Zuwandererkinder an Bremer Schulen

Herausforderung Integration

Was brauchen Schulen, damit Zuwandererkinder hier gut lernen können? Gewerkschaftsvertreter fordern vor allem eine weitergehende Förderung nach dem Ende des Vorkurses sowie Alphabetisierungskurse.
22.09.2017, 20:13
Lesedauer: 2 Min
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Herausforderung Integration
Von Sara Sundermann
Herausforderung Integration

Die meisten jugendlichen Flüchtlinge besuchen in Bremens Schulen zunächst eine Vorklasse.

Mikhail Galian

Zuletzt besuchten mehr als 1200 zugewanderte Kinder Vorkurse an allgemeinbildende Schulen in der Stadt Bremen und knapp 1300 zugewanderte Jugendliche spezielle Klassen in Bremer Berufsschulen. Das geht aus einer Antwort des Senats auf eine Große Anfrage der Linksfraktion in der Bürgerschaft hervor.

Die Linken, aber auch Grüne und SPD hatten sich danach erkundigt, wie es inzwischen um die große Zahl von Zuwandererkindern und unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen in Bremens Schulen steht. Und auch viele Bremer Lehrkräfte haben sich zuletzt damit beschäftigt, was die Schulen brauchen, um die Aufnahme der Schülerinnen und Schüler aus anderen Ländern zu stemmen.

Die meisten brauchen weitere Sprachförderung

Darüber sprachen rund 100 Pädagogen bei einem Fachtag im Konsul-Hackfeld-Haus, zu dem die Gewerkschaft GEW eingeladen hatte. „Nach der Schulreform und der Inklusion folgt mit der Integration von Geflüchteten eine weitere Großaufgabe für die Schulen – abermals ohne die nötige Finanzierung“, fasst GEW-Landesvorstandssprecher Bernd Winkelmann die Ergebnisse der Tagung zusammen.

Er betont: “Auch nach dem einjährigen Sprachkurs brauchen die allermeisten geflüchteten Kinder und Jugendlichen weitere Sprachförderung, die durch zusätzliches qualifiziertes Personal sicherzustellen ist.“ Derzeit besuchen Zuwandererkinder, die noch kein oder nur wenig Deutsch können, meist zunächst eine spezielle Klasse, in der vor allem Sprachkenntnisse vermittelt werden.

An Grundschulen fehlen Alphabetisierungskurse

Die meisten bleiben an allgemeinbildenden Schulen für ein Jahr und an Berufsschulen zwei Jahre lang in speziellen Flüchtlingsklassen. „Es bräuchte auch nach Ende des Vorkurses für die Kinder begleitend zum normalen Unterricht jeden Tag eine Förderung, zum Beispiel eine oder zwei Stunden, in denen Fragen geklärt werden können und in denen es Hausaufgabenhilfe gibt“, sagt Barbara Schüll vom Betriebsrat des Vereins Stadtteilschule, bei dem viele Lehrkräfte beschäftigt sind.

An den Grundschulen fehlten zudem Alphabetisierungskurse, sagt sie: „Wir haben Kinder, die in der dritten und vierten Klasse nicht lesen und schreiben können.“ Für sie müsse es besondere Angebote geben. Derzeit gibt es dem Senat zufolge nur in manchen Vierteln – in Bremen-Nord und der Neustadt – insgesamt vier Alphabetisierungskurse für die ganze Stadt.

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