Auf Treckern und im Livestream

Wie Kirchen in Bremen und der Region Gottesdienste an Weihnachten feiern

Nein, Weihnachten fällt nicht aus, schon gar nicht in diesem Corona-Jahr 2020. Die Bremer Kirchen setzen in gemeinsamen Freiluft-Gottesdiensten ein Zeichen der Ökumene und beweisen dabei viel Kreativität.
19.12.2020, 05:00
Lesedauer: 8 Min
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Von Sigrid Schuer und den Regionalredaktionen

Auch in diesem sehr besonderen Jahr solle der Glanz und die Schönheit von Weihnachten auf’s Neue erstrahlen, sagt Stephan Kreutz, Primarius der Kirche Unser Lieben Frauen. Denn dass Gott den Menschen an Weihnachten auf Erden begegnet, sei ein großes Geschenk. Unter den besonderen Bedingungen der Corona-Pandemie gelte es, viel Kreativität und Verständnis füreinander zu entwickeln. „Wir freuen uns auf Weihnachten, auch wenn dieses Gemeinschaftserlebnis in diesem Jahr mit großen Herausforderungen verbunden ist“, sagt Kreutz.

Die Kirchengemeinden weisen darauf hin, dass die Durchführung der Gottesdienste der am 24. Dezember geltenden Corona-Verordnung unterliegt. Der Name der Bremer Weihnacht 2020 ist Programm: „Ganz schön anders“ nämlich! Singen ist nach derzeitigem Stand der Corona-Verordnungen mit Maske und 1,5 Meter Abstand draußen noch erlaubt. Viele Gemeinden haben ihre Krippenspiele an die frische Luft verlegt. Für alle Gottesdienste – drinnen wie draußen – ist eine ­Anmeldung verpflichtend nötig, da die Teilnehmerzahl pro Veranstaltung auf rund 100 Menschen begrenzt ist.

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Die Weihnachtskirche auf dem mit Tannenbäumen umfriedeten Marktplatz ist inzwischen ausverkauft. Online können sich Interessierte unter www.ticket-kirche-bremen.de kostenlose Rest-Tickets für die Gottesdienste in der Kirche Unser Lieben Frauen ausdrucken lassen. Eine Übersicht über Online-Gottesdienste gibt es unter www.kirche-bremen.de.

Bremen

Die Gemeinden der Liebfrauenkirche, des St.-Petri-Domes und der katholischen Propstei-Kirche St. Johann werden mit der Weihnachtskirche auf dem Marktplatz ein gemeinsames Zeichen der Ökumene setzen. Neben dem erleuchteten Tannenbaum wird eine Bühne aufgebaut, die zwischen den einzelnen Gottesdiensten, die in den Kirchen stattfinden, jeweils für eine halbe Stunde bespielt wird. Blechbläser werden, natürlich mit dem gebotenen Abstand, Weihnachtslieder und -choräle intonieren, dazwischen wird die Weihnachtsgeschichte erzählt. Die Gemeinden der Liebfrauenkirche und des St.-Petri-Domes haben ihre Gottesdienste synchronisiert. Sie bieten an Heiligabend jeweils sieben Gottesdienste an, und zwar im 90-Minuten-Takt.

Die Gottesdienste dauern jeweils eine Dreiviertelstunde. Danach werden die Kirchen für den nächsten Gottesdienst vorbereitet. Der erste Gottesdienst beginnt um
14 Uhr, der letzte um 23 Uhr. Der letzte Outdoor-Weihnachtskirchen-Termin findet von 22.15 bis 22.45 Uhr statt. Schon vorab von Radio Bremen wird der Weihnachtsgottesdienst in der Liebfrauenkirche aufgezeichnet, der an Heiligabend um 17 Uhr auf Radio Bremen 2 ausgestrahlt wird.

