Zwei Wochen engagiert sich Ambrus Ittzés aus Ungarn ehrenamtlich im Pflegeheim Kirchweg Helfen ist für ihn selbstverständlich

Huckelriede. Dass er sich während seiner Zeit in Deutschland sozial engagiert, ist für Ambrus Ittzés selbstverständlich: „Man vergisst sehr leicht, dass es viele Leute gibt, die Hilfe brauchen, deswegen muss man sich immer wieder daran erinnern." Bereits vor seiner Anreise hat sich der Schüler über Möglichkeiten ehrenamtlicher Arbeit informiert und ist dabei auf das Pflegeheim Kirchweg der Inneren Mission Bremen aufmerksam geworden.
24.08.2017, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Lara Jäkel

Huckelriede. Dass er sich während seiner Zeit in Deutschland sozial engagiert, ist für Ambrus Ittzés selbstverständlich: „Man vergisst sehr leicht, dass es viele Leute gibt, die Hilfe brauchen, deswegen muss man sich immer wieder daran erinnern." Bereits vor seiner Anreise hat sich der Schüler über Möglichkeiten ehrenamtlicher Arbeit informiert und ist dabei auf das Pflegeheim Kirchweg der Inneren Mission Bremen aufmerksam geworden.

Jeden Nachmittag unter der Woche greift er nun vier Stunden lang den Mitarbeitern im Wohnbereich 3 unter die Arme. Dort wohnen Menschen mit und ohne Demenz gemeinsam. Einige von ihnen sind noch sehr selbstständig, während andere viel Unterstützung im Alltag brauchen. Dass er zuvor noch nie mit älteren Menschen gearbeitet hat, stört den 17-Jährigen nicht. Im Gegenteil: „Ich habe mich gefreut, dass ich etwas ganz Neues ausprobieren kann", sagt er.

Seine Aufgaben im Pflegeheim sind vielfältig: Ambrus betreut die Bewohner beim Nachmittagskaffee in der Wohnküche, begleitet sie zu Aktivitäten und Veranstaltungen im Heim, leistet ihnen Gesellschaft und führt viele ausführliche Gespräche. „Die alten Geschichten der Leute sind sehr interessant“, findet Ambrus Ittzés. Dadurch habe er schon viel über Deutschland und die Vergangenheit gelernt. Anfängliche Verständnisprobleme und ebenso Schwierigkeiten im Umgang mit dem Rollstuhl seien schnell verflogen.

Inzwischen scheint der 17-Jährige kaum noch aus dem Wohnbereich wegzudenken. „Die Bewohner haben ihn schnell aufgenommen – er wird sehr fehlen, wenn er weg ist“, sagt Halina Reh, Alltagsbegleiterin im Pflegeheim Kirchweg. Mit seiner Jugendlichkeit und Kreativität bringe er eine willkommene Abwechslung in den Alltag der Heimbewohner. So habe er ihnen zum Beispiel mit mehreren Klaviervorführungen eine große Freude gemacht. Auch Christiane Pröllochs von der Inneren Mission Bremen ist begeistert von seiner Natürlichkeit und seinem Einfühlungsvermögen gegenüber den Heimbewohnern. „Sein Umgang mit Menschen ist einmalig, er lässt sie nicht merken, dass sie eingeschränkt sind“, erzählt sie. Der junge Mann aus Ungarn geht in seiner neuen Rolle sichtlich auf: „Es macht mir großen Spaß, ich genieße die Zeit sehr.“ Besonders schön sei es für ihn gewesen, mit einer Bewohnerin ungarisch sprechen und sich so ein kleines Stück Heimat nach Bremen holen zu können.

Doch das Ehrenamt ist nicht der einzige Grund, aus dem der Schüler nach Deutschland gekommen ist: In seiner Heimatstadt Budapest besucht er ein evangelisches Gymnasium, an dem Deutsch ab einem Alter von zehn Jahren als erste Fremdsprache unterrichtet wird. Um diese Sprachkenntnisse zu vertiefen, wollte er einige Wochen in muttersprachlicher Umgebung verbringen. Durch den täglichen Gebrauch der Sprache im Pflegeheim und im Alltag habe er sich schnell daran gewöhnt und sich immer besser verständigen können. Auch mit seiner Gastfamilie, einem befreundeten deutsch-ungarischen Ehepaar, spricht er so viel Deutsch wie möglich. Trotzdem sei es hin und wieder sehr hilfreich, notfalls auch auf Ungarisch ausweichen zu können, erzählt der 17-Jährige.

Abseits der Arbeit im Pflegeheim ist Ambrus Ittzés viel in der Stadt unterwegs, besucht Museen oder fährt Fahrrad. Ein Ausflug nach Lübeck und zu den Ungarischen Tagen anlässlich des 500-jährigen Jubiläums der Reformation in Wittenberg standen ebenfalls auf dem Programm. Eines hat er schnell an Deutschland schätzen gelernt: „Es ist hier viel fahrradfreundlicher als in Ungarn, das genieße ich“. Auch die Wahlkampfplakate seien ihm positiv aufgefallen, denn während in Ungarn oft andere Politiker verunglimpft würden, werbe in Bremen jede Partei mit den eigenen Kandidaten.

Wenn Ambrus nun bald nach Ungarn zurückkehrt, hat er noch ein Schuljahr vor sich. Doch er weiß schon jetzt, wie es danach für ihn weitergehen soll: „Ich möchte Lehrer für Ungarisch und Mathe am Gymnasium werden." Obgleich er gerne noch einmal für längere Zeit nach Deutschland zurückkehren würde, leben möchte er langfristig auf jeden Fall in seiner Heimat Ungarn.

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