Mediationszentrale in der Reeder-Bischoff-Straße bietet Ansprechpartner und ist Netzwerk für Mediatoren

Hilfe für Streithähne

In der Mediationszentrale Bremen mit Sitz in Vegesack haben sich Mediatoren aus ganz Bremen aus unterschiedlichen Berufen zusammengeschlossen. Sie haben ein Netzwerk für den gemeinsamen Austausch gegründet. Vereinsziel ist aber vor allem, Hilfesuchenden auf einfache Art den geeigneten Ansprechpartner zu vermitteln.
02.07.2014, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Sylvia Wörmke
Hilfe für Streithähne

Anja Griese-Tola und Rainer Hartmann werben für die Vorteile des neuen Netzwerkes – so könne für jeden Konfliktfall der passende Mediator gefunden werden. Zur Mediationszentrale gehören zurzeit 25 Profis.

Christian Kosak

In der Mediationszentrale Bremen mit Sitz in Vegesack haben sich Mediatoren aus ganz Bremen aus unterschiedlichen Berufen zusammengeschlossen. Sie haben ein Netzwerk für den gemeinsamen Austausch gegründet. Vereinsziel ist aber vor allem, Hilfesuchenden auf einfache Art den geeigneten Ansprechpartner zu vermitteln.

Menschen streiten sich. Ehepartner in der Trennungszeit, Kollegen am Arbeitsplatz, der Chef mit dem Team, Nachbarn, Geschwister, Eltern mit ihren Kindern. Streit und Konflikte gibt es überall und über jedes Thema kann man sich in die Haare geraten. Wenn die Fronten verhärtet sind, hilft oftmals nur noch, dass ein Außenstehender eingeschaltet wird. Dafür gibt es Mediatoren, die dazu beitragen, dass Probleme gelöst werden können.

In der Mediationszentrale Bremen, als Verein gegründet, haben sich 25 erfahrene Mediatoren aus dem gesamten Stadtgebiet zusammengetan, um es Hilfe suchenden Menschen zu erleichtern, schnell den passenden Mediator für das spezielle Problem zu finden. Über eine Internet-Plattform können sich Interessierte informieren und einen Überblick verschaffen.

Für die Mediatoren aus ganz unterschiedlichen Berufen ist die Zentrale wiederum eine Art Interessengemeinschaft, erläutert Rainer Hartmann. Sie können sich austauschen, gemeinsame Fortbildungen oder Supervisionen (einer Beratungsform zur Überprüfung des eigenen Handelns) zur eigenen Qualitätssicherung ihrer Arbeit organisieren. Der Diplom-Sozialwirt hat seine Praxisadresse in der Reeder-Bischoff-Straße 28 als Postadresse für das Netzwerk von Therapeuten, Sozialpädagogen und Rechtsanwälten zur Verfügung gestellt. Alle haben bestimmte Themenfelder, für die sie als Mediatoren eingesetzt werden. Hartmann bietet die Mediation zum Beispiel hauptsächlich bei Familienkonflikten an. „Mediation“, erklärt er, „bedeutet Vermittlung.“ Im Flyer der Mediationszentrale Bremen heißt es: „Mediation ist ein außergerichtliches und strukturiertes Verfahren zur Konfliktlösung im vertraulichen Rahmen.“

Festgefahrene Situationen lösen

Hartmann und seine Kolleginnen wie die Rechtsanwältin Anja Griese-Tola versuchen, mit den betroffenen Parteien – seien es Eheleute, Nachbarn, Kollegen oder Abteilungen – festgefahrene Situationen aufzulösen. „Wir bewahren immer eine neutrale Haltung und präsentieren auch keine Lösungen“, erklärt Anja Tola. Denn: „Die Parteien sollen für sich eine Lösung entwickeln“.

Familie und Wirtschaft – das sind die Hauptbereiche, in denen es kracht. Eheleute, die sich scheiden lassen wollen, zoffen sich, wer den Wagen oder das Sorgerecht für die Kinder bekommt. Geschwister verstricken sich im Streit um ein Erbe – es gibt kein Thema, das nicht zum Problem werden kann. Oftmals wird, so erklärt es Rainer Hartmann, auf Nebenschauplätzen gestritten.

„Die Hintergründe sind alte Verletzungen oder elementare Bedürfnisse wie Anerkennung, Wertschätzung oder das Abgesichertsein.“ Hinter Wut und Aggression verberge sich oft Angst oder der Wunsch nach Anerkennung für das Engagement. Das gilt vor allem für die Arbeitswelt. Auch hier sind Gefühle im Spiel, wenn der Chef zum Beispiel einen Kollegen bevorzugt, im Team der Eindruck entstanden ist, dass sich jemand vor der Arbeit drückt oder weniger arbeitet als die anderen oder Klatsch und Tratsch für ein schlechtes Betriebsklima sorgen.

Gerichtsverfahren kommen teurer

Laut Hartmann und Griese-Tola haben Arbeitgeber in den vergangenen Jahren verstärkt Mediatoren angefordert, „weil sie mitbekommen haben, dass Konflikte, wenn sie per Arbeitsrecht geklärt werden müssen, zu teuer sind“. Auch Richter rieten oftmals bei Arbeitsgerichtsprozessen, einen Mediator zu beteiligen. Abteilungskonflikte entstünden oftmals durch fehlende Kommunikationsstrukturen.

Die Mediatoren versuchen, Streithähne wieder ins Gespräch zu bekommen. „Sie erhalten die Möglichkeit, auf sachlicher und erwachsener Ebene vieles auszuräumen“, sagt die Rechtsanwältin. Man halte sich aber nicht lange mit der Vergangenheit auf, sondern arbeite zukunftsorientiert. Man müsse im Betrieb nicht miteinander befreundet sein. Es ginge auch nicht um Friede, Freude, Eierkuchen, sondern um Arbeitsfähigkeit und die Frage: „Wie lassen sich gegenseitige Achtung und Respekt wiederherstellen.“ Anja Griese-Tola: „Fronten werden durch Mediation aufgelöst. Darum geht es.“

Mediationszentrale Bremen, Kontakt über Rainer Hartmann, Reeder-Bischoff-Straße 28, Telefon 0421 / 6 59 56 00; E-Mail: info@mediationszentrale-bremen.de; Internet: www.mediationszentrale-bremen.de.

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