wäre. Und so ließ Paul Gallico in dem Roman „Ein Kleid von Dior“ genau diesen Traum der Londoner Aufwartefrau Ada Harris in der französischen Metropole Wirklichkeit werden. In Paris traf Jürgen Michaelsen als junger Bremer Abiturient auf Christian Dior, der ihm den Namen Yorn gab und ihn in die „turbulente Welt der Haute Couture katapultierte“, wie Michaelsen es später so treffend formulierte. In Paris, so erzählt es Heide Hohnholt, traf sie in Saint-Germain-des-Prés auf Etel Adnan, die frauenbewegte, libanesische Literatin und Documenta-Künstlerin von internationalem Renommee. „Kurz zuvor hatte ich im Fernsehen ein Porträt dieser beeindruckenden Frau gesehen“, erzählt die Autorin. Sie traute sich, sprach sie an und schon war ein Termin im Café de Flore wenige Stunden später vereinbart.

Ziemlich beste Freundinnen

Das intensive Gespräch der beiden Frauen mündete in eine Freundschaft, die mittlerweile seit mehr als zwei Jahrzehnten besteht. Die inzwischen 96-jährige Intellektuelle und Kosmopolitin verfasste nun auch das Vorwort zu dem handgemachten Band „Paris, Poesie einer Weltstadt“. Was bleibt, wenn die Sehnsucht nach Paris zu groß wird? Dann wäre ein Ausflug ins „Café Paris“ an der Hamburger Mönckebergstraße eine Möglichkeit, sagt sie. Oder aber, noch besser, da momentan sicherer: Daheim Paris-Filme schauen. Heide Hohnholt und ihre Familie kennen viele Filme, die in Paris spielen. Von Woody Allens „Midnight in Paris“ bis hin zu „The white crow“. Ein Film über den sowjetischen Ausnahmetänzer Rudolf Nurejew, der in Paris in den 1950er Jahren begeistert und beschließt, im Westen zu bleiben. Und schließlich sei da ja auch noch ihr Buch, um sich in Gedanken nach Frankreich zu träumen, sagt Heide Hohnholt. Doch, wie lautet doch gleich die Devise des irischen Schriftstellers Oscar Wilde, die die erste Seite schmückt? „Die Vorstellung ist wundervoll, aber noch wundervoller ist das Erlebnis!“

Weitere Informationen

„Paris, Poesie einer Weltstadt“ kostet 58 Euro, ist in dieser Woche in der Edition Jürgen Hohnholt erschienen. Bestellungen über www.hohnholt-bremen.de/produkte/#buch.

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