Friedensbotschaft

Hochbunker an der Parkallee soll bemalt werden

Zum 75. Jahrestag des Kriegsendes soll einer der Hochbunker an der Parkallee bemalt werden. Pastor Benedikt Rogge von der Ansgarii-Gemeinde will damit eine Friedensbotschaft senden.
19.03.2020, 05:00
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Hochbunker an der Parkallee soll bemalt werden
Von Frank Hethey
Hochbunker an der Parkallee soll bemalt werden

Pastor Benedikt Rogge will mit der Bemalung des Hochbunkers in Höhe der Benquestraße ein Zeichen setzen.

Frank Thomas Koch

Ziemlich düster und trist sehen sie aus, die beiden Hochbunker an der Parkallee. Außer ein paar Graffiti gibt es keinen Farbkleckser auf der Fassade, nichts erhellt die Tristesse. Doch das könnte sich bald ändern. Genau 75 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs und der NS-Gewaltherrschaft will Pastor Benedikt Rogge am 8. Mai unter dem Motto „Friday for peace in Bremen“ ein Zeichen setzen. Der neue Geistliche der St. Ansgarii-Gemeinde plant, den Bunker in Höhe der Benquestraße von Jugendlichen bemalen zu lassen. Ein symbolischer Pinselstrich am Gedenktag soll den Anfang machen. Ein exaktes Bild hat Rogge noch nicht vor Augen, ihm schweben friedens- und erinnerungspolitische Motive vor.

Wirklich spruchreif ist das Projekt noch nicht. „Im schlimmsten Fall könnte es auch scheitern“, sagt Rogge nicht zuletzt mit Blick auf die Corona-Krise. Doch den Teufel will er nicht an die Wand malen, zumal das Projekt über die ersten Anfänge schon längst hinausgekommen ist. Grünes Licht hat Rogge bereits von Bürgerparkverein und Landesdenkmalpflege erhalten. Die Auflagen sind erfüllbar: Nur zur Straßenseite dürfen die Bunkerfassaden bemalt werden, grelle oder dominante Farben sind zu vermeiden. Als Schirmherrn möchte Rogge gern Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) gewinnen, der Antrag ist gestellt.

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Rogge will etwas tun gegen Geschichtsvergessenheit. Gerade auch gegen Tendenzen, die Erinnerung an das Dritte Reich, den Zweiten Weltkrieg und den Massenmord an den Juden als „Ballast“ abzutun. „Zu einem verantwortungsvollen Umgang mit der Vergangenheit unseres Landes gehört zwingend die Erinnerung an das Dritte Reich“, betont der 40-Jährige. Bestärkt in seinem Vorhaben haben ihn die rechtsextremistischen Anschläge von Hanau und Halle. „Es sind jetzt alle gefragt, die guten Willens sind, unsere demokratische Gesellschaft zu stützen“, sagt Rogge. Denn: „Friedensarbeit ist Erinnerungsarbeit. Und Erinnerungsarbeit ist Friedensarbeit.“

Bei der Einnahme Bremens durch britisch-kanadischen Truppen war der Bürgerpark der letzte Rückzugsort deutscher Einheiten. Unweit der beiden Hochbunker kam es am 26. April 1945 zu letzten Schusswechseln am Stern. Die Bunker dienten damals nicht dem Schutz der Zivilbevölkerung, vielmehr hatten sich Dienststellen von Militär, Verwaltung und Partei dort eingerichtet, weshalb auch von „Regierungsbunkern“ die Rede war. Im Bunker in Höhe der Bulthauptstraße streckte am Abend der vormalige Kampfkommandant der Stadt die Waffen, sein Nachfolger hielt im Klinkerbunker gegenüber der ­Emmastraße noch ein paar Stunden länger aus.

