Koronare Krankheit Herz in Gefahr

Nach Angaben der Deutschen Herzstiftung leiden bundesweit rund sechs Millionen Menschen an der Koronaren Herzkrankheit, kurz: KHK. Viele wissen jedoch nichts davon.
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Herz in Gefahr
Von Sabine Doll

Für Karl-Christian Koch ist dies eine typische Geschichte: Beim Treppensteigen muss der Patient immer wieder kurz stehen bleiben. Ein drückender Schmerz hinter dem Brustbein zwingt ihn zu den Pausen. Auch das Atmen fällt schwer. Oben angekommen und nach ein paar Minuten Erholung sind Schmerz und Luftnot wieder verschwunden. Bis zur nächsten Situation, die mit einer körperlichen Anstrengung verbunden ist. Der Leiter der Kardiologie im Roten Kreuz Krankenhaus Bremen (RKK) ist alarmiert, wenn Patienten ihm solche Beschwerden schildern. „Sie sind in der Regel typische Anzeichen für die Koronare Herzkrankheit“, sagt Koch. „Und die kann zu einem Herzinfarkt führen.“

Nach Angaben der Deutschen Herzstiftung in Frankfurt am Main leiden bundesweit rund sechs Millionen Menschen an der Koronaren Herzkrankheit, kurz: KHK. Viele wissen jedoch nichts davon. Und selbst wenn Beschwerden wie ein Druck hinter dem Brustbein oder Atemnot bei Anstrengung auftreten, würden sie oft auf einen allgemeinen Fitnessmangel oder das Alter geschoben. Das Gefährliche an der Erkrankung: „Sie entwickelt sich ganz schleichend und zunächst unbemerkt“, sagt der Bremer Kardiologe. „Sie beginnt früh, oft schon Jahrzehnte vor einem Herzinfarkt.“

Die KHK ist eine Erkrankung der sogenannten Koronargefäße, die das Herz mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgen. Es bilden sich an einzelnen Stellen Ablagerungen, die in die Gefäße hineinragen und sie nach und nach verengen. „Die Patienten spüren lange Zeit nichts davon“, erklärt Koch. „Bis zu dem Moment, wenn die Engstellen so ausgeprägt sind, dass sie den Blutstrom behindern. Zum Beispiel bei körperlichen Anstrengungen.“ Denn dann ist der Bedarf an Sauerstoff- und nährstoffreichem Blut erhöht.

Etwa ein Viertel Liter Blut durchfließt den Herzmuskel jede Minute. Bei Belastung steigt dieser Blutfluss um das Vierfache an. Durch die Engstellen wird er behindert und der Muskel ist unterversorgt. Das macht sich durch ein Engegefühl und Brennen im Brustkorb bemerkbar, das auch in Bauch, Hals, Kiefer, Rücken oder die Arme ausstrahlen kann. Bei manchen Patienten kommt es aber auch nur zu Luftnot. Typische Situationen für dieses Szenario sind Treppensteigen, schnelles Gehen, das Heben schwerer Gegenstände wie Getränkekisten oder wenn Patienten aus einem warmen Raum in die Kälte hinausgehen.

Koch: „Besonders alarmierend ist es, wenn diese Beschwerden bereits bei kleinsten Belastungen und in Ruhe auftreten. Dann muss sofort der Notarzt gerufen werden, weil sich daraus ein Herzinfarkt entwickeln kann.“ Dann reißt die dünne Gefäßinnenhaut über der Ablagerung auf, es bildet sich ein Blutgerinnsel an der Stelle des Einrisses, das Herzkranzgefäß wird fast oder vollständig verschlossen. Koch: „Der Einriss kündigt sich nicht an, weshalb die Patienten den Eindruck haben, dass der Infarkt aus heiterem Himmel kommt. Tatsächlich geht ihm aber in den meisten Fälle die Koronare Herzkrankheit voraus. Und das schon seit vielen Jahren.“

Deshalb ist es nach Ansicht des Kardiologen so wichtig, dass Patienten bei ersten Beschwerden – auch wenn sie nie Probleme mit dem Herzen hatten – zum Arzt gehen. Mit Hilfe eines EKG, vor allem auch unter Belastung, sowie einer Herzkatheteruntersuchung bei begründetem Verdacht können Kardiologen feststellen, ob die Kranzgefäße durch Ablagerungen verengt sind – und handeln: „In kleineren Gefäßen können Medikamente eine Option sein. Ist der Hauptstamm betroffen, werden Stents an die Engstelle gesetzt oder es wird ein Bypass, eine Art Gefäßumleitung, gelegt.“

Die Koronare Herzkrankheit und der Herzinfarkt sind in den meisten Fällen kein Schicksal, betont Koch. „Unser Lebensstil, Bewegungsmangel, Übergewicht, Rauchen, ungesunde Ernährung und Stress schädigen die Gefäße und führen zu Risikokrankheiten wie Diabetes, Bluthochdruck und erhöhten Blutfettwerten. Diese Risikokrankheiten entwickeln sich über einen langen Zeitraum.“ Zwar gebe es auch genetische Faktoren, die die Erkrankung begünstigten. „Aber der Lebensstil ist der wichtigste Ansatzpunkt, um der Koronaren Herzkrankheit vorzubeugen. Theoretisch kann jeder, der sehr ungesund lebt, die Krankheit entwickeln“, sagt der Kardiologe.

Allein 30 Minuten Ausdauerbewegung täglich – zum Beispiel Gehen oder Radfahren – bremst laut der Deutschen Herzstiftung Entstehung und Fortschreiten der Koronaren Herzkrankheit. Bei der Ernährung empfehlen die Experten die sogenannte Mittelmeerküche, die aus viel Gemüse, Salat, Obst, aus Vollkornprodukten, wenig Fleisch, eher Fisch sowie Raps- und Olivenöl besteht. Koch: „Und ganz wichtig: nicht rauchen.“ Die Änderung des Lebensstils sei vor allem auch wichtigster Bestandteil der Behandlung, wenn die Koronare Herzkrankheit festgestellt wird und nach einem Herzinfarkt.

Die Deutsche Herzstiftung hat die Koronare Herzkrankheit zum Schwerpunkt ihrer diesjährigen Aktionswochen gemacht. Bundesweit finden dazu im November zahlreiche Veranstaltungen statt, auch in Bremen. Sie sind auf der Internetseite der Stiftung www.herzstiftung.de aufgelistet. Dort gibt es auch einen Online-Risikotest.

Das Rote Kreuz Krankenhaus Bremen, St.-Pauli-Deich 24, lädt am Donnerstag, 5. November, von 17 bis 19 Uhr zu einer Veranstaltung ein. Im Anschluss an die Experten-Vorträge können die Besucher ihre Fragen stellen. Um eine Anmeldung unter der Telefonnummer 0421/5599-371 wird gebeten. Der Eintritt ist frei.

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