Hotel Europa in Hastedt gesperrt Hektische Suche nach Zimmern für Flüchtlinge

Das Bauordnungsamt schließt das Hotel Europa in Hastedt. In dem Gebäude hat die Stadt bislang Obdachlose und jugendliche Flüchtlinge untergebracht. Die Polizei spricht von „unzumutbaren Zuständen“.
29.01.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Hektische Suche nach Zimmern für Flüchtlinge
Von Ralf Michel

Das Bauordnungsamt schließt das Hotel Europa in Hastedt. Grund sind eklatante Verstöße des Betreibers gegen Bestimmungen des Brandschutzes. In dem Gebäude hat die Stadt bislang Obdachlose und jugendliche Flüchtlinge untergebracht. Die Polizei spricht von „unzumutbaren Zuständen“.

Rechts, nur ein paar Meter vom Eingang zum Hotel Europa entfernt, quillt der Müll aus übervollen Containern. Auch vor den Behältern stehen Müllsäcke, es stinkt erbärmlich. Plötzlich wird die Tür des Hotels aufgerissen. Ein junger Mann, Handy am Ohr, stürzt heraus. „Was machst du hier?“, herrscht er den Besucher an und baut sich bedrohlich dicht vor ihm auf. „Du hast hier nichts zu suchen“, schreit er und geht zurück ins Gebäude.

Genau genommen hat niemand mehr etwas zu suchen im Hotel Europa in Hastedt. Das Bauordnungsamt sperrt das Gebäude. „Erhebliche Mängel beim Brandschutz“, erklärt Jens Tittmann, Sprecher der Baubehörde. Das trifft den Betreiber des Hotels, aber auch die Stadt. Denn die hatte hier 49 wohnungslose Menschen untergebracht und seit Anfang des Jahres auch 14 Flüchtlinge, darunter Jugendliche, die ohne Eltern nach Bremen gekommen waren.

Aufgefallen waren die Missstände weder im Sozialressort noch in der Bauaufsichtsbehörde, sondern eher zufällig der Polizei. Die war im vergangenen Freitag zu einem Streit in dem Hotel gerufen worden. Beim Eintreffen der Beamten hatte sich die Lage zwar schon beruhigt, aber einmal im Haus fielen den Polizisten „unzumutbare Zustände“ in dem Gebäude auf, heißt es seitens der Pressestelle. Gemeint waren damit die hygienische Situation sowie Sicherheitsaspekte.

Die Polizei informierte die zuständigen Behörden, was zur Sperrung des Hotels führte. Die allerdings greift im vollem Umfang erst ab dem 6. Februar. Bis dahin hat die Stadt noch Zeit, die Unterbringung der Wohnungslosen zu organisieren. Die Jugendlichen wurden aber sofort umquartiert.

Wenn eine Reihe von Sicherheitsvorkehrungen eingehalten werde, sei die jetzige Regelung möglich, sagt Tittmann. So seien zusätzliche Brandmelder installiert, ein Rauchverbot für das Gebäude und eine vierköpfige Brandschutzwache für die Zeit von 21 bis 7 Uhr angeordnet worden. „Übergangsweise geht das“, betont Tittmann. Nicht aber als Dauerlösung. Dazu wären die erforderlichen Nachbesserungen beim Brandschutz zu aufwendig.

Behörden sind sich keiner Schuld bewusst

Warum bringt die Stadt überhaupt Menschen in einem Gebäude unter, das derart gravierende Sicherheitsmängel aufweist? Bei dieser Frage sind sich die beiden beteiligten Behörden offenbar keiner Schuld bewusst. „Das Hotel hatte eine Betriebserlaubnis. Dann gehen wir natürlich davon aus, dass man dort Leute unterbringen kann“, sagt Bernd Schneider, Sprecher der Sozialbehörde. Sein Kollege in der Baubehörde, Jens Tittmann, spielt den Ball zurück: Das Bauordnungsamt sei nicht für die Betreuung von Flüchtlingen zuständig, betont er. Und kontrolliert würden Hotels nur, „wenn wir von Unregelmäßigkeiten erfahren“.

Einig sind sich beide Sprecher, wenn es um die hygienischen Verhältnisse in dem Hotel geht: Nicht unsere Zuständigkeit – ist Sache des Gesundheitsressorts.

Schneider räumt ein, dass es sich bei dem Gebäude um ein „Schlichthotel mit minimalem Standard“ handelt. Eigentlich sei es „eine klassische Unterkunft für Obdachlose“. Dass dort zuletzt auch Flüchtlinge untergebracht wurden, sei der Not geschuldet, überhaupt noch Unterkünfte für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge zu finden. 500 von ihnen kamen im vergangenen Jahr nach Bremen, für 2015 werden weitere 500 erwartet. „Da ist irgendwann das beste System überfordert“, sagt Schneider. Bei der Unterbringung dieser Flüchtlinge gehe es längst nicht mehr um Jugendhilfestandards, sondern nur noch darum, ihnen ein Dach über dem Kopf zu organisieren. „Wir haben nichts mehr, wohin wir ausweichen können. Wir können diesen Zustrom nicht mehr angemessen betreuen.“

Deshalb, so Schneider weiter, werde auch auf Angebote wie die Zimmer im Hotel Europa zurückgegriffen. Die seien mit 25 bis 30 Euro pro Nacht zwar vergleichsweise teuer, könnten aber je nach Bedarf sofort gemietet und wieder gekündigt werden.

Dazu passt auch, dass die Flüchtlinge aus dem Hotel Europa nach Strom in Luleys Hotel umquartiert wurden. Im Gespräch für die Unterbringung war zunächst auch ein leer stehendes Haus an der Lilienthaler Heerstraße. Beide Objekte sowie das Hotel Europa gehören dem Vernehmen nach zur selben Betreibergesellschaft. Deren Geschäftsführer war für unsere Redaktion nicht zu sprechen.

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