In der katholischen Kirche St. Johann sind die Zählkarten für die Gottesdienste an Heiligabend (18 und 22 Uhr) und am ersten Weihnachtstag (11 und 18 Uhr) bereits vergeben worden. Restkarten sind eventuell noch im Pfarrbüro erhältlich. Ganz im Zeichen der Ökumene wird ein Gottesdienst im St.-Petri-Dom aufgezeichnet und an Heiligabend von 18.45 bis 19.15 Uhr im Radio-Bremen- Fernsehen ausgestrahlt. Es predigen Bernd Kuschnerus, Schriftführer der Bremischen Evangelischen Kirche, der katholische Propst Bernhard Stecker und die evangelische Theologiestudentin Helena Theis. Musikalisch umrahmt wird der Gottesdienst von Landeskirchenmusikdirektor Tobias Gravenhorst und Musikerinnen. Die Schauspielerin Heidi Jürgens wird die Weihnachtsgeschichte aus dem Lukas-Evangelium in plattdeutscher Sprache lesen.

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Schon das fünfte Jahr in Folge wird es die Holy Jazz Night in der Kulturkirche St. Stephani geben. Natürlich völlig anders. Dieses Mal dürfen lediglich 80 Menschen kommen, die Veranstaltung ist bereits ausverkauft, aber vielleicht werden noch Tickets zurückgegeben. Bleiben werden die 600 Kerzen, die die Kirche erleuchten, und natürlich die Musik. Schon zum wiederholten Mal ist die Pianistin, Sängerin und Komponistin Johanna Borchert in der Kulturkirche St. Stephanie zu erleben, dieses Mal im Zusammenspiel mit dem dä­nischen Posaunisten Jakob Munck Mortensen.

Stadtteile

Auf dem Außengelände der Kirche in Horn soll ein Dorf aus beleuchteten Zelten entstehen. Zwei kurze Familiengottesdienste mit Krippenspiel finden auf der Gemeindehausterrasse statt. Auf der Wiese gibt es markierte Stehplätze für Interessierte, die sich vorher angemeldet haben. Es werden aber auch Plätze für spontane Gäste freigehalten. Der Besucherstrom wird über zwei Zugänge gelenkt. Am Nachmittag werden draußen zwei Christvespern gefeiert, um 19 Uhr gibt es ein Weihnachtssingen auf Abstand unter freiem Himmel.

Vor der Auferstehungskirche in Hastedt lautet von 14 bis 23.30 Uhr das Motto „Weihnachten zum Schauen und Mitnehmen für daheim“. Auf dem Kirchplatz steht ein festlich geschmückter Weihnachtsbaum. Alle Menschen, die nicht im Kirchraum mitfeiern können oder wollen, finden dort für ihren persönlichen Gottesdienst Zuhause weihnachtliche Texte und Lichtertüten. Um
14 Uhr gibt es einen kurzen Freiluft-Weihnachtsgottesdienst mit Krippenspielszenen. Alle Kinder sind eingeladen, als Engel, Hirten oder Schafe verkleidet zum Gottesdienst zu kommen. Dafür ist eine Anmeldung in der Kirche erforderlich.

Weihnachtsgottesdienste im Klostergarten feiert die Martin-Luther-Gemeinde Findorff von 14 bis 19.30 Uhr zu jeder vollen und halben Stunde. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt. Teilnehmende werden gebeten, Namen und Kontaktdaten mitzubringen sowie die Uhrzeit ihres Besuches anzugeben. Von 14.30 bis 19.30 Uhr steht die Kirche zur stillen Andacht offen.

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In der Bremer Neustadt werden an Heiligabend zwischen 15 und 18 Uhr vor der St.- Pauli-Kirche, dem Matthias-Claudius- und dem Zion-Gemeindezentrum Texte und das Friedenslicht in Windlichtern zum Mitnehmen verteilt. Je nach Corona-Lage wird es dort auch kurze Andachten, Musik und Gesang geben. Die Dietrich-Bonhoeffer-Gemeinde in Huchting feiert um 15, 16.30 und 23 Uhr Gottesdienst im Innenhof des Gemeindezentrums. Dort stehen Gartenstühle und Bierbänke. Besucher werden gebeten, sich warm zu kleiden sowie Kissen und Wolldecken mitzubringen. Bei Regen bauen die Veranstalter Pavillons auf. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich, aber die Kontaktdaten sollten mitgebracht und abgegeben werden.

