Rhythmusgefühl am Plattenteller

Hier lernen Bremer DJs das Scratchen

Bremen. Auf die musikalische Erziehung legen viele Eltern wert. Ob der Nachwuchs dabei Blockflöte oder Gitarre lernt, ist dabei eher nebensächlich. Hauptsache ein Instrument. Was aber wenn der Sohn oder die Tochter DJ werden will?
06.01.2011, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Sarah Tebbe
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Bremen. Auf die musikalische Erziehung legen viele Eltern wert. Ob der Nachwuchs dabei Blockflöte oder Gitarre lernt, ist dabei eher nebensächlich. Hauptsache ein Instrument. Was aber wenn der Sohn oder die Tochter DJ werden will?

In gewisser Weise macht auch Lehrer und Betreiber der Vibra School of DJing, Frank Koopmann, mit seinen Schülern Musik. Statt mit Saiten und Noten, kämpfen seine Schützlinge mit unzähligen Knöpfen und Plattentellern. Vor dieser Herausforderung steht nun auch Jascha Kramer. Es ist die erste Stunde des 19-Jährigen. Neugierig steht er vor dem Mischpult. "Erst mal sehen, was du bereits kannst", sagt Koopmann und beginnt ihn auszufragen. "Wofür ist denn der Knopf und wie schnell dreht sich der Plattenteller, wenn ich hier den Hebel nach untern ziehe." Jascha Kramer ist gut vorbereitet. "Ich habe mir erst vor kurzem einen Plattenspieler mit Mischpult gekauft", verrät der angehende DJ.

"Das wichtigste, was ein DJ können muss, ist die Platten aufeinander abzustimmen, um sie dann im richtigen Augenblick zusammen zu mischen", erklärt Koopmann und gibt gleich eine Kostprobe seines Könnens. Aus den Lautsprechern wummern die Bässe. Koopmann hat mittlerweile Kopfhörer schräg auf den Kopf gesetzt, sodass er mit einem Ohr hören kann, welche Musik auf der zweiten Platte läuft. "Du musst nicht nur das Tempo anpassen, sondern auch die Lautstärke", sagt der DJ-Lehrer. Konzentriert dreht er an einigen Knöpfen und schaltet langsam die zweite Platte auf die Lautsprecher. Treibende House-Beats tönen durch den kleinen Proberaum an den Bahngleisen, dann setzt eine weibliche Gesangsstimme ein. Der perfekte Club-Sound für den Samstagabend.

Jetzt ist Jascha dran. Was einfach aussieht, ist gar nicht so leicht. "Du musst den Rhythmus spüren, damit du weißt, wann du mit der zweiten Platte einsetzen kannst", gibt ihm Koopmann noch einen Tipp und macht zunächst einmal eine Trockenübung. Beide stehen nun vor den Plattentellern und klatschen den Rhythmus mit. Jascha Kramer lernt schnell, von Anfang an ist er im Takt. Nun versucht der Restaurantfachmann-Azubi sich selbst an den zwei Plattentellern. "Gut", lobt ihn Koopmann, nur die Lautstärke muss er noch ein bisschen angleichen.

Im richtigen Moment loslassen

Weiter geht es zur zweiten Lektion. Beide Plattenspieler laufen, die Musik ist genau aufeinander abgemischt - es klingt wie ein einziger Song. Jascha Kramer soll nun eine der Platten anhalten und sie im richtigen Augenblick wieder loslassen. Auch das ist gar nicht so einfach. Aufmerksam blickt der 19-Jährige auf den Plattenteller, konzentriert sich auf die Musik, hält die Platte an und lässt sie gleich wieder los. "Zu früh", kommentiert sein Lehrer. Kramer versucht es noch mal, schon nach dem dritten Versuch trifft er den Takt. "Man merkt, dass Jascha bereits ein bisschen Erfahrung hat, diese Übungen trainiere ich mit Anfängern normalerweise erst einmal eine ganze Zeit lang."

Wer DJ werden will, der muss auch wissen, wie Mischpult und Plattenteller verkabelt werden. "Wir üben immer wieder die Plattenteller und Mischpulte zusammenzubauen", erzählt Koopmann. Bei ihm lernen zurzeit Schüler im Alter von 14 bis 45 Jahren, wie man Feierfreudigen auf der Tanzfläche einheizt. Die Motivationen sind dabei ganz unterschiedlich. "Einige wollen nur mal auf einer Geburtstagsparty für Stimmung sorgen, andere ihr Hobby zum Beruf machen." Etwas Exotisches sei der DJ-Unterricht längst nicht mehr. "Für die Jüngeren ist das genauso selbstverständlich, wie das Erlernen eines Instruments."

Doch ganz ohne Musikinstrument kommt auch Koopmann nicht aus. Zu seinem Unterricht gehört es, dass die Schüler mal eine Gitarre in die Hand nehmen oder an einem Schlagzeug sitzen. "Sie sollen ein Gespür für die Musik bekommen." Für Jascha ist das nichts neues. Jahrelang hat er Klavier und Gitarre in einer Schülerband gespielt. Als die Gruppe sich auflöste, habe er durch Freunde seine neue Leidenschaft fürs Musikauflegen entdeckt.

Gemischt werden, können alle Musikstile, erklärt Koopmann. "Hauptsache es passt zusammen." Jascha Kramer hat sich für Electro und House-Musik entschieden. Für ihn ist der Unterricht aber nicht nur Freizeitvergnügen. "Ich würde gerne mal in großen Clubs auflegen", verrät er. Vielleicht auch sein Hobby zum Beruf machen. Erste Erfahrungen hat Kramer bereits auf Privatpartys gesammelt. "Zunächst habe ich nur aus Spaß aufgelegt und bin dann angesprochen worden, ob ich nicht auf der nächsten Geburtstagsparty für die Musik sorgen will."

Unterricht im Vermarkten

Um sich seinen Traum vom DJ-Sein zu erfüllen, will er nun regelmäßig Unterricht an der Vibra School of DJing nehmen. "Hier wird auch unterrichtet, wie man sich vermarktet. Davon habe ich noch gar keine Ahnung", sagt Kramer, und hofft dabei auf die Unterstützung seines Lehrers Frank Koopmann. "Einige meiner Schüler machen ab und zu mal das Warm up für mich, wenn ich auflege", bestätigt Koopmann, der selbst seit Jahrzehnten als DJ arbeitet. Auf die Idee, eine DJ-Schule zu gründen, ist Koopmann allerdings nicht alleine gekommen. "Vibra School of DJing ist ein Franchise-Unternehmen. Schulen gibt es also in ganz Deutschland."

Vor allem seinen weiblichen Schülern hat Koopmann bereits einige Auftritte vermitteln können. "Die sind unglaublich ehrgeizig und trauen sich was." Harte Konkurrenz also für Jascha, der seine erste Stunde hinter sich hat. "Wichtig ist, dass du die Sachen zu Hause übst, die wir gemacht haben", rät ihm Koopmann. Ehrensache für den 19-Jährigen, der noch bei seiner Mutter wohnt. Die hat nichts gegen das ungewöhnliche Hobby ihres Sprösslings. "Ihr ist es nur immer ein bisschen zu laut", sagt Jascha Kramer und schmunzelt.

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