Erste Bäume machen schlapp Hitze hat Bremen und Niedersachsen im Griff

Bremen. Eine Gluthitze, die Luft steht, nicht zum Aushalten. Das Thermometer bleibt bei über 30 Grad. Schön für die Freiluft-Gastronomie und die Bremer Freibäder. Für die Bäume jedoch eine echte Belastungsprobe.
11.07.2010, 07:55
Lesedauer: 3 Min
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Hitze hat Bremen und Niedersachsen im Griff
Von Jürgen Hinrichs

Bremen. Eine Gluthitze, die Luft steht, nicht zum Aushalten. Am Sonnabend gingen die Temperaturen in der Stadt wieder bis auf 35 Grad hoch. Schön für die Freiluft-Gastronomie und die Bremer Freibäder. Für die Bäume jedoch eine echte Belastungsprobe.

Die Gärtner vom Umweltbetrieb Bremen kommen mit dem Gießen gar nicht mehr nach und geben einzelne Bäume und andere Pflanzen bereits verloren. 'Irgendwann muss man entschieden, wann es keinen Sinn mehr macht', sagt Ralf Mischke, der als Gärtnermeister unter anderem für die Wallanlagen zuständig ist. Ohnehin werde in der Stadt nur dort gewässert, wo es sich um besonders geschützte Parkanlagen handele: in den Wallanlagen eben, in Knoops Park in Bremen-Nord oder im Schlosspark in Sebaldsbrück. An anderen Orten kümmern die Pflanzen im öffentlichen Grün vor sich hin oder sterben langsam ab, zu sehen unter anderem kurz vor der Bürgermeister-Smidt-Brücke, wo es drei junge Platanen erwischt hat.

200.000 Liter am Tag

Die täglich rund 200.000 Liter, mit denen der Umweltbetrieb gegen die anhaltende Trockenheit kämpft, sind also nicht viel mehr als der sprichwörtliche Tropfen auf den heißen Stein. 'Wir kommen da auf jeden Fall mit Schaden raus', schwant Mischke Böses. Er spricht von einer sehr außergewöhnlichen Situation, unter anderem bedingt durch den langen und harten Winter. 'Es wurde sehr viel Salz gestreut, das jetzt noch im Erdreich steckt und wie ein Schwamm das wenige Wasser wegsaugt', erklärt der Gärtnermeister. Kümmerlich, was bei den Bäumen dann noch bis zu den Wurzelspitzen gelangt. Besonders betroffen seien wegen der starken Salzeinträge die Pflanzen an Bushaltestellen oder Fußgängerübergängen - Mischke: 'Da brauche ich mit meinem Wassertank gar nicht hinzufahren, das kann man vergessen.'

Es ist mittlerweile einen ganzen Monat her, dass es in Bremen mal so richtig gegossen hat. Am 9. Juni war das, und seitdem tröpfelt es allenfalls mal ein wenig, zuletzt aber selbst das nicht mehr. Der Juni war an manchen Tagen zwar ungewöhnlich kühl, einmal gingen die Temperaturen in der Nacht auf fünf Grad zurück, im Durchschnitt aber gab es etwas mehr Wärme und auch mehr Sonne als im gleichen Zeitraum der Vorjahre. Regen fiel im Ganzen schon im Juni nur sehr wenig. Der Niederschlag blieb mit 12,9 Litern pro Quadratmeter deutlich unter dem Juni-Durchschnittswert von 69,7 Litern.

Schaut man sich die Prognosen an, könnte es nach dem superheißen Wochenende langsam etwas kühler werden, kühler, aber nicht unbedingt nachhaltig nass, denn selbst wenn es mal einen Gewitterschauer geben sollte, dringt so etwas kaum in die steinharten Böden ein.

Die Natur darbt, der Mensch tut es aber auch. Vor allem die Älteren bekommen durch die Hitze gesundheitliche Probleme. 'Jeder zweite Patient, der bei uns in die Notaufnahme gebracht wird, hat mit den Folgen der warmen Witterung zu kämpfen', berichtet Ingo Hartel vom Diako-Krankenhaus in Gröpelingen. Schwindel, niedriger Blutdruck, Kopfschmerzen, beschreibt er die häufigsten Symptome. Die Ursache sei meist, dass zu wenig getrunken wurde. 'Wir päppeln die Patienten dann wieder auf, und in der Regel können sie am gleichen Tag wieder nach Hause gehen', erklärt Hartel.

Wie in vielen anderen Krankenhäusern gibt es auch im Diako auf den normalen Stationen keine Klimaanlage. Die Patienten, ohnehin schon belastet genug, müssen sich also auch noch mit der Wärme herumplagen. 'Wir lassen alle Türen offen', sagt Hartel 'und das Pflegepersonal achtet jetzt noch stärker darauf, dass genügend Wasser getrunken wird'.

Mit der Hitze kommt der Ozon. Er hat in Bremen mittlerweile ein kritisches Maß erreicht. Die Luftmesszentrale meldet einen Wert von über 180 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Damit ist der Grenzwert überschritten. Allgemein wird jetzt empfohlen, schwere körperliche Tätigkeiten im Freien zu vermeiden. Umweltsenator Reinhard Loske bittet die Bevölkerung, auf nicht unbedingt notwendige Fahrten mit dem Auto zu verzichten. Auch Rasenmäher mit Verbrennungsmotor und ähnliche Geräte sollten in diesen Tagen möglichst nicht benutzt werden.

Eitel Sonnenschein herrscht dagegen bei den Gastwirten und in den Freibädern. Die Schlachte war gestern bereits am Mittag gut gefüllt, und so manches kühle Bier ging über den Tresen. Alkohol und Hitze verträgt sich zwar gar nicht, aber die Gäste saßen im Schatten, und so konnte man?s aushalten.

In den drei reinen Freibädern der Bremer Bädergesellschaft wird an diesem Wochenende an der 100000-er-Marke geknabbert. So viele Besucher sind es in dieser Saison bereits, die sich im Stadionbad, im Horner Bad und im Freibad Blumenthal ein freies Plätzchen gesucht haben und bei dem Andrang nicht selten Mühe damit hatten. Bei Jürgen Maas, der das Stadionbad leitet, war gestern Nachmittag telefonisch kein Durchkommen, und als es dann doch endlich klappte, fasste Maas sich sehr kurz: 'Wir haben hier lange Warteschlangen.' Er hat wegen des Wetters die Öffnungszeiten verlängert und rechnet allein für den Sonnabend mit bis zu 4000 Besuchern.

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