Langjähriger Mitarbeiter des Übersee-Museums spricht über die von ihm entdeckte Pflanze Heinrich Kuhbier hat Euphorbia margalidiana auf dem Balkon

Bahnhofsvorstadt.. "Fangen wir an, umso schneller haben wir es überstanden", flachste Heinrich Kuhbier im Übersee-Museum. An die 20 Frauen saßen im Publikum und lauschten dem Botaniker bei einem Dia-Vortrag über die Euphorbia margalidiana. Diese Pflanzenart hat Heinrich Kuhbier auf zwei kleinen Felseninseln, den "Ses Margalides" vor der Nordwestküste Ibizas, im Jahr 1976 entdeckt.
29.08.2011, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Kerstin Thompson

Bahnhofsvorstadt.. "Fangen wir an, umso schneller haben wir es überstanden", flachste Heinrich Kuhbier im Übersee-Museum. An die 20 Frauen saßen im Publikum und lauschten dem Botaniker bei einem Dia-Vortrag über die Euphorbia margalidiana. Diese Pflanzenart hat Heinrich Kuhbier auf zwei kleinen Felseninseln, den "Ses Margalides" vor der Nordwestküste Ibizas, im Jahr 1976 entdeckt.

Von 1969 bis 1985 verbrachte der Bremer fast jedes Jahr mehrere Wochen auf der Mittelmeerinsel. Im Auftrag des Übersee-Museums, das seit 52 Jahren sein "zu Hause" ist. "Ich habe mich dort 1959 vorgestellt", erzählte er. "Das war die letzte Bewerbung, die ich in meinem ganzen Leben geschrieben habe." Gewohnt habe er zuerst in einem acht Quadratmeter großen Gästezimmer neben der Kleiderkammer in der Worpsweder Straße. Doch zurück zu den Felsen im Meer, die dank ihm bis heute eine Verbindung zu Bremen haben. Bei den Sammlungen für das Herbarium entdeckte Kuhbier, selbst ein Urgestein des Museums, in den Felsspalten diese neue Pflanzenart. "Es ist eine Wolfsmilch, eine Pflanze mit gelben Blüten", erklärte der gelernte Gartenbauer und zeigte Fotos von seiner Reise: malerische Landschaftsaufnahmen und Bilder von steilen Klippen, die Kuhbier erklommen hat. "Da käme ich heute nie mehr hoch", sagte der 77-Jährige und brachte die Zuhörerinnen mit seinem Humor noch oft zum Schmunzeln. Besonders

erwähnte er den Bootsführer und Fischer Jose Ferrer Prats und seine Helfer aus San José, ohne deren oft riskante Einsätze beim An-und Ablegen von den Margalidasfelsen die Entdeckung der nova species, der neuen Pflanzenart, wohl kaum möglich gewesen wäre.

Besonders interessant schilderte Heinrich Kuhbier die Besonderheiten der Felsen und Pflanze. Die Sprosse der Wolfsmilch entspringe einem Stamm und sei von der Basis her dicht mit Blättern besetzt. Sie bilde meist im Dezember eine durch fünf Hochblätter gestützte fünfstrahlige Umbellula. Die weitere Sprossenentwicklung unterliege einem ungewöhnlichen Rhythmus, der sich von verwandten Arten unterscheide. "In der trockenen Periode im Juni und bei gleichzeitig abgeschlossener Fruchtreife wirft die Pflanze nach der Blütezeit im April und Mai die letzten Blätter ab und übersommert in dieser Form auf den Felsen, der keinerlei Grundwasser enthält."

Die verholzte Sprosse dient als Wasserspeicher. Vor dem Abfallen machen die Felsspaltenpflanzen einen Farbwechsel über Stahlblau, Dunkelrot, Hellrot nach Gelb durch. Unter günstigen Bedingen kann eine Pflanze von Euphorbia margalidiana 35 bis 40 Jahre alt werden. "Ist die giftig?", wollte eine Frau im Publikum wissen. "Ja, die ist giftig, das kann man ausprobieren", antwortete Heinrich Kubier augenzwinkernd.

Dann machte er noch einen Gedankensprung auf die Klippen Ibizas. So beherbergen die beiden Klippen auch zoologische Besonderheiten, eine lokaleArt der Pityuseneidechse. "Auf jeder der 60 Klippen Ibizas kommt eine eigene Eidechse vor", sagte Kuhbier. Und es gebe eine eigene Schneckenart.

Wer neugierig auf die Pflanze geworden ist, könnte sie im Frühjahr auf dem Balkon von Heinrich Kuhbier in Schwachhausen bewundern. Sie wächst dort in mehreren Blumentöpfen. Dem Pflanzenentdecker kann man im Übersee-Museum begegnen, wo der Rentner 2009 sein goldenes Jubiläum als Mitarbeiter feierte. Er arbeitet immer noch dort.

Die Pflege der botanischen Sammlung beschäftigt ihn immer noch täglich, obwohl seine Arbeitszeiten etwas kürzer geworden sind. "Statt um halb acht fange ich jetzt morgens gegen neun Uhr an und bin bis 13 Uhr hier", sagt er. Heinrich Kuhbier gibt fortlaufend ehrenamtlich Kurse und hält Vorträge wie diesen. Er hat viele Fans, die zu seinen Stammhörern zählen und die immer wieder kommen.

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