Gastkommentar zur Teilhabe Jugendlicher

Heute schon die Welt verbessert?

Kinder- und Jugendbeteiligung ist ein Gewinn – für junge Menschen, für den Stadtteil, die Politik und für die Demokratie, meint unsere Gastautorin Heike Blanck.
15.08.2019, 15:28
Lesedauer: 2 Min
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Von Heike Blanck
Heute schon die Welt verbessert?

Der Jugendbeirat des Bremer Stadtteils Huchting im Juni 2018.

Joerg Teichfischer

Für das Klima und für ihre Zukunft demonstrieren Jugendliche sehr engagiert bei „fridays for future“. Sie fordern radikale Veränderungen der aktuellen Politik. Sie können die gegenwärtige Politik nicht mit gestalten, werden aber mit den ökologischen und sozialen Folgen leben müssen, sie fordern Mitsprache. Aber: Können junge Menschen zu komplizierten Fragen qualifiziert Stellung nehmen? Sollten wir die Politik nicht besser Fachleuten überlassen? Müssen wir unbedingt junge Menschen beteiligen?

Seit Jahren engagieren sich in Bremen auch auf Stadtteil-Ebene Jugendliche in Gruppen oder Jugendbeiräten. Sie haben ihre Forderungen bei der Politik eingebracht. Die Koalition ist darauf eingegangen, sie will junge Menschen früher und besser beteiligen, damit sie ihr Lebensumfeld aktiv mitgestalten können. Jugendforen oder Jugendbeiräte auf Stadtteilebene, selbstorganisierte Projekte und Schülervertretungen sollen stärker gefördert werden.

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Ist eine Jugendbeteiligung wirklich sinnvoll? Lohnt sich diese Investition von Zeit, Energie und Geld? In den vergangenen Jahren wurden positive Erfahrungen gemacht. Kinder- und Jugendbeteiligung ist ein Gewinn – für junge Menschen, für den Stadtteil, die Politik und für die Demokratie. Frühe Teilhabe vermittelt unter anderem die persönliche Erfahrung von Selbst-Wirksamkeit. Kinder und Jugendliche gewinnen an Kompetenz und Stärke.

Im Stadtteil sind die Wege kurz, hier können junge Menschen direkt und vor Ort partizipieren, auch wenn sie noch kein Wahlrecht haben. Sie bringen ihre Ideen und Blickwinkel in die kommunale Politik ein und verbessern die Planungen. Sie verfügen über eine Expertise, die Erwachsene nicht haben.

Beteiligung fördert die Identifikation von Kindern und Jugendlichen mit demokratischen Werten und stellt die Weichen für ihr künftiges gesellschaftliches Engagement.

Jugendbeteiligung beginnt mit Information und Mitsprache, mit der Möglichkeit, Interessen zu äußern. Sie umfasst Mitwirkung, Mitbestimmung und Selbstbestimmung bei der Entwicklung eigener Projekte.

Eines darf Beteiligung keinesfalls werden: Alibi-Beteiligung! Jugendbeteiligung erfordert Empathie, Kompetenz und die entsprechende Ausstattung. Und der Einsatz lohnt sich unbedingt.

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Jugendliche wünschen, dass ihnen zugehört wird und dass aus dem Hören Handeln wird. Es ist an den Erwachsenen, auf die Jugendlichen zuzugehen und ihnen ernst gemeinte Angebote zu machen.

Info

Zur Person

Unsere Gastautorin ist Diplom-Sozialwissenschaftlerin. Sie unterstützt Jugendbeteiligung in Bremer Stadtteilen und engagiert sich in der Bremischen Kinder-und Jugendstiftung.

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