Bremens neues Krematorium ist in Betrieb Hinterbliebene können bei der Verbrennung zusehen

Für 4,3 Millionen Euro hat der Umweltbetrieb Bremen ein neues Krematorium in Huckelriede gebaut. Die Anlage arbeitet wirtschaftlicher und ökologischer als die alte. Für Hinterbliebene gibt es einen Trauerraum.
12.06.2019, 06:00
Lesedauer: 2 Min
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Hinterbliebene können bei der Verbrennung zusehen
Von Ulrike Troue

Das neue Krematorium auf dem Huckelrieder Friedhof arbeitet durch zwei neue Öfen nicht nur effizienter und ökologischer als sein Vorgänger, in dem Neubau hat der Umweltbetrieb Bremen (UBB) zudem einen speziellen Raum für Angehörige neu eingerichtet. In dem schlicht gehaltenen, kleinen Innenraum mit weißen Wänden können Hinterbliebene von der grün gepolsterten Bank aus durch drei bodentiefe Glasscheiben zusehen, wie der hölzerne Sarg auf einem Schlitten in das Feuer gefahren wird.

Seit der Inbetriebnahme der modernen Einäscherungsanlage vor drei Wochen haben Angehörige aber erst ein Mal die Möglichkeit genutzt, beim Verbrennungsvorgang im Einschubraum dabei zu sein. „Das ist ein relativ kurzer Vorgang: Die Tür fährt hoch, der Schlitten mit dem Sarg fährt ins Feuer hinein, schon schließt die Tür wieder, damit keine giftigen Rauchgase austreten“, erklärt Peter Bode als Leiter des Krematoriums. „Darüber informieren wir die Angehörigen aber vorher.“

Hohe Gasverbräuche werden gesenkt

Sein ganzer Stolz indes ist die moderne Technik. Die beiden Kremierungsanlagen in dem elf mal 22 Meter großen Neubau könnten wesentlich wirtschaftlicher gefahren werden als die veralteten Öfen im alten Krematorium aus den 1960er-Jahren, berichtet Peter Bode. Denn die seien mit gut 20 Jahren Betriebszeit und rund 90 000 Einäscherungen technisch veraltet.

Dank der neuen Öfen können die hohen Gasverbräuche deutlich gesenkt werden. Und durch die Wärmerückgewinnung wird der Ausstoß des klimaschädlichen Gases CO₂ halbiert, sodass die Feuerbestattungsanlage mit dem 18 Meter hohen Schornstein umweltschonender als die alte betrieben werden kann.

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„Wir planen 100 bis 120 Einäscherungen pro Woche“, informiert der Betriebsleiter von Bremens einzigem Krematorium vor dem Hintergrund, dass im Stadtstaat 80 Prozent der Verstorbenen eingeäschert werden. „Wir können aktuell 5500 Einäscherungen im Zwei-Schicht-Betrieb bewältigen“, fährt Peter Bode fort. Von Oktober bis April laufe der Betrieb saisonbedingt in drei Schichten. Jährlich könnten bis zu 8000 Einäscherungen in Huckelriede durchgeführt werden.

Eine Schicht dauert acht Stunden und ist mit einem Anlagenbetreuer, der für die Elektrik zuständig ist, und einem Anlagenbediener, der in der Leitwarte seinen Arbeitsplatz hat, besetzt. In dem Überwachungsraum mit Monitoren und direktem Blick auf den Technikraum, „dem Herzstück“, wird laut Betriebsleiter der gesamte Einäscherungsprozess kontrolliert. „Dort laufen alle Störungen auf.“

Eigene Einäscherungsanlage "ist nicht vom Tisch"

Damit während der Zeit des Neubaus, der Anfang 2017 begonnen hat, weiter Feuerbestattungen durchgeführt werden konnten, war das alte Krematorium bis Januar 2019 in Betrieb. Einige Räume im Altgebäude werden weiterhin genutzt – für die Sargannahme. „Dort liegt die Kältekammer“, erläutert Peter Bode. Darin werden die Verstorbenen bis zur Freigabe für die Kremierung untergebracht.

Dass die geplanten Netto-Baukosten um rund zehn Prozent auf 4,3 Millionen Euro gestiegen sind, „liegt im Wesentlichen dran, dass wir im Bestand gebaut haben“, spricht UBB-Referatsleiter Götz Hesemann die Kosten an.

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Die Inbetriebnahme des städtischen Krematoriums in Huckelriede bedeutet nicht, dass damit die Pläne für eine eigene Einäscherungsanlage nicht weiter verfolgt werden. „Das ist nicht vom Tisch“, sagt Sven Bayer. Er ist der Bevollmächtigte des Vorstands der „Ge-Be-In“-Versicherungsgruppe, die gleichnamige Bestattungsunternehmen an zehn Standorten in Bremen und umzu betreibt. Entsprechende Neubaupläne liegen nach seiner Auskunft für die „Ge-Be-In“-Gruppe vor. „Es scheitert im Moment daran, dass wir kein geeignetes Grundstück im Umland haben, das gut erreichbar ist.“

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