Restaurantbesprechung

Herzhafte Küche in idyllischer Lage

Ein Ausflug Zur Schleuse nach Lilienthal lohnt sich nicht nur, um der Hektik der Großstadt zu entfliehen. Die Küche serviert bodenständige, schmackhafte und handwerklich einwandfrei gemachte Gerichte.
06.09.2018, 10:15
Lesedauer: 3 Min
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Herzhafte Küche in idyllischer Lage
Von Marcel Auermann
Herzhafte Küche in idyllischer Lage

Rycarda Geffken besitzt mit der Schleuse ein Schmuckkästchen.

Frank Thomas Koch

Manche Abende besitzen die Kraft eines Kurzurlaubs. Vor allem, wenn man sie in einer Gegend verbringt, die einem Naherholungsgebiet gleicht. Das Restaurant Zur Schleuse liegt in den Wümmeniederungen und unweit des Naturschutzgebietes St. Jürgensland. Dementsprechend idyllisch präsentiert sich dieses schmucke Fachwerkhäuschen mit Reetdach, üppiger, mit Blumen schön angelegter Terrasse und einem imposanten Blick in die Landschaft, an deren Horizont an diesem Abend die Sonne golden unterging. Wir waren also schon ziemlich angetan, ehe wir überhaupt ins Haus eintraten.

Im Innern fanden wir ein Lokal im besten Sinn, so wie es früher verbreiteter war, bevor Designer übers Land reisten und alles bis ins Detail abstimmten: ein Tresen mit Bierzapfhahn, der mitten im Raum steht, dunkle Holzbalken, die sich durchs Haus ziehen, robuste Tische mit Kerze, Besteck und Papierserviette und Kellnerinnen, die mit typischer Servicekleidung umherlaufen, die an eine bayerische Tracht erinnert. Alles verströmte eine urige Gemütlichkeit. Wir schalteten ab und die Großstadt schien soooo weit weg. Obwohl wir an einem der letzten Sommerabende dieses Jahres zu Gast waren, dachten wir: Im Winter, womöglich mit Schneetreiben vor der Tür, muss es hier unglaublich romantisch sein.

Geffkens Mockturtle - ein Muss

Auf der Karte fanden wir bodenständige, teils traditionelle und auch deftige Gerichte mit frischen und regionalen Zutaten. Meine Begleitung startete in den Abend mit Geffkens Mockturtle (5,20 Euro), eine Spezialität des Hauses, wie die Karte verriet. Als die Suppentasse auf dem Tisch stand und ich probierte, ärgerte ich mich, dass ich mich nicht dafür entschied. Die Suppe ähnelte einem etwas flüssigeren Ragout – und die schmeckte. Die herzhafte Note gefiel meiner Begleitung und mir besonders. Meine Aalrauchsuppe (5,80 Euro) duftete über den ganzen Tisch, enthielt einige Stücke Fisch, jede Menge Gemüsestreifen von Wurzeln und Sellerie. Darauf lag eine herrliche Sahneschaumkrone. Die Aalrauchsuppe gelang dem Koch gut. Aber beim nächsten Mal ist Geffkens Mockturtle für mich ein Muss.

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Ein 220 Gramm schweres Rumpsteak nach Art des Chefs (24,80 Euro) trug die Kellnerin als Hauptgang zu meiner Begleitung. Es kam noch ein Teller mit einem gemischten Salat hinzu und eine Schale Bratkartoffeln. Schon war der kleine Tisch fast voll. Denn für mich bereitete die Küche eine Platte mit Rehkeule (21,80 Euro) und frischen Pfifferlingen zu. Dazu eine Schale Speckbohnen, eine Sauciere mit Wildrahmsoße und eine Schale mit Salzkartoffeln. Wir mussten etwas Tetris spielen, um für alles einen Platz zu finden. Die Portionen waren also schon einmal richtig mächtig.

Der Hauptgang war eine Wucht

Und der Geschmack? Das zarte Rumpsteak mit den geschmelzten Zwiebeln erinnerte meine Begleitung an einen köstlichen Rostbraten. Die Bratkartoffeln besaßen einen wunderbar schmalzigen Geschmack. Ich bediente mich ebenfalls an den leckeren, krossen Teilen und ließ meine Salzkartoffeln unberührt. Meine Rehkeule lag so butterweich auf der Fleischplatte, sodass sie beim Umheben auf den Essensteller zerfiel. Die Birne mit Preiselbeeren durfte natürlich nicht fehlen. Die Pfifferlinge hatten noch einen schönen Biss und einen aromatischen Eigengeschmack. Selten sehen Gäste ein solches Preis-Leistungsverhältnis. Bravo! Zu unseren Hauptgerichten schmiegte sich der Affentaler Spätburgunder aus Baden (0,25 Liter für 6,90 Euro) mit seinem samtigen Geschmack an unsere Gaumen. Der Hauptgang war – man muss es so sagen – eine Wucht.

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Die Dessertkarte hielt sich arg in Grenzen, weshalb wir die rote Grütze (5,20 Euro) wählten. Dass die hausgemacht war, schmeckten wir sofort. Wir bekamen eine Grütze mit sämiger, cremiger Konsistenz. Nichts erinnerte an die pampigen, gelatineartigen Varianten aus dem Supermarkt. Großmütterchens Schokoladenpudding (5,20 Euro) hob der Koch locker geschlagen in ein Glas und servierte dazu eine Vanillesoße.

Fazit: Ein Ausflug Zur Schleuse nach Lilienthal lohnt sich nicht nur, um der Hektik der Großstadt zu entfliehen. Die Küche serviert bodenständige, schmackhafte und handwerklich einwandfrei gemachte Gerichte.

Zur Schleuse, Truperdeich 35, 28865 Lilienthal, Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag ab 11 Uhr, warme Küche von 12 bis 22 Uhr, teilweise barrierefrei, Internet: www.geffken-zur-schleuse.de

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