Gemeinde als Anstoßgeber

Der Theologe stellt sich die Bunkerbemalung als Gemeinschaftsprojekt vor. „Unsere Gemeinde ist nur der Anstoßgeber“, betont er. „Es liegt uns am Herzen, einen Beitrag zur Verständigung in unserer Gesellschaft zu leisten.“ Von irgendeiner Art von Hintergedanken will Rogge nichts wissen, das Projekt habe nichts Missionarisches an sich, keinen Eigenbezug. Darum sucht er auch den Kontakt zu anderen Religionsgemeinschaften: Mit der Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde, Elvira Noah, hat er bereits gesprochen, zur Fatih-Moschee als größter muslimischen Gemeinde Bremens will Rogge noch Kontakt aufnehmen. „Weil es unser aller Aufgabe ist, gut und auskömmlich miteinander zu leben.“

Bei der konkreten Umsetzung des Projekts setzt Rogge auf die Mithilfe der Schulen. Im Blick hat er die Bildungsstätten, die an den Bürgerpark angrenzen. Der Initiator des Gedenktags hofft, dass die Schülerinnen und Schüler von Ober- und Mittelstufe für die Aktion am 8. Mai vom Unterricht freigestellt werden. Erste Gespräche mit dem Schwachhauser Kippenberg-Gymnasium laufen bereits. Parallel organisiert der Pastor schon mal den Ablauf des Gedenktags. Beginnen soll er um 12 Uhr mit einer Gedenkveranstaltung am Friedenstunnel, von dort ist ein kurzer Friedensmarsch zu den beiden Hochbunkern im Bürgerpark geplant.

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Am Ende erhofft sich Rogge die Mitwirkung etlicher weiterer Institutionen und Organisationen. Verschiedene Akteure, die das friedens- und erinnerungspolitische Ansinnen der Ansgarii-Gemeinde teilen, sollen zu einem Netzwerk zusammenwachsen. Ideelle Unterstützung zugesagt haben unter anderem Ortsamt und Beirat Schwachhausen/Vahr, die Vereine Friedenstunnel und „Der Elefant!“, die „Stiftung die Schwelle – Beiträge zum Frieden“, das Bremer Zentrum für Baukultur, die Landeszentrale für politische Bildung, Bremen 1860 und die Jugendbildungsstätte Lidice-Haus. An den Schulen wie auch bei den Kooperationspartnern könnten Veranstaltungen zur Bedeutung des 8. Mai 1945 stattfinden. Dabei will Rogge auch vor der eigenen Haustür zu kehren. „In der Ansgarii-Gemeinde hat mit Julius Bode ein Pastor mit Stahlhelm auf der Kanzel gestanden“, sagt er.

Kosten werden fünfstellig sein

Freilich hat das Projekt auch seinen Preis. Von einem Malerunternehmen hat Rogge sich jetzt einen Kostenvoranschlag geben lassen. Allein 8000 Euro kostet es, die Bunkerfassade zu grundieren und für die Dauer von etwa vier Wochen Gerüste aufzustellen. Hinzu kommt das Geld für die Farben und das Honorar für den künstlerischen Leiter. Da braucht man kein Prophet zu sein, um die Kosten hochzurechnen: „Die werden fünfstellig sein.“ Abhelfen soll eine Finanzierungskampagne, Rogge setzt auf große und kleine Spendenbeiträge. Den Anfang hat der SPD-Ortsverein mit einer Spende in Höhe von 500 Euro gemacht.

Bunkerbemalungen haben in Bremen eine gewisse Tradition. Beeindruckend findet Rogge die Beispiele an der Admiralstraße in Findorff und am Pastorenweg in Gröpelingen. Doch an diesen Objekten will er sein Vorhaben lieber nicht messen. „Mit so einem künstlerischen Anspruch gehen wir sicherlich nicht zu Werke“, sagt er. Dass er kein Werk für die Ewigkeit in Gang bringt, ist Rogge klar. Wenn die angestrebte Bunkerbemalung nur zwei Jahrzehnte überdauert, wäre in seinen Augen schon einiges erreicht.

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