Beirat lehnt derzeitiges Planungsverfahren für eine Bebauung der Galopprennbahn ab

Hemelinger wollen vorher beteiligt werden

Hemelingen. Der Beirat Hemelingen hat die geplante Bebauung der Galopprennbahn mit ihrem derzeitigen Planungsverfahren einmütig abgelehnt. Dem war allerdings eine kontroverse Diskussion vorausgegangen, die Abgeordneten des Stadtteilparlaments hatten anfangs über sechs Anträge zu beraten.
05.11.2016, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von VON CHRISTIAN HASEMANN

Hemelingen. Der Beirat Hemelingen hat die geplante Bebauung der Galopprennbahn mit ihrem derzeitigen Planungsverfahren einmütig abgelehnt. Dem war allerdings eine kontroverse Diskussion vorausgegangen, die Abgeordneten des Stadtteilparlaments hatten anfangs über sechs Anträge zu beraten. Dabei reichten die Beschlussvorlagen von einer kompletten Ablehnung (CDU) bis hin zu einer Zustimmung der Bebauung unter bestimmten Voraussetzungen (Grüne). Und zunächst war tatsächlich keine gemeinsame Lösung in Sicht, zu unterschiedlich schienen die Standpunkte. Und auch innerhalb der Fraktionen gingen die Meinungen auseinander.

Gerhard Scherer (CDU) formulierte den Standpunkt seiner Fraktion so: „Wir lehnen generell eine Bebauung ab, unser einziges Ziel und unsere Hoffnung ist, dass wir der Bevölkerung zeigen, dass der Beirat sie unterstützt.“ Dem hielt Ralf Bohr von den Grünen entgegen: „Dinge auszublenden zeugt von einer gewissen Ignoranz. Bremen ist eine wachsende Stadt, wir haben steigende Mieten, gerade bei Mieterwechseln, da kann sich Hemelingen nicht einfach ausklinken.“ Er wies außerdem darauf hin, dass ein Planfeststellungsbeschluss zur Galopprennbahn, wie er noch im November von der Baudeputation beschlossen werden soll, nur die Grenzen festlegt. „Danach kommt die ganze Beteiligung.“

Im Antrag der Grünen wurde dann auch ein umfangreiches Beteiligungsverfahren gefordert, in dem die Bevölkerung in die Planungen einbezogen wird, wie beim Hulsberg-Quartier. „Wir brauchen Wohnraum und wir brauchen günstigen Wohnraum“, so der Appell von Ralf Bohr. Im Übrigen sei die Rennbahn gerade einmal an sechs Tagen im Jahr für die Öffentlichkeit geöffnet. „Auf dem Gelände könnte man etwas für alle machen.“

Norbert Schepers (Linke) konnte sich der Forderung nach günstigem Wohnraum zwar anschließen, sagte aber auch: „Wir glauben nicht, dass sich durch die Bebauung der Rennbahn viel ändern wird.“ Und schließlich gehe auch etwas für den Stadtteil verloren. Seine Forderung: „Wir wollen vor dem Planfeststellungsbeschluss eine gemeinsame Beteiligung und ein Planungsverfahren, das die Leute mitnimmt, und erst danach einen Planfeststellungsbeschluss.“

Auch Uwe Jahn (SPD) fordert eine andere Reihenfolge bei den Planungen. „Man muss vorher mit den Menschen sprechen, bevor man einen Beschluss fasst und das Gelände plattmacht.“ In der jetzigen Form entstehe der Eindruck, dass im „Elfenbeinturm“ entschieden werde.

Zahlreich erschienen waren auch Unterstützer der Rennbahn. Sie kündigten an, eine Petition zu starten, und übergaben Ortsamtsleiter Jörn Hermening eine Unterschriftenliste – nicht die erste, die er entgegennahm. Befürworter einer Bebauung meldeten sich an diesem Abend nicht zu Wort, so blieb der Eindruck, dass die Hemelinger das Vorhaben generell ablehnen. Sauer aufgestoßen war vielen das Auftreten von Jürgen Pohlmann (SPD) und Robert Bücking (Grüne) in der Planungskonferenz im Oktober. Der Ärger über das dominante, „aggressive Verhalten“, wie es ein Mann ausdrückte, war noch immer nicht verflogen.

Das Publikum beschäftigte außerdem die Frage, welche Einflussmöglichkeiten der Beirat überhaupt hat. „Man kann hier vieles beschließen, aber was für eine Auswirkung hat das auf die Deputation? Hat das aufschiebende Wirkung? Oder werden hier nur Hoffnungen geweckt?“ Uwe Jahn entgegnete: „Sie können sich sicher sein, wenn ich in die Deputation gehe, werde ich die Meinung des Beirats und des Beschlusses vertreten. Manche Sachen kann man vielleicht nicht verhindern, aber sich gar nicht zu beteiligen ist Kapitulation.“ Er verwies in diesem Zusammenhang auf das Schlossparkbad, das quasi schon geschlossen war, als es durch den Einsatz vieler Menschen vor Ort noch gerettet werden konnte.

Zu Wort meldete sich schließlich auch ein Mitglied der Golf Range auf der Galopprennbahn, die derzeit einen langfristigen Pachtvertrag bis 2035 mit der Stadt besitzt. Hier wird die Stadt vermutlich finanzielle Überzeugungsarbeit leisten müssen. Denn das Mitglied ist sich sicher: „Die Golf Range wird nicht aussteigen, damit wird es keine gesamte Bebauung geben.“ Eine Einschätzung, die der Manager der Anlage, David Müller, noch mal bestätigte: „Wir wollen die Anlage weiterbetreiben.“

Es war Rolf Prigge, Leiter des Instituts für Arbeit und Wirtschaft, der eindringlich an die Beiratsmitglieder appellierte: „Stadtteile sind dann erfolgreich gegenüber der stadtbremischen Politik, wenn sie mit einer Stimme sprechen.“ Das wirkte. Nach einer Unterbrechung und lebhaften Diskussionen in kleinen Grüppchen formulierten die Fraktionen noch im Saal einen gemeinsamen Antrag, der bei Enthaltungen der Grünen einstimmig angenommen wurde. Dieser Beschluss begrüßt grundsätzlich stadtplanerische Aktivitäten in Hemelingen, fordert für jede Planung aber das aktive Einbeziehen der Bevölkerung, den Erhalt von Grünflächen, und lehnt den Planfeststellungsbeschluss zur Galopprennbahn ab. Vor einer möglichen Kündigung des Pachtvertrags sollen Beirat und Bürger beteiligt werden.

Über ihre Planungen für die Galopprennbahn werden die Bau- und die Wirtschaftsbehörde an diesem Montag, 7. November, um 19 Uhr im Speisesaal der Werkstatt Bremen in der Georg-Gries-Straße 1 informieren.
„Werden hier nur Hoffnungen geweckt?“ Zuhörerfrage im Beirat
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