Bürgerschaftspräsident Christian Weber liest im Alten Rathaus vor Grundschulkindern

Hemelinger Leselust startet

Hemelingen. Gebannt lauschen die Kinder der Grundschule Glockenstraße der Geschichte der Kinderbuchautorin Cornelia Funke. Es geht um die Feenkönigin Potilla.
23.10.2017, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Christian Hasemann
Hemelinger Leselust startet

Christian Weber im Gespräch mit Schülerinnen und Schülern der Glockenstraße. Im Hintergrund steht Ulrike Hövelmann, Vorsitzende des Vereins Leselust.

PETRA STUBBE

Hemelingen. Gebannt lauschen die Kinder der Grundschule Glockenstraße der Geschichte der Kinderbuchautorin Cornelia Funke. Es geht um die Feenkönigin Potilla. Der Mann, der ihnen im ehrwürdigen Ambiente des Rathaussaales in Hemelingen vorliest, könnte vom Alter her ihr Großvater sein. Tatsächlich handelt es sich um den Bürgerschaftspräsidenten Christian Weber (SPD). Er ist nicht nur Präsident der Bürgerschaft, sondern auch Lesebotschafter der Bremer Leselust und die Vorlesestunde im Alten Rathaus der Auftakt zur Hemelinger Leselust.

Die Bremer Leselust ist ein Verein, der zum Lesen anregen möchte. Ein Schwerpunkt des Vereins sind sogenannte Lesebotschafter, die über das Vorlesen Kinder zum Selberlesen motivieren sollen. Hinter dem Verein stehen unter anderem die Bremer Stadtbibliothek, die Bremische Bürgerschaft und die Bremer Literaturstiftung. Nach der Waller und der Gröpelinger Leselust ist Hemelingen der dritte Ableger des Vereins. Kooperationspartner sind das Stadtteilmarketing Hemelingen und die Berufsfachschule für Bewegungspädagogik Impuls. Den Kindern der 4a und der 4b ist vor Beginn der Lesestunde die Aufregung an zu merken – da tuschelt ein Junge zu seinem Klassenkameraden beinahe ehrfürchtig „gleich kommt der Präsident.“ Berührungsängste haben aber dann weder die Schüler noch Christian Weber, der nicht zufällig an diesem Tag in Hemelingen als Lesebotschafter auftritt. Als Hastedter ist er auch Hemelinger und begann seine politische Karriere in eben diesem Saal im Alten Rathaus. „Ich kann mich sogar erinnern, wie in der Glockenstraße noch Glocken gegossen wurden“, erzählt er den Kindern, die prompt nach seinem Alter fragen.

„Ich bin nicht so gerne zur Schule gegangen“, muss Christian Weber den Schülern gestehen. „Die Lehrer waren damals noch sehr streng.“ Dennoch: „Schule ist das Wichtigste!“ Und dafür sei das Lesen sehr wichtig. „Ich habe damals heimlich unter der Bettdecke gelesen.“ Einige Schüler nicken eifrig, als sie das hören. Aber als Christian Weber anfängt zu lesen und die Geschichte von der Feenkönigin Potilla, die ein Junge namens Arthur in einem schmutzigen Strumpf findet, ihren Lauf nimmt, lauschen die etwa 20 Kinder andächtig.

Ziel der Hemelinger Leselust sei es, nicht nur die Schulen in den fünf Ortsteilen Hemelingens zu erreichen, sondern auch Kinder weiterführender Schulen und Erwachsene durch Veranstaltungen im Rathaussaal zum Lesen zu motivieren, sagt Ulrike Hövelmann, Vorsitzende der Bremer Leselust. Zum Lesen gehört ein Bücherregal mit der passenden Auswahl und ein geeigneter Sitzplatz – beides hat die Bremer Leselust im Hemelinger Rathaus aufgestellt. Das Bücherregal – eigentlich ein Büchertauschregal – können die Schüler gleich nutzen: Jedes Kind darf sich ein Buch aussuchen. „Und wenn ihr das durch habt, tauscht ihr mit euren Klassenkameraden und später könnt ihr das in das Büchertauschregal stellen und euch ein neues nehmen“, gibt die ehemalige Lehrerin, die 2016 das Bundesverdienstkreuz von Joachim Gauck für ihr Engagement erhielt, den Kindern mit auf den Weg.

Paul hat sich ein Buch des „Grüffelos“ ausgesucht. „Das finde ich spannend“, sagt der Junge, der „Grüffelo“ zwar schon kennt, aber noch mehr darüber lesen möchte. Zuhause sei es der Papa, der ihm vorlese. „Jeden Tag!“, wie Paul sagt. Reyyan dagegen liest eigentlich nicht so gerne, aber „Mein Lotta-Leben“ findet sie dann doch spannend. „Das mag ich richtig gerne!“ Heute hat sie sich aber vor allem der Optik wegen für das Buch „Thabo“ entschieden. Christian Weber tendiert dagegen mehr zu Abenteuerbüchern. „Die Schatzinsel fand ich immer toll und Gullivers-Reisen war eines meiner Lieblingsbücher.“ Er lese sehr gerne vor. „Das macht mir Spaß. Vor dem Hintergrund der schlechten Ergebnisse Bremens bei der IQB-Studie, die in der vergangenen Woche für Entsetzen in Bremen sorgten, betonte der Bürgerschaftspräsident: „Man muss viel mehr lesen und vorlesen – man hört sich selbst und lernt unheimlich, sich zu konzentrieren.“

Wer dem Bürgerschaftspräsidenten nacheifern möchte, finden nun Im Rathaus Hemelingen im Büchertauschregal genügend Lesestoff.

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