Stiftungsdorf Ellener Hof

Herkulesaufgabe im Bremer Osten

Das Stiftungsdorf Ellener Hof nimmt die nächste Hürde: Im Frühling sollen die Vorarbeiten beginnen, die ersten Häuser in Bremen-Blockdiek könnten ab Sommer entstehen.
05.02.2018, 18:55
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Von Frank Hethey
Herkulesaufgabe im Bremer Osten

Haben sich Gedanken gemacht: (v. l.) Senatsbaudirektorin Iris Reuther, Baustaatsrat Jens Deutschendorf und Alexander Künzel, Vorstandschef der Bremer Heimstiftung.

Frank Thomas Koch

Alexander Künzel spart nicht mit großen Worten, wenn es um das Stiftungsdorf Ellener Hof geht. „So etwas gibt es nur einmal in 100 Jahren“, sagt der Vorstandschef der Bremer Heimstiftung. Gemeint ist die Chance, ein knapp 100 Hektar großes Areal in Blockdiek nicht nur zu bebauen, sondern wegweisend zu gestalten. „Als amerikanischer Investor würden wir 500 Altenplätze errichten“, so Künzel. Doch weil die Heimstiftung das nicht ist, macht sie etwas ganz anderes.

Nicht eine einseitige Nutzung als Seniorenstätte ist geplant, sondern eine „hohe Vielfalt“ als bunt gemischtes Viertel. Ein neues Quartier soll entstehen, das es in sich hat, weil es Platz für alle hat: für Familien, für Studierende, für ältere Menschen, für etliche soziale Träger, für Sozialwohnungen. Ein Quartier, das zudem noch als „sozial-ökologisches Dorf“ neue Maßstäbe setzen soll.

„Das ist eine Herkulesaufgabe, aber auch eine Jahrhundertchance“, sagt Künzel. Nun liegt der Bebauungsplan nicht nur im Ortsamt Osterholz aus, sondern auch im Foyer der Baubehörde im Siemens-Hochhaus. Dort können sich Interessierte im Rahmen einer am Montag eröffneten Ausstellung einen Überblick zum derzeitigen Planungsstand verschaffen.

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Für Künzel ist das der „nächste Meilenstein“ eines ehrgeizigen Projekts, das „in der Bremer Bauhistorie etwas Einzigartiges“ sei. Und darum das Potenzial hat, als Vorzeigeprojekt überregional für Aufsehen zu sorgen. Schon in ein paar Monaten werden die vorbereitenden Arbeiten beginnen: Im Frühling sollen die zum Abriss bestimmten Altbauten verschwinden und rund 70 Bäume gefällt werden, die nicht Teil des Grünkonzepts sind.

Danach starten die Erschließungsarbeiten, die sich voraussichtlich bis zum Herbst hinziehen werden. Ist der Bebauungsplan erst mal rechtskräftig, können parallel im Sommer die ersten Häuser an der Ludwig-Roselius-Allee hochgezogen werden. Sobald Kanalisation und Straßen angelegt sind, rücken auch im Kernbereich die Bagger an.

500 Wohnungen sollen entstehen, insgesamt rechnet Künzel mit rund 1000 Einwohnern im neuen Quartier. Als Eigentümerin will die Heimstiftung eine stattliche Anzahl von Grundstücke parzellieren und in Erbpacht vergeben. Umweltfreundlich und preisgünstig soll es sein, das Wohnen im Bremer Osten. Im Herbst 2019 könnten die ersten Sozialträger ihre Arbeit aufnehmen.

Neue Wohnungen werden dringend gebraucht

Für die Bremer Heimstiftung ist das Stiftungsdorf Ellener Hof buchstäblich Neuland. Fast wie die Jungfrau zum Kind kam die Stiftung zu dem „Riesengeschenk“, wie Künzel es nennt. Bis 2015 gehörte das Gelände dem Verein „Ellener Hof“. Erst als der sich auflöste und in der Heimstiftung aufging, wurde die Stiftung Eigentümerin des weitläufigen Areals.

Pressekonferenz Stiftungsdorf Ellener Hof -

Mit Ecken und Kanten: Die Gebäude im Stiftungsdorf Ellener Hof sollen samt und sonders in Holzbauweise errichtet werden.

Foto: Frank Thomas Koch

Und stand plötzlich vor der Frage, was damit anzufangen sei. Schnelle Antworten gab es nicht, zumal die Heimstiftung kein klassischer Wohnungsbauträger ist. Klar war nur, es sollte nicht nur irgendein Neubaugebiet entstehen. „Wir wollten ein Quartier bauen, auf das man Lust hat“, sagt der 62-jährige Künzel. Bei der Stadt rannte die Heimstiftung offene Türen an. Zumal im Bremer Osten neue Wohnungen dringend gebraucht werden.

„Die Frage war: Wie kann man aus diesem Ort ein besonderes Quartier machen?“, sagt Senatsbaudirektorin Iris Reuther. Eine Antwort lautete: Indem man die Flächen nicht einfach rigoros leer räumt, sondern einige der alten Gebäude weiter nutzt und keinen kompletten Kahlschlag des alten Baumbestands vornimmt.

"Klimaschutz durch Fahrradverkehr"

Dazu passt die Vorgabe, sämtliche Neubauten aus dem nachwachsenden Rohstoff Holz zu errichten, die Fassaden wie auch die tragenden Teile. Deshalb werden auch keine Hochhäuser entstehen, bei Holzbauweise ist die Zahl der Stockwerke auf buchstäblich natürliche Weise beschränkt – mehr als vier oder fünf Geschosse sind nicht drin. Zur konsequenten Holzbauweise passt die ökologische Ausrichtung des Stiftungsdorfs.

Als Modellquartier für „Klimaschutz durch Fahrradverkehr“ soll es zwar nicht komplett autofrei sein, aber laut Baustaatsrat Jens Deutschendorf doch ein „autoreduziertes Quartier“. Von einem „Quartier für Menschen, nicht für Autos“ spricht denn auch Reuther. Konkret bedeutet das: Ein zentraler, ebenerdiger Parkplatz am Eingang des Areals soll einen Teil des ruhenden Autoverkehrs abfangen, während im Kernbereich die privaten Stellplätze bewusst knapp gehalten werden.

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„Ein Mobilitätskonzept zur Verringerung des Stellplatzbedarfs ist Teil des Konzepts“, heißt es dazu vonseiten des Bauressorts. Das Gegenstück dazu sind mehr öffentliche Abstellmöglichkeiten für Fahrräder. Und eine zentrale Paketstation für den ständig wachsenden Lieferverkehr durch Online-Dienste. Von der Paketstation sollen Lastenräder die Lieferungen abholen und im Quartier verteilen – als Alternative zu Lieferwagen, die bis vor die Haustür fahren.

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