Flughafen und Luftfahrtbehörde wollen vorerst aber keine feste Messstelle im Stadtteil einrichten Hemelinger fordern Daten über Fluglärm

Dettmar Dencker vom Flughafen Bremen und Angela Streibel von der Luftfahrtbehörde Bremen standen den Ortspolitikern in der Sitzung des Hemelinger Beirates am Donnerstag Rede und Antwort. Sie wollen trotz einer Empfehlung der Fluglärmkommission keine feste Messstelle in Hemelingen einrichten. Die Hemelinger halten an ihrer Forderung fest.
08.06.2014, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Karin Mahlstedt

Dettmar Dencker vom Flughafen Bremen und Angela Streibel von der Luftfahrtbehörde Bremen standen den Ortspolitikern in der Sitzung des Hemelinger Beirates am Donnerstag Rede und Antwort. Sie wollen trotz einer Empfehlung der Fluglärmkommission keine feste Messstelle in Hemelingen einrichten. Die Hemelinger halten an ihrer Forderung fest.

Eine stationäre Messstelle, an der dauerhaft die Lärmbelastung durch überfliegende Flugzeuge an der wiedereingeführten Wesertalroute gemessen wird: Das fordert der Hemelinger Beirat. Die Fluglärmkommission (FLK) hat die Einrichtung einer solchen Messstelle empfohlen. Flughafen und Luftfahrtbehörde wollen sie aber – zumindest momentan – nicht einrichten. In der Beiratssitzung am Donnerstag wurde darüber heiß diskutiert. Schallschutzprogramme kamen ebenfalls zur Sprache.

Neun feste und zwei mobile Messstellen für Fluglärm gibt es in Bremen. Die festen Messstellen wurden 1977 aufgebaut, erklärte Dettmar Dencker. Die meisten liegen links der Weser, eine ist in Stuhr. „Wir haben alle Messstellen im Konsens eingerichtet“, sagte Dencker. Dabei hätten politische genauso wie fachliche Überlegungen eine Rolle gespielt. Seit zweieinhalb Jahren prüfe der Flughafen, ob die komplette Messanlage erneuert werden müsse, sagte Dencker. Das würde wohl 400 000 Euro kosten. Es gebe technische Neuerungen in enormem Umfang.

Eine Arbeitsgruppe, in der auch Vertreter der Luftfahrtbehörde vertreten sind, solle ausloten, welche Anforderungen eine Messanlage im Umfeld des Flughafens erfüllen müsste. Auch eine Visualisierung des Flugverkehrs, nach Möglichkeit mit Lautstärkeanzeige, sei wünschenswert.

Die Luftfahrtbehörde Bremen, die beim Senator für Wirtschaft, Arbeit und Häfen angesiedelt ist, sehe momentan keine Möglichkeit, den Flughafen anzuweisen, eine weitere Messstelle einzurichten, sagte Angela Streibel, Juristin bei der Luftfahrtbehörde. Die gesetzlichen Anforderungen seien erfüllt. Es gebe im Vergleich zu anderen Flughäfen viele Messstellen.

Weitere Gründe für diese Entscheidung seien auch, dass der Flughafen die Technik auf den Prüfstand stelle, in Hemelingen Ende März im Bereich Angeln eine mobile Messstation aufgestellt worden sei und es vielleicht möglich sei, weitere virtuelle Messstellen zu errichten, an denen Lärmpegel errechnet statt gemessen würden. Eigene Messstellen habe die Behörde nicht.

„Die Fluglärmkommission hat empfohlen, eine Messstelle in Hemelingen einzurichten“, sagte Ralf Bohr (Grüne), der sowohl im Beirat als auch in der Fluglärmkommission ist. „Die Fluglärmkommission gibt Empfehlungen an die Luftfahrtbehörde. Wenn nicht die Behörde, wer soll sie denn dann umsetzen? Das ist ja fast schon ein Schildbürgerstreich.“ Außerdem komme die Forderung, dass die Lärm-Daten und Flugrouten anders dargestellt werden, von der FLK. „Wir brauchen Echtdaten“, sagte Bohr, „bei dieser Forderung bleiben wir.“

„Wir hier im Stadtteil wollen wissen, ob wir einen Anspruch auf Förderungen haben“, sagte Andreas Hipp (CDU). „Wir brauchen eine feste Messstelle, um zu sehen, wie sich der Lärm entwickelt. Eins ist hier ganz unstrittig. Es ist insgesamt zu laut im Stadtteil und der Fluglärm hat seinen Anteil daran.“

„Wir warten alle schon eine Ewigkeit darauf, dass hier etwas passiert“, sagte Gerd Arndt (Die Linke). „Sie suchen nach einem Grund, um etwas anzuweisen“, sagte er zu Angela Streibel, „der Grund sitzt hier. Die Anwohner in diesem Stadtteil sind genervt.“ Der Hemelinger Jens Dennhardt schlug Dettmar Dencker vor, einfach eine Messstation mehr einzurichten, wenn der Flughafen sowieso in neue Technik investieren müsse.

Im Anschluss an die Diskussion um die Messstationen für Fluglärm erklärte Angela Streibel noch einmal, wie die Unterstützung der Behörde in Sachen Lärmschutz für betroffene Bürger aussieht. Wer Eigentum in der Nähe vom Flughafen habe, könne sich bei der Behörde melden. Es werde geprüft, ob das Haus in einer Schutzzone liege und gegebenenfalls Schallschutzmaßnahmen erstattet würden. 200 Bürger hätten sich bisher gemeldet, 70 davon hätten einen Anspruch auf Förderung, die meisten in der Nachtschutzzone.

Eventuell schneller und unbürokratischer sei das Schallschutzprogramm „Calmar“ des Bremer Flughafens, sagte Angela Streibel. Die Anwohner könnten sich beim Flughafen melden, erklärte Andrea Schmelzer, Juristin am Flughafen. Dann würde geklärt, ob ein Anspruch bestehe. In einer Ausstellung zu „Calmar“ können sich die Bremer über möglichen Schallschutz informieren. Mehr zu „Calmar“ unter www.calmar-bremen.de.

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