Sozialsenatorin Stahmann ehrt Integrationsprojekt für Zugewanderte und finanziert Folgeprogramm Hilfe beim Ankommen

Bremen. Gedankenverloren dreht Sozialsenatorin Anja Stahmann an der Achse eines Bambusrahmens. Auf die Achse ist eine Papierrolle gespannt, die die Ergebnisse der Ausstellung „100 Prozent Mensch .
20.12.2016, 00:00
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Hilfe beim Ankommen
Von Jan-Felix Jasch

Bremen. Gedankenverloren dreht Sozialsenatorin Anja Stahmann an der Achse eines Bambusrahmens. Auf die Achse ist eine Papierrolle gespannt, die die Ergebnisse der Ausstellung „100 Prozent Mensch ... 100 Prozent Huchting“ festhält. Das Gastgeschenk, das der Kulturladen Huchting zum Senatsempfang mitgebracht hatte, hat die Senatorin sichtlich gefreut. Die Senatorin hatte die Projektteilnehmer und Mitglieder des Kulturladens zu einem Senatsempfang ins Bremer Rathaus eingeladen.

In dem Projekt des Kulturladens geht es um die „Gelingensfaktoren des Ankommens“. 100 Menschen erzählen ihre Geschichten, erzählen von ihren Erlebnissen auf ihren Reisen und das Ankommen in Bremen. Das sei nicht immer ganz einfach gewesen und auch Tränen seien geflossen, sagte Vera Zimmern vom Kulturladen Huchting. Einige Menschen brauchten Zeit, um sich zu öffnen. Viele erzählten zunächst von ihrer Heimat und näherten sich auf diese Weise dem Ankommen und der Aussicht auf die eigene Zukunft. Die Ergebnisse sind künstlerisch aufbereitet und ausgestellt worden. Sie waren ebenso vielfältig wie die Teilnehmer den dem Projekt selbst. Es sind Gedichte entstanden, die auf Koffern zu lesen sind. Bilder wurden gemalt, Tonaufnahmen aufgenommen. „Es war ein spannendes Projekt und eine tolle Zeit“, sagte Zimmermann.

Auch Stahmann würdigte das Projekt als „beeindruckend“ und mit einer „tollen Liebe zum Detail“. Während ihrer Begrüßung musste sie feststellen, dass kaum einer der Projekt-Teilnehmer schon einmal im Rathaus gewesen ist. Die Senatorin entschied, die Teilnehmer zu einer Führung einzuladen. „Das müssen wir dann aber planen und organisieren.“

„Das Projekt und das Engagement, die Einfühlsamkeit der Beteiligten – das alles hat mich sehr beeindruckt“, sagte die Senatorin. Und nicht nur sie, wie es scheint. Denn rund 8000 Besucher haben die Ausstellung besichtigt. Vera Zimmermann trug einige Gästebucheinträge vor, die den Schluss nahelegten, dass auch die Besucher berührt gewesen sind: „Ich bewundere diese Menschen für ihren Mut. Ich weiß nicht, ob ich mich das getraut hätte“, schrieb eine Besucherin aus Bayern.

Ohnehin habe die Ausstellung für tolle Momente und Erlebnisse gesorgt, erzählte Zimmermann. Menschen, die sich nicht kannten, haben sich über ihre Migrationsgeschichten unterhalten. „Vielleicht hätten sie das auf intellektueller Ebene getan – aber niemals so persönlich“, sagte Zimmermann. Ein Besucher aus Korea, der seit vielen Jahren in Deutschland lebt, aber die Sprache nicht beherrscht, wolle jetzt doch einen Kursus machen. Motiviert worden sei er durch die Ergebnisse der Ausstellung. „Während der Arbeit zu der Ausstellung haben wir gemerkt, dass die Reise der Menschen dann noch nicht vorbei ist“, sagte Claudius ­Joecke vom Kulturladen Huchting. Das Ankommen sei zwar ein wichtiger Punkt, viele der Betroffenen seien dann aber noch nicht vollständig zufrieden. „Sie wollen sich im Alltag zurechtfinden“, erklärte Joecke, „das ist manchmal gar nicht so einfach.“

Als Antwort auf dieses Problem hat der Kulturladen das Folgeprojekt „Willkommen im Alltag!“ ins Leben gerufen. „Es soll bei der Orientierung im Bremer Alltag unterstützen und ungeschriebene Gesetze und Werte thematisieren“, erklärte Vera Zimmermann. Viele Zugewanderte kämen aus anderen Kulturkreisen mit unterschiedlichen Werten. Manchmal führe das zu Probleme, so Zimmermann. Deswegen wolle man bestimmte Fragen klären: Was gilt als unhöflich? Wann spricht man jemanden mit dem Nachnamen an? Das Projekt wird von der Senatorin für Soziales, Jugend, Frauen, Integration und Sport finanziert.

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