In Oberneuland werden zwei Trecker mit Anhängern auf Weihnachtstour durch den Stadtteil fahren. An Bord: eine Lautsprecheranlage, wenn möglich ein Posaunenchor für Livemusik, ein beleuchteter Weihnachtsbaum und natürlich ein Pastor.

In Gröpelingen und Oslebshausen tourt der Bulli mit einem weihnachtlich geschmückten Anhänger von Altenheim zu Altenheim. Auf dem Anhänger stehen ein Weihnachtsbaum und eine Lautsprecheranlage. Vor den Senioreneinrichtungen wird die Weihnachtsgeschichte gelesen, und die beiden Diakone machen Musik. Der Tourenplan samt Uhrzeiten ist unter www.kirche-bremen.de zu finden. „Weihnachten unter die Füße nehmen“ lautet das Motto des Pilgerwegs in Gröpelingen und Oslebshausen, den Interessierte bereits am vierten Advent beginnen und auch an Heiligabend und den Weihnachtsfeiertagen gehen können. Er führt mit Texten und Liedern durch den Stadtteil. In der Neuen Vahr kommt das Krippenspiel mit der Weihnachtsbotschaft diesmal mit Drehorgel und Bollerwagen zu den Menschen. Jugendliche laufen von 12 bis 15 Uhr verkleidet als Hirten, Engel und Heilige Familie mit Musik durch den Stadtteil.

Weil das Krippenspiel ausfallen muss, hat sich Diakon Arne Martin von der evangelischen Kirchengemeinde St. Magni in Bremen-Nord eine Alternative überlegt. Gemeinsam mit Ehrenamtlichen stellt er die Szenen aus dem Krippenspiel mit Holzfiguren nach und fotografiert sie. Die Bilder werden vervielfältigt und jeweils als Fotoserie an der Kirche in St. Magnus, an der Holzkirche in Schönebeck, am Gemeindehaus Löhnhorst sowie an der Kirche der Nachbargemeinde in Grohn aufgehängt. Dazu erläutern kurze Texte, was auf den Bildern geschieht. An jedem Standort wird außerdem das Friedenslicht aus Bethlehem entzündet. Bei einem Spaziergang kann die Fotoserie an Heiligabend betrachtet werden.

Delmenhorst

Weil in der Kirche nicht gesungen werden darf, wurde das Singen bei der Delmenhorster Stadtkirche um 15 Uhr auf den Kirchplatz verlegt. Ebenso soll die 16.30-Uhr-Andacht unter freiem Himmel stattfinden. Pfarrer Thomas Meyer und Kollegen laden um 15, 16.30, 18, 19.30 und 23 Uhr zu fünf Gottesdiensten ein. Für Teilnehmer und -innen ist es zwingend notwendig, sich im Vorfeld angemeldet zu haben. In Stickgras werden um 15 und 17 Uhr zwei Gottesdienste angeboten. Coronabedingt muss genügend Zeit sein, um die Plätze zu desinfizieren und die Kirche zu lüften.

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In der St.-Stephanus-Kapelle wird eine ganz besondere Aktion aus der Taufe gehoben: Unter dem Motto „Adventsespresso“ wird um 14.30 Uhr am Kastanienplatz, um 15.30 Uhr am Katharinenweg, um 16.30 Uhr am Spielplatz Fridtjof-Nansen-Straße und um 17.30 Uhr vor dem Gemeindehaus zu kurzen und konzentrierten „Gottesdiensten unterwegs“ eingeladen.

Die Liedzeile „Machet die Tore weit ...“ nimmt die katholische St.-Marienkirche dieses Jahr wörtlich: „Richtiges Lüften soll helfen, das Risiko einer Ansteckung mit dem Coronavirus über Aerosole zu verringern“, sagt Pfarrer Guido Wachtel. „Also lüften wir – die Fenster bleiben auf.“ Damit niemand vergeblich zur Kirche kommt, ist für die Messfeiern am Heiligen Abend sowie an den beiden Weihnachtstagen eine vorherige Anmeldung erforderlich.

Landkreis Diepholz

Die Kirchengemeinde Syke-Barrien greift auf eine Idee zurück, die bereits im Sommer erprobt wurde: die rollende Kirche. Drei Trecker bringen an Heiligabend auf einem Anhänger den Christbaum und die Krippe zu den Gläubigen in die Ortschaften, um vor Ort mit ihnen den Gottesdienst zu feiern. „Wir haben dabei Wert darauf gelegt, Orte zu finden, wo die Menschen geschützt sind, aber trotzdem unter einem Dach“, sagt Pastorin Susanne Heinemeyer. In Scheunen und Maschinenhallen wurde dieser Platz gefunden, zur Verfügung gestellt von Gemeindemitgliedern. Für eine Grundbestuhlung ist vor Ort jeweils gesorgt, dennoch sollten Klappstühle oder Hocker – wenn vorhanden – mitgebracht werden. Und angesichts der ungewöhnlichen Lokalitäten sollte neben einer Mund-Nasen-Bedeckung auch an warme Kleidung für den Gottesdienstbesuch gedacht werden.

Auch die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde in Alt-Stuhr hat sich für die diesjährigen Weihnachtsgottesdienste die „Treckerweihnacht“ ausgedacht, berichtet Pastor Robert Vetter: „Es wird gerade ein Hänger vorbereitet, der von einem Trecker gezogen werden soll.“ An fünf Orten in Stuhr gibt es dann an Heiligabend vom Hänger aus eine Predigt sowie Gebete und Musik. Auch in Weyhe wird es einen mobilen Gottesdienst geben, kündigt Pastor Ulrich Krause-Röhrs von der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Leeste an: „Vermutlich am 26. Dezember steuern wir mit dem Trecker die Seniorenheime Lerchenhof, Richtweg und Bahnhofstraße an.“ Zudem werde das Krippenspiel aufgenommen und Heiligabend als Videoclip online veröffentlicht.

Landkreis Osterholz

Anmelden, das ist auch im Landkreis Osterholz die Devise dieses Weihnachtsfestes. Die Kirchengemeinde Hambergen zum Beispiel feiert ihre verkürzten Gottesdienste nicht nur auf dem Platz vor dem Gotteshaus – inklusive lebendiger Krippe. Sie bereitet auch einen Krippenweg durch den Ort vor. In Osterholz-Scharmbeck nutzt die Kirchengemeinde St. Marien wiederum ihre örtliche Nähe zur Museumsanlage an der Bördestraße. Dort soll unter freiem Himmel Gottesdienst gefeiert werden.

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Klappstühle müssen mitgebracht werden, eine körperlose Alternative ist der Livestream via Internet. In der evangelischen Kirchengemeinde Grasberg sitzen die Besucher nicht still in der Findorff-Kirche und schauen dem Krippenspiel zu, sondern erleben es unter freiem Himmel. Zwischen Gemeindehaus und Kirche werden Stationen mit Szenen der Weihnachtsgeschichte aufgebaut. Die Zuschauergruppen besuchen zeitversetzt alle Stationen. Ein Gang dauert etwa 20 Minuten.

Landkreis Verden

Neben Festgottesdiensten unter freiem Himmel vor der Kirche hat die St.-Laurentius-Kirchengemeinde in Achim wegen der Beschränkungen der Besucherzahlen einen Holy Night Express konzipiert. Er hält parallel zu den Gottesdiensten in der Kirche an diversen Orten im Stadtgebiet. Unterstützt vom Fanfarenzug, findet auch ein Gottesdienst im Biergarten statt.

Die Kirchengemeinde Achim-Baden zeichnet das Krippenspiel per Video auf und zeigt es am 24. Dezember auf ihrer Homepage.

In der Kirchengemeinde Thedinghausen-Lunsen wurden die Eintrittskarten per Losverfahren vergeben. Die Gemeindemitglieder bekamen per Gemeindebrief einen Stimmzettel nach Hause, auf dem sie ihre Wunschgottesdienstzeiten wählen konnten.


Hinweis: Bei dieser Auflistung handelt es sich um eine Auswahl, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt.

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