Nach dem Tod dreier Frühchen in Bremen Herkunft des Keims nicht mehr feststellbar

Bremen. Die Herkunft des Erregers, an dem in einer Bremer Klinik mehrere Frühchen gestorben sind, ist nicht mehr feststellbar. Das geht aus einem am Donnerstag vorgelegten Zwischenbericht des Robert-Koch-Instituts hervor.
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Herkunft des Keims nicht mehr feststellbar
Von Matthias Lüdecke

Bremen. Die Herkunft des Klebsiella-Keims, an dem auf der Frühgeborenen-Intensivstation des Klinikums Bremen-Mitte drei Frühchen gestorben sind, ist nicht mehr feststellbar. Das geht aus einem ersten Zwischenbericht des Robert-Koch-Instituts hervor, den Gesundheitssenatorin Renate Jürgens-Pieper (SPD) gestern in der Gesundheitsdeputation vorgestellt hat. Auch die Übertragungswege konnten nicht mit letzter Sicherheit ermittelt werden. Es gibt nur Vermutungen und Wahrscheinlichkeiten. Immerhin gilt der Ausbruch inzwischen als gestoppt.

Er war lange und mit Spannung erwartet worden: Gestern hat die Behörde von Gesundheitssenatorin Renate Jürgens-Pieper (SPD) einen Zwischenbericht des Robert-Koch-Instituts (RKI) erhalten. Drei Experten des Instituts hatten Anfang November die Frühgeborenen-Intensivstation des Klinikums Bremen-Mitte untersucht. Sie waren hinzugezogen worden, nachdem bekannt geworden war, dass im August und Oktober drei Frühchen an der multiresistenten Variante des Klebsiella-Keims gestorben waren. Bis gestern ging man davon aus, dass sogar 23 Kinder seit April mit dem Keim in Kontakt gekommen sind. Neun von ihnen erkrankten, drei Frühchen starben daran, ein weiteres, das den Keim in sich trug, erlag einer Hirnblutung.

Der RKI-Bericht spricht nun von 25 Fällen. Auch er allerdings geht von den bisher bekannten vier Todesfällen und neun erkrankten Kindern aus. Drei weitere Kinder zählt er zu den Infizierten, da sie mit Antibiotika behandelt wurden. Und er benennt erste Untersuchungsergebnisse. Eines jedoch konnten auch die Experten des Berliner Instituts nicht mehr herausfinden: die Herkunft des Keims.

Wahrscheinlichste Quelle

Sie sei nicht mehr feststellbar, heißt es in dem Bericht, den Jürgens-Pieper gestern Nachmittag den sehr um Sachlichkeit bemühten Mitgliedern einer ohnehin einberufenen Sondersitzung der Gesundheitsdeputation vorstellte. „Auch der Übertragungsweg ließ sich nicht eindeutig nachweisen“, sagte sie. Immerhin gibt es eine Möglichkeit, die die RKI-Mitarbeiter für wahrscheinlicher halten als alle anderen: eine Übertragung von Mensch zu Mensch. Dass nur ein einziger Mensch oder Gegenstand Quelle der Keime ist, kann das RKI nicht ausschließen, hält diese Variante aber für wenig wahrscheinlich.

Dass kein Mitarbeiter der Station eine solche sogenannte Punktquelle ist, dafür spricht auch das Ergebnis der Mitarbeiteruntersuchung. Im November waren von allen Mitarbeitern, die Kontakt mit den Frühchen hatten, Abstriche genommen worden. Bei keiner dieser Personen sei bisher der Keim in seiner multiresistenten Variante nachgewiesen worden, erklärte Diethelm Hansen, Geschäftsführer des Klinikverbunds Gesundheit Nord (Geno), der auch das Klinikum Bremen-Mitte betreibt. Gleichwohl hat das RKI in vier Proben einer Umgebungsuntersuchung, die das Gesundheitsamt am 7. September vorgenommen hatte, Klebsiella-Erreger nachgewiesen. Betroffen waren ein Schnuller, eine Windelwaage, eine Kanülenabwurfbox – und die Hand eines Mitarbeiters. „Das ist ein Desinfektionsproblem, das muss man so deutlich sagen“, kommentierte Jürgens-Pieper diesen letzten Befund.

Doch der Bericht enthält neben all den Analyseergebnissen und den noch ungeklärten Fragen auch Positives: Der Keimausbruch ist nach Ansicht der RKI-Experten derzeit unterbrochen. Es sei unwahrscheinlich, dass noch ein unerkannt mit dem Ausbruchserreger besiedeltes Kind im Klinikum-Mitte behandelt werde, heißt es in dem Bericht. Die Intensivstation war am 7. September geschlossen worden, die betroffenen Kinder hatte man auf eine andere Station verlegt. Derzeit wird sie umfassend desinfiziert und in Teilen umgebaut, wie Hansen berichtete. Vor Weihnachten soll sie wiedereröffnet werden.

Die Geno zieht aber noch weitere Konsequenzen aus den Vorfällen. So solle unter anderem die Frühchenstation wieder einen eigenen Chefarzt erhalten. Zuletzt war Hans-Iko Huppertz zugleich Chef der Station und der Professor-Hess-Kinderklinik. Die Geno hatte ihn am 15. November fristlos entlassen. Sie wirft ihm schwere Versäumnisse im Umgang mit dem Keimausbruch vor. Vorgestern wurde bekannt, dass die Staatsanwaltschaft wegen fahrlässiger Körperverletzung und fahrlässiger Tötung gegen ihn ermittelt. Nun räumte Hansen ein, dass die Leitung beider Kliniken ein zu großer Bereich sei. „Ich bin davon überzeugt, dass die Aufteilung, so wie wir sie vor 2005 hatten, richtig war“, sagte er, „diesen Weg wollen wir wieder gehen.“

Zudem präsentierte Hansen eine Analyse der Mitarbeiterstärke auf der Frühchenstation des gesamten Jahres. Sein Ergebnis: Es sei immer ein Arzt im Dienst gewesen und von dem empfohlenen Betreuungsverhältnis von einer Pflegekraft für maximal vier Patienten sei nur in wenigen Ausnahmefällen abgewichen worden.

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