Schon bald könnten in Bremen-Nord drei weitere Sporthallen zur Notunterkunft für Flüchtlinge werden Herausforderung für Schulen und Vereine

Bremen-Nord. An der Oberschule in den Sandwehen bereitet man sich auf neue Herausforderungen vor. Die Sporthalle der Oberschule ist am Montag ebenso wie die Hallen an der Lerchenstraße und an der Alwin-Lonke-Straße in Augenschein genommen worden, ob sie für die Unterbringung von Flüchtlingen tauglich ist.
20.10.2015, 00:00
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Herausforderung für Schulen und Vereine
Von Julia Ladebeck

An der Oberschule in den Sandwehen bereitet man sich auf neue Herausforderungen vor. Die Sporthalle der Oberschule ist am Montag ebenso wie die Hallen an der Lerchenstraße und an der Alwin-Lonke-Straße in Augenschein genommen worden, ob sie für die Unterbringung von Flüchtlingen tauglich ist. „Wir werden hier eine Fülle an Begegnungen haben, mit denen wir pädagogisch umgehen müssen und wollen“, sagt die stellvertretende Schuldirektorin Bärbel Müller.

Bisher wird in Bremen-Nord lediglich eine Sporthalle für die Unterbringung von Flüchtlingen genutzt. Seit Mai ist die Sportstätte an der Reepschlägerstraße in Blumenthal Notunterkunft. Wie berichtet, prüft der Bremer Senat derzeit die Hallen an der Oberschule in den Sandwehen, an der Oberschule Lerchenstraße und Schulzentrum Alwin-Lonke-Straße auf ihre Eignung als Notunterkunft. Am Montag gab es eine erste Begehung.

Die Ergebnisse sollen nach Angaben von David Lukaßen, Sprecher der Sozialbehörde, im Laufe der Woche vorliegen. Geprüft werden demnach unter anderem die Sanitäranlagen und der Brandschutz, weshalb auch die Feuerwehr an den Begehungen teilnimmt. Wie berichtet, war auch die Sporthalle an der Kerschensteinerstraße kürzlich auf ihre Eignung überprüft worden. Sie wurde in der Prioritätenliste aber zunächst zurückgestellt. Grund ist laut Lukaßen, dass die Halle auch vom benachbarten Förderzentrum genutzt wird. Wann die Hallen konkret belegt werden, nachdem sie als geeignet eingestuft worden sind, lasse sich nicht voraussagen, so Lukaßen. „Der Zeitpunkt der Belegung hängt von den tatsächlichen Zugangszahlen ab.“

Trotz aller Einschränkungen, die eine Belegung der Halle für die Schule und den Sportunterricht der Schüler bedeuten würde, geht Bärbel Müller von der Oberschule in den Sandwehen optimistisch an die Situation heran. „Wir versuchen, etwas Positives daraus zu machen.“ Ihr Optimismus resultiert unter anderem aus den guten Erfahrungen, die die Schule bisher mit den jugendlichen Flüchtlingen und deren Familien gemacht hat, die am Neuenkirchener Weg einen Vorkurs besuchen. Sie seien eine „große Bereicherung“.

Dennoch gilt es für die Schulleitung, organisatorische Herausforderungen zu meistern. Die Umorganisation des Sportunterrichts ist dabei nur ein Aspekt. „Wir müssen gucken, wie wir den fußläufigen Verkehr über den Schulhof regeln können“, schildert Müller ein Problem. „Wir haben einen zweiten Ausgang und überlegen, ob wir den wieder öffnen können.“ Auch müsse sichergestellt werden, dass der Schulhof während der Schulzeit allein von den Schülern genutzt wird.

Für den Sportunterricht der Schüler wird nach Angaben von Annette Kemp, Sprecherin der Bildungsbehörde, aktuell nach „Lösungsansätzen“ gesucht. „Derzeit findet ein Austausch mit anderen Schulen in der unmittelbaren Umgebung statt. Vorrang haben – wie in ganz Bremen – die abschlussrelevanten Sportkurse. Es wird aber auch Unterricht ausfallen“ Genaueres könne die Behörde voraussichtlich am Dienstag mitteilen. Ebenfalls betroffen von der Belegung der Sporthalle an der Oberschule in den Sandwehen wären die Vereine Blumenthaler TV, HSG Vegesack-Hammersbeck, die Leichtathletik-Gemeinschaft Bremen-Nord, der Lüssumer Sportverein, die Freie Turnerschaft Hammersbeck und der SV Kurd Bremen.

Uwe Schnibben, erster Vorsitzender des Blumenthaler TV, bleibt erst einmal gelassen. „Was nützt es, uns jetzt Gedanken zu machen? Wenn es so weit ist, müssen wir uns mit dem Hallenmanagement des Landessportbunds an einen Tisch setzen.“ Neben der Faustball- und der Badminton-Sparte wären besonders die Basketballer des Vereins betroffen. „Sie tragen in der Halle ihre Punktspiele aus.“

Jennifer Neßler, die beim Landessportbund für das Hallenmanagement zuständig ist, weiß, dass der Bremer Senat auf solche Umstände mittlerweile keine Rücksicht mehr nehmen kann. „Bei den ersten Hallen hat man noch geschaut, dass der Sportbetrieb nicht allzu sehr beeinträchtigt wird. Mittlerweile sind aber auch Hallen betroffen, bei denen die sportliche Auslastung extrem groß war.“ 15 der insgesamt 30 großen Bezirkssporthallen in Bremen sind laut Neßler bereits belegt. „Ich fürchte aber, dass perspektivisch alle Hallen belegt werden müssen.“

Bisher habe sie die Erfahrung gemacht, dass die Vereine verständnisvoll reagieren, „schließlich möchte niemand, dass die Menschen auf der Straße schlafen müssen“. Gleichzeitig wachse aber auch die Forderung, der Bremer Senat müsse alternative Unterkünfte schaffen.

Eine besondere Schwierigkeit dürfte sich aus einer Belegung der Sporthalle für die Oberschule an der Lerchenstraße ergeben. Wie berichtet, wurde der Weg zum Abitur dort in Abstimmung mit der Schulbehörde neu gestaltet, nachdem für das laufende Schuljahr mangels Anmeldungen kein elfter Jahrgang zustande gekommen war. Unter anderem mit dem Profil „Internationales Sportmanagement“ möchte die Schulleitung nun wieder mehr Schüler gewinnen. Das Sportprofil würde jedoch leiden, wenn keine Halle zur Verfügung stünde. Genutzt wird die Halle in Aumund-Hammersbeck außerdem von der Sportgemeinschaft Aumund-Vegesack, dem Vegesacker Turnverein, der Freien Turnerschaft Hammersbeck und dem MTV „Eiche“ Schönebeck.

In Grambke wären ebenfalls zahlreiche Vereine sowie das Kinder- und Familienzentrum An Smidts Park betroffen. Die Halle am Schulzentrum Alwin-Lonke-Straße wird außer von der Schule selbst auch vom TSV St. Magnus, vom Sportverein Grambke-Oslebshausen, dem 1. FC Burg sowie vom Bremer Badminton-Verband genutzt.

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