Bücherschränke sind beliebt

Hier gibt es kostenlose Bücher in Bremen

Bücher gibt es an vielen Stellen in Bremen kostenlos: Die Bücherschränke, die erstmals vor wenigen Jahren aufgestellt wurden, sind ein voller Erfolg. Eine Übersicht über die Bremer Schränke.
07.08.2017, 22:04
Lesedauer: 3 Min
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Von Marie Steinhoff
Hier gibt es kostenlose Bücher in Bremen

Ulli und Sabine Hahndorf haben in Findorff ein Bücherregal im Vorgarten, aus dem sich alle Bürger bedienen dürfen.

Frank Thomas Koch

Bücher einfach so mitnehmen, ohne zu bezahlen – das geht an öffentlichen Bücherschränken. Die Idee beruht auf dem Prinzip des Tausches. Vorhandene Bücher kann man mitnehmen. Und die, die man nicht mehr braucht, lässt man einfach da. Auch in Bremen gibt es zahlreiche dieser Einrichtungen. 2009 wurden in allen Bürgerhäusern offene Regale etabliert und 2013 entstand einer der ersten öffentlichen Bücherschränke in der Neustadt am Delmemarkt. Seitdem gibt es immer mehr Pläne und Umsetzungen für solche Büchertauschschränke.

Ein knallrotes Exemplar steht seit März 2015 in Findorff. Das „Bücherdorf“ ist ein privates Projekt des Anwohners Ulli Hahndorf und steht in dessen Vorgarten. In dem roten Kasten findet man Belletristik, Kinder-, Sach- und fremdsprachige Bücher. In einem Gästebuch kann man einen Kommentar hinterlassen. „Ich schaue jeden Tag nach und sortiere die Bücher“, sagt Hahndorf. Negative Erfahrungen habe es noch keine gegeben. „Das Ganze wird wenig missbraucht, es gibt mehr Zugänge als Abgänge.“

Auch in den Bürgerhäusern wird das Angebot genutzt. Stephan Pleyn, der Leiter des Bürgerhauses Weserterrassen, erzählt: „Das Ganze ist sehr erfolgreich und stark frequentiert. Es kommen immer wieder neue Bücher rein.“ Genutzt werde der Schrank auch von allen sozialen Schichten. „Teilweise sind bei den Büchern richtige Schätze dabei“, sagt Pleyn – von unzähligen Romanen, über Foto- und Kunstbände bis hin zu Kinderbüchern. Besonders toll sei, dass so auch Leute mit wenig Geld den Zugang zu Büchern hätten.

Weiterer Schrank für Schwachhausen geplant

„Ich selber nutze das auch sehr gerne. Es ist ein ganz tolles Gefühl, dass die Bücher noch jemand anders liest“, erzählt Pleyn. Man müsse jedoch im Auge behalten, dass manche Bücher nicht wieder mitgenommen werden. „Diese Bücher wechseln wir dann aus“, so Pleyn. Ein Problem aber sei, dass am Bürgerhaus Weserterrassen mitunter sehr viele Bücher mitgenommen werden – vermutlich, um sie zu verkaufen. „Das ist schade“, sagt Pleyn. Deswegen wurde jetzt ein Schild aufgehängt mit der Bitte, doch stets nur einige der ausgelegten Bücher mitzunehmen. In Schwachhausen in der Scharnhorststraße steht ein weiterer Bücherschrank. Gudrun Eickelberg vom Beirat Schwachhausen: „Wir erhalten immer wieder positive Resonanz.“ Deswegen bestehe seit dem Frühjahr 2016 der Plan, am Benqueplatz einen weiteren Schrank zu errichten, um dort die Aufenthaltsqualität zu steigern. Schon vier Leute hätten sich bereit erklärt, sich um den Schrank zu kümmern. Es sei jedoch sehr problematisch, einen genauen Standort zu finden.

„Wir haben das Projekt nicht aus den Augen verloren“, so Eickelberg. Mehrere mögliche Plätze wurden vom Betreiber des Wochenmarktes abgelehnt. Und die Befestigung an der Hauswandecke zur Wachmannstraße lehnte der Besitzer des Gebäudes ab. Auch vom Verein Wachmannstraße gebe es Gegenwind, da dieser Vandalismus befürchte. Wenn es nicht anders ginge, müsse man sich einen anderen Ort in Schwachhausen suchen. „Wir merken immer wieder, dass ein öffentlicher Bücherschrank gebraucht wird. Wir geben nicht auf“, sagt Gudrun Eickelberg.

Bremer stellt Topfpflanzen in Schrank

Eines der neusten Projekte findet man in Hemelingen. Eröffnet wurde der Bücherschrank im Mai dieses Jahres. Der Jugendbeirat Hemelingen finanzierte das Vorhaben, um die Auffüllung und Pflege der Bücher kümmert sich die Bücherei Buche. Von Anfang an sei der Schrank gut angenommen worden. „Kaum ein Buch war länger als zwei Stunden im Schrank. Es stellte sich heraus, dass der Schrank Leute dazu anregt, Konversationen zu führen, wenn sie sich vor dem Schrank treffen“, sagt Lukas Zange vom Jugendbeirat.

Von Vandalismus sei der Schrank größtenteils verschont geblieben. Nur eine kleine Glasscheibe sei kaputt gegangen. Weil das Konzept mit den Büchern so erfolgreich funktioniere, will der Jugendbeirat Hemelingen einen weiteren Bücherschrank finanzieren.

Mitunter würden auch nicht nur Bücher dort getauscht: „Ein Hemelinger hatte seine alten Topfpflanzen inklusive eines ,Zu verschenken‘-Schildes unter dem Schrank deponiert“, erzählt Zange. „Die Pflanzen waren innerhalb kürzester Zeit weg.“

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