Video zeigt Kämpfe

Hemmungslose Gewalt beim Nordderby

Es sind Bilder hemmungsloser Gewalt: Zehn teils vermummte Personen ringen auf der Verdener Straße einen Mann zu Boden. Von den Kämpfen zwischen Werder-Ultras und Hooligans ist ein Video aufgetaucht.
22.04.2015, 00:00
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Von THILO NEUMANN
Hemmungslose Gewalt beim Nordderby

Angemessen? Augenzeugen kritisieren den Polizeieinsatz beim Derby.

Frank Thomas Koch

Es sind Bilder hemmungsloser Gewalt: Zehn teils vermummte Personen ringen auf der Verdener Straße einen Mann zu Boden, treten ihm ins Gesicht. Einer aus der Gruppe schleicht von hinten an, schnappt sich aus einem Hauseingang einen mit Erde gefüllten Blumenkübel, groß wie ein Medizinball, und wirft ihn in den Nacken seines Opfers. Als Polizisten angelaufen kommen, fliehen die Angreifer – da läuft das Video bereits mehr als drei Minuten. Dass der Geschlagene noch aufstehen kann, grenzt an ein Wunder.

Das Video, das ein Augenzeuge am Sonntag aufgenommen und der WESER-KURIER eingesehen hat, dokumentiert vermutlich einen Angriff von Bremer Ultras auf einen Hooligan. Nach dem Nordderby zwischen Werder und dem HSV war es rund um die Kneipe „Verdener Eck“ zu heftigen Kämpfen gekommen. Auslöser und Verlauf der Krawalle, bei denen die beiden Lager laut Polizeiangaben mit Holzlatten und Biertischgarnituren aufeinander losgegangen seien, sind weiter unklar.

„Da haben sich zwei gewaltbereite Gruppen gesucht und gefunden“, sagt Dirk Siemering, Pressesprecher der Polizei Bremen. Der Randale seien „gegenseitige Provokationen“ zwischen Ultras und Hooligans vorausgegangen.

Kontrahenten schieben sich gegenseitig Schuld zu

Die beiden Konfliktparteien schieben derweil die Schuld dem jeweils anderen zu. Ein Ultra berichtete dem WESER-KURIER am Telefon von einem Angriff von etwa 50 „Nazi-Hools“ auf circa 20 Ultras ohne Eintrittskarte, die nach Spielende auf dem Weg zum Weser-Stadion am „Verdener Eck“ vorbeigekommen seien. Demnach sind die Ultras zum Osterdeich geflohen, wo sie von Polizeibeamten eingekesselt wurden.

Als weitere 100 bis 150 Ultra-Fans die Kreuzung Osterdeich/Verdener Straße blockierten, habe die Polizei unter Einsatz von Pfefferspray und Schlagstöcken die Gruppe in die Verdener Straße gedrängt – in die Richtung der feindlichen Hooligans. Die Aussage eines weiteren Augenzeugen, der nicht der Ultra-Bewegung angehört, deckt sich mit dieser Darstellung.

Die Polizei bestätigt den Vorfall, verteidigt aber ihr Vorgehen. „Die Einsatzkräfte sind konsequent und der Lage angemessen eingeschritten“, sagt Siemering. Aus der Gruppe seien Flaschen und Steine auf Beamte geflogen. Die Gegenseite bestreitet dies; zudem seien Unbeteiligte durch die Polizeimaßnahmen verletzt worden, ein Passant sei bewusstlos geworden.

Was genau geschah, bleibt offen

Was dann am „Verdener Eck“ geschah, bleibt offen. Ein Hooligan berichtet von einem Angriff der Ultras mit Baseballschlägern und Tränengas, der von der Polizei „gewährt worden“ sei – die Gegenseite spricht von einem Übergriff der Hooligans.

Bei der Polizei wird der Einsatz von Sonntag ausgewertet, konkrete Ergebnisse seien diese Woche aber nicht zu erwarten. Man wolle mit Vertretern der beteiligten Gruppen in Kontakt treten, mit dem Fan-Projekt Bremen gab es bereits am Dienstag „intensive Gespräche“, so Siemering.

Der Fall birgt Brisanz: Das vorrangige Ziel des Großeinsatzes beim Nordderby, die Trennung von Bremern und Hamburgern, sei weitgehend gelungen. Der Vorfall vom Sonntagabend zeigt, dass die Polizei bei Heimspielen offensichtlich auch wieder die Werder-Fanszene verstärkt in den Fokus nehmen muss.

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