In besonders betroffenen Bremer Stadtteilen

Sozialarbeiter sollen Corona-Regeln erklären

Besonders von der Pandemie betroffene Stadtteile sollen weitere Hilfen erhalten. Der Senat ergänzt die strengeren Kontrollen der Corona-Regeln jetzt mit zusätzlichen Angeboten der Sozialarbeit vor Ort.
09.12.2020, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Sozialarbeiter sollen Corona-Regeln erklären
Von Timo Thalmann
Sozialarbeiter sollen Corona-Regeln erklären

In bestimmten Straßen und auf bestimmten Plätzen gilt unter anderem in Gröpelingen und Tenever Maskenpflicht (Symbolbild).

Ole Spata/dpa

Quartieren, die sich nach den kleinräumigen Auswertungen der Corona-Fallzahlen auf Ebene von Postleitzahlgebieten und Stadtteilen als überdurchschnittlich betroffen herausstellten – vor allem Gröpelingen, Tenever und Huchting – will der Bremer Senat jetzt besondere Unterstützung zukommen lassen. Vorgesehen sind zunächst befristet bis Ende 2021 insgesamt 20 neue Stellen für die Sozialarbeit vor Ort. Davon sollen 13 mit mehr als einer Million Euro aus dem Bremen-Fonds finanziert werden, sieben sogenannte Sprach- und Integrationsmittlern (Sprinter) sollen kurzfristig von Verein Bras kommen. Der arbeitsmarktpolitische Dienstleister und Beschäftigungsträger, der einen Erst- oder Wiedereinstieg ins Berufsleben ermöglichen soll, wird als Ausgleich ab kommendem Jahr Februar neue Arbeitsstellen einrichten, finanziert durch das Jobcenter.

Mehrsprachige Beratung und Kulturmittlung

Die Sprinter kommen bislang immer dort zum Einsatz, wo Menschen aufgrund fehlender Sprachkenntnisse und mangelnder Integration an die Grenzen eines eigenständigen, verantwortungsvollen Handelns kommen. In der Corona-Pandemie sollen sie vor allem in Gröpelingen eingesetzt werden, um einem erhöhten Bedarf nach mehrsprachiger Beratung und Kulturmittlung auch im Gesundheitsbereich nachzukommen. Praktisch heißt das, sie sollen zum Beispiel dabei helfen, Anordnungen der Gesundheitsbehörden verständlich zu machen. Zu diesem Zweck soll es auch Qualifizierungen für Mitarbeiter in Stadtteil-Einrichtungen geben, die das Vertrauen der Bewohner genießen. Auch dafür sind Mittel aus dem Bremen-Fonds vorgesehen.

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Bei den 13 neuen Stellen sind zehn Gesundheitslotsen vorgesehen. Sie sollen kurz- und mittelfristig das Thema Gesundheit in den Quartieren voranbringen. Ihr Vorbild sind die Gesundheitsfachkräfte an Bremer Grundschulen. Das sind Mitarbeiter des Gesundheitsamtes, die sich in Schulen um die Gesundheitsprävention kümmern und spielerisch etwa über Ernährung und Hygiene aufklären. Ähnlich sollen die neuen Gesundheitslotsen in den Quartieren über Corona aufklären und dabei helfen, das eigenverantwortliche Verhalten der Bewohner zu stärken. Organisatorisch sind sie an das Win-Programm (Wohnen in Nachbarschaften) angedockt. „Die Strukturen dieses Programms zur sozialen Stadtentwicklung, die wir mit den Quartiersmanagerinnen und -managern geschaffen haben, werden jetzt um Angebote zur Gesundheitsförderung erweitert“, sagte Sozialsenatorin Anja Stahmann (Grüne) bei der Präsentation des Programms.

Enge Wohnverhältnisse sind ein Problem

Der Osterholzer Ortsamtsleiter Ulrich Schlüter unterstreicht, wie nötig er die jetzigen Vorhaben und die neuen Stellen findet. „Wir sind hier mit drei Kräften im Ortsamt für 38.000 Menschen zuständig, eine mittlere Kreisstadt.“ Die Herausforderungen vor Ort seien vielfältiger Natur. Schlüter spricht beispielsweise von der Schwierigkeit vieler Bewohner, Quarantäneanordnungen zu verstehen. Ein anders Problem seien die oft engen Wohnverhältnisse. „Es gibt hier Wohnblöcke mit mehr als 100 Parteien und zwei Fahrstühlen. Das werden wir nicht ändern können, aber die Frequenz des Händewaschens, die Nutzung von Desinfektionsmitteln – das wäre ein Themenfeld für die neuen Gesundheitslotsen und Sprinter.“ Gleiches gelte für Informationen über die künftigen Impfmöglichkeiten.

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Innerhalb der Stadtteil-Maßnahmen soll außerdem die Straßen-Sozialarbeit in Osterholz-Tenever personell aufgestockt werden. Für aufsuchende Jugendarbeit, wie es amtlich heißt, ist eine neue Stelle beim Träger Vaja vorgesehen, ergänzt um ein sogenanntes aufsuchendes Angebot für Männer und Frauen mit Suchtmittel bezogenen Problemen. Hier soll es zwei neue Stellen geben, ebenfalls finanziert aus dem Bremen-Fonds. „Das entspricht langjährigen Wünschen aus dem Stadtteil“, sagt Schlüter.

Damit die neuen Angebote auch zügig Realität werden, sind bereits erste Schritte unternommen worden. „Die Stelle für die Jugendsozialarbeit ist bereits besetzt, für die anderen zwei liegen Interessensbekundungen qualifizierter Träger vor“, sagte Stahmann. Bei den Gesundheitslotsen plant Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard (Linke) mit Personal aus dem Pool der Corona-Scouts.

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Erste Lieferung von 50.000 Impfdosen erwartet

Mit Impfstoff für etwa 50.000 Impfungen kalkuliert das Gesundheitsressort in einer ersten Lieferung, die Bremen möglicherweise noch vor Silvester erreicht. Verbindlichere Information verspricht sich Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard von einer Videokonferenz der Gesundheitsminister der Länder mit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) an diesem Sonnabend. Dabei steht die Logistik und konkrete Zuständigkeit von Bund und Ländern bei der Impfstoffverteilung auf der Tagesordnung.

Das Angebot Bremer Kaufleute, das Impfzentrum zu unterstützen und so bis zu 20.000 Impfungen pro Tag zu ermöglichen, ist laut Bernhard für den Bremer Senat von großem Interesse, sobald eine entsprechende Zahl von Impfdosen verfügbar ist. Das sei am Anfang neben dem Personal der limitierende Faktor. „Dann werden wir das Impfzentrum gerne hochskalieren und gegebenenfalls weitere Hallen zur jetzt geplanten Halle 7 hinzunehmen.“ Ob es dann tatsächlich zu der genannten hohen Zahl täglicher Impfungen kommen könne, bezweifelte die Gesundheitssenatorin allerdings. Insgesamt ist das Impfzentrum für eine erste Phase der Impfungen über mutmaßlich sechs Monate Betrieb ausgelegt. Danach dürften die Impfungen auch über Arztpraxen möglich sein. Das hänge ebenfalls von der Verfügbarkeit und Spezifikation der Impfstoffe ab.

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