Umzug nach Vegesack

Heimathafen für Hansekogge gesucht

Vegesack. Der Verein Hansekogge Roland von Bremen möchte "sein" Schiff wieder in Bewegung sehen. Am liebsten gleich ganz übernehmen. Und mehr noch: Der Vorsitzende Dieter Wilhelmi möchte die Kogge gern nach Vegesack holen.
19.02.2013, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Albrecht-Joachim Bahr

Vegesack. Der Verein Hansekogge Roland von Bremen möchte "sein" Schiff wieder in Bewegung sehen. Am liebsten gleich ganz übernehmen. Und mehr noch: Der Vorsitzende Dieter Wilhelmi möchte die Kogge gern nach Vegesack holen. Am Wochenende hat er in dieser Angelegenheit auch schon Bürgermeister Jens Böhrnsen angesprochen.

Anlässlich der Ausstellungseröffnung "650 Jahre Hanse in Bremen" vergangene Woche im Spicarium (wir berichteten) sagte Dieter Wilhelmi, Vorsitzender des Vereins Hansekogge Roland von Bremen, "dass der Senat sich dereinst durchringen möge, die Kogge von Bremen nach Bremen-Nord zu verlegen". Und wie sich herausstellte, war das nicht nur den Gastgebern gegenüber nett gemeint, sondern, wie er gestern auf Nachfrage betonte, "100-prozentig ernst". Der Vegesacker Museumshafen wäre zudem der ideale Liegeplatz, weil die Kogge nahebei gebaut worden sei und weil die meisten der rund 100 Vereinsmitglieder in Vegesack und umzu wohnten.

Anderenfalls, klagte Wilhelmi, würde die Roland von Bremen, die derzeit an der Schlachte vor Anker liegt und zur Hal-Över-Flotte gehöre, schlichtweg: "vergammeln". Denn es sei so, dass die Reederei-Leitung "für den Betrieb der Kogge viel ankündigt, in Wahrheit aber nichts mit ihr anfange. Wir aber möchten, dass das Schiff in Bewegung, dass es erhalten bleibt".

Die Roland von Bremen ist vor gut 13 Jahren bei der damaligen Bremer Bootsbau Vegesack (BBV) gebaut worden. Seither wurde sie von der Reederei Hal Över betrieben. 2003 wurde der Verein Hansekogge gegründet mit dem Ziel, die Kogge zu pflegen und dafür zu sorgen, dass sie ausgedehnte Fahrten unternimmt und nicht nur ruhend am Ankerplatz liegt.

2008 wurde der Verein dann auch durch einen Schiffsüberlassungsvertrag mit Betrieb und Erhalt der Kogge betraut. Wilhelmi: "Unsere Mitglieder haben seither pro Jahr rund 4000 Arbeitsstunden reingesteckt. Und verteilt über sechs Jahre bis heute hat der Verein gut 200000 Euro zum Erhalt der Kogge aufgebracht." Wilhelmi verweist darauf, dass spätere Mitglieder des Vereins schon beim Bau der Kogge dabei gewesen seien.

2010 aber habe Hal-Över-Geschäftsführer Dieter Stratmann den Vertrag nicht mehr verlängert. Und mit einer Umwidmung des Museumsschiffs sei ein "ideeller Zweckbetrieb" nicht mehr gewährleistet, so wie ihn die Seegenossenschaft und das Finanzamt dereinst abgesegnet hätten. Wilhelmi bemängelt, dass "Stratmann privater Unternehmer ist, und natürlich Gewinne einfahren will und muss". Aber die Kogge liege einfach nur so da, an der Schlachte. "Und das Schiffssicherheitszeugnis läuft kommendes Jahr aus."

Kurz und gut, Wilhelmi möchte, dass die Kogge wieder dem Verein zur Verfügung gestellt oder gar ganz überlassen wird. Am Wochenende habe er bei einer Veranstaltung in Bremerhaven diesbezüglich Bürgermeister Jens Böhrnsen angesprochen. Er wolle, habe Böhrnsen ihm zugesichert, über die Angelegenheit nachdenken.

Nachdenken müsste dann aber auch Ulf Tetens, Vorsitzender vom Schifferverein Vegesacker Museumshaven. Wenn der Kogge-Verein das Schiff wieder übernehmen, betreiben und vor allem erhalten könnte, dann "immer herzlich willkommen in Vegesack", und das schon allein deswegen, weil die Kogge hier gebaut worden ist. Allerdings, musste Tetens einschränken, gebe es seitens des Hafeneigners Wirtschaftsförderung Bremen (WFB) Pläne, die Vegesacker Seite des Hafens für Jachten zu reservieren.

Und jetzt schon würde es für die Museumsschiffe hier knapp. Die "Roland von Bremen" also in Vegesack, "da würde man dann", sagte Tetens, "mit der WFB sprechen müssen, für die Kogge unter Umständen auf eben dieser Seite einen Liegeplatz bereitzustellen".

Hal-Över-Geschäftsführer Dieter Stratmann war am Montag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

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