Mehr Studienbewerber in Bremen erwartet

Hochschulen fordern Finanzierungszusagen

Bremen. Universität und Hochschulen in Bremen stehen vor einem Problem: Die Zahl der jungen Leute, die in die Hörsäle drängen, steigt. Die Zahl der Studienplätze hält jedoch nicht Schritt.
15.03.2011, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Elke Gundel

Bremen. Universität und Hochschulen in Bremen stehen vor einem Problem: Die Zahl der jungen Leute, die in die Hörsäle drängen, steigt. Die Zahl der Studienplätze hält jedoch nicht Schritt.

Angesichts der doppelten Abitur-Jahrgänge, die nun nach und nach die Schulen verlassen, haben Bund und Länder mit dem Hochschulpakt zwar zusätzliche Kapazitäten geschaffen. Darin sei der Effekt, der mit dem Ende der Wehrpflicht verbunden ist, allerdings nicht berücksichtigt, sagte der Rektor der Uni Bremen, Wilfried Müller.

Müller forderte gestern gemeinsam mit seinen Amtskolleginnen und -kollegen Karin Luckey (Hochschule Bremen), Josef Stockemer (Hochschule Bremerhaven), Manfred Cordes (Hochschule für Künste) und Luise Greuel (Hochschule für öffentliche Verwaltung) von der Politik "klare Finanzierungszusagen für die kommenden Jahre, um sicher planen zu können". Karin Luckey betonte: "Wir brauchen diese Klarheit heute. Denn die Zukunft wird heute geplant." Müller fügte hinzu, zwar habe die Kultusministerkonferenz (KMK) signalisiert: Werden über die im Hochschulpakt vereinbarten Plätze hinaus weitere Studenten an den Hochschulen aufgenommen, würden diese zusätzlichen Plätze auch finanziert. Allerdings müsse sich jede Hochschule sehr genau überlegen, ob ihr das als Basis ausreiche, um ihre Kapazität zu erhöhen. Schließlich könnten die betroffenen Studierenden nicht wieder vor die Tür gesetzt werden, wenn die Finanzierung ihrer Studienplätze dann doch ausbleibe. Im Rahmen des Hochschulpaktes stocke die Uni ihre Plätze für Erstsemester ab dem Wintersemester um 400 auf. So steige die Zahl der Studienanfänger wieder auf 5000.

"Nicht gerade üppig ausgestattet"

Schon jetzt, sagte Müller, seien die bremischen Hochschulen nicht gerade üppig ausgestattet. Bezogen auf die Zahl der Professuren liege die Finanzierung der Uni Bremen etwa 20 Prozent unter dem Bundesdurchschnitt. Gleichzeitig liege die Alma Mater deutschlandweit mit an der Spitze bei der Drittmittelquote. Anders gesagt: Die Uni setze das Geld, das sie aus dem Landeshaushalt bekomme, überdurchschnittlich effektiv ein, unterstrich Müller.

Und für alle Hochschulen im Land gelte: Es gebe keine anderen Einrichtungen, die auch nur annähernd so viele gut qualifizierte Frauen und Männer nach Bremen lotsen - und in der Stadt beziehungsweise der Region halten. "Etwa 50 bis 60 Prozent der Absolventen bleiben in Bremen oder in der Umgebung", sagte Müller. Bei der Uni liege diese Quote bei etwa 50 Prozent, bei den Fachhochschulen noch höher.

Partner für regionale Wirtschaft

Die Einschnitte bei der Grundfinanzierung in den vergangenen Jahren seien "eine harte Nummer" gewesen, sagte Müller - vor allem die Uni musste Kürzungen hinnehmen. Weitere Einsparungen dürfe es nicht geben. Josef Stockemer, Rektor der Hochschule Bremerhaven, trat weniger bescheiden auf. Er möchte, dass die Hochschule weiter wächst - auf 4000 Studenten im Jahr 2020. Gerade für die Seestadt mit ihrer "dramatischen demografischen Entwicklung" gelte: Die Stadt brauche die Hochschule. Sie bringe junge Leute nach Bremerhaven und sei ein wichtiger Partner für die regionale Wirtschaft.

Etwa 8300 Studierende seien derzeit in den 67 Studiengängen der Hochschule Bremen eingeschrieben, sagte Rektorin Karin Luckey. Ab dem kommenden Wintersemester stelle die Hochschule jedes Jahr über 400 zusätzliche Plätze für Studienanfänger zur Verfügung, die über den Hochschulpakt finanziert werden. Damit gebe es etwa 2000 Erstsemester-Plätze. Die Hochschule biete nicht nur eine Berufsausbildung für Vollzeit-Studenten. Darüber hinaus habe sie eine Weiterbildungseinrichtung gