Clubs und Theater profitieren

Bremer Senat hilft Veranstaltern

Der Bremer Senat will die Veranstaltungsbranche mit rund 2,8 Millionen Euro unterstützen. Kommerzielle Anbieter sollen Geld erhalten, wenn ihre Angebote unter Corona-Bedingungen unwirtschaftlich wären.
20.10.2020, 05:00
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Bremer Senat hilft Veranstaltern
Von Jürgen Theiner

Der Senat unternimmt einen finanziellen Kraftakt, um die Veranstaltungsbranche zu stützen. Nachdem die Bürgerschaft Anfang des Monats mit den Stimmen aller Fraktionen ein solches Hilfspaket gefordert hatte, wird es nun voraussichtlich an diesem Dienstag von der Landesregierung geschnürt. Eine entsprechendes Papier aus der Wirtschaftsbehörde liegt dem WESER-KURIER vor. Im Kern geht es dabei um eine Defizitabdeckung für kommerzielle Kulturveranstaltungen, wenn wegen Corona-Auflagen die Kosten höher und die Einnahmen geringer sind.

Bis zu 25.000 Euro sollen im Einzelfall gezahlt werden. In der Vorlage wird die Lage der Veranstaltungsbranche in düsteren Farben gemalt. Gegenwärtig leide das Gewerbe „unter erheblich geringeren Besucherzahlen in allen Segmenten und in der Folge unter deutlich geringeren Umsätzen von bis zu 90 Prozent“. Zuvor seien Musik-Clubs und kommerzielle Theater bereits fünf Monate komplett geschlossen gewesen.

Selbst wenn die Häuser danach wieder öffnen durften, seien Veranstaltungen unter Beachtung der Corona-Bestimmungen derzeit in den meisten Fällen nicht kostendeckend machbar. Schon die Abstandsregel von 1,5 Metern sorge für eine Verringerung der verfügbaren Sitzplätze auf lediglich 15 bis 20 Prozent der normalen Kapazität. Anteilig gingen auch die Einnahmen aus begleitender Gastronomie und Sponsoring zurück. Zugleich steigen laut Wirtschaftsressort die Kosten der Veranstalter, wenn sie Hygienekonzepte umsetzen und durch Ordnungsdienste überwachen lassen müssen.

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2,8 Millionen Euro eingeplant

Für die Wirtschaftsbehörde ist deshalb klar: Kommt Bremen der Branche nicht kurzfristig zur Hilfe, wird es unweigerlich „einen erheblichen Verlust an Spielstätten geben“, heißt es in der Vorlage aus dem Haus von Senatorin Kristina Vogt (Linke). Darunter werde die Standortattraktivität Bremens und Bremerhaven leiden. Um ein solches Szenario abzuwenden, wird der Senat an diesem Dienstag voraussichtlich Folgendes beschließen: Privatwirtschaftliche Kulturveranstalter können bei der Wirtschaftsförderung Bremen (WFB) für ihre Events Anträge auf sogenannte Fehlbedarfsförderung stellen.

Beantragt werden können die Zuschüsse für „konkrete Veranstaltungen oder Veranstaltungsreihen wie Comedy, Livemusik, Klassik, Theater und Kleinkunst“, heißt es in der Vorlage. Der Senat will sich das Programm in diesem und im nächsten Jahr insgesamt rund 2,8 Millionen Euro kosten lassen. Das Geld soll aus dem Bremen-Fonds entnommen werden, einem kreditfinanzierten Finanztopf zur Abmilderung der Pandemie-Folgen, den die Bürgerschaft im Sommer beschlossen hat.

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Konzerte im „Pier 2“ rücken näher

Von der Defizitabdeckung wird ausdrücklich auch die Initiative „Club 100“ profitieren können, wie der Sprecher des Wirtschaftsressorts, Kai Stührenberg, auf Anfrage bestätigte. Unter diesem Dach haben sich Bremer Veranstaltungsagenturen und Musikclubs organisiert. Die Allianz will im Gröpelinger „Pier 2“ Konzerte bei bestmöglichem Infektionsschutz organisieren. Sie sollen vor kleinem Publikum stattfinden und zusätzlich exklusiv im Internet gestreamt werden.

Mitte November könnte es damit nach dem gegenwärtigen Stand der Planungen losgehen. Wirtschaftlich wäre ein solches Konzept ohne Zuschüsse der öffentlichen Hand nicht tragfähig, denn die normale Kapazität des „Pier 2“ müsste unter Pandemie-Bedingungen auf etwa ein Zehntel reduziert werden. Angedacht ist unter anderem, dass bei Konzerten jeweils zehn Besucher in markierten Bereichen beieinander stehen können und ausreichend große Abstände zur jeweils nächsten Gruppe eingehalten werden. Auch kleine, getrennte Tanzflächen wären so möglich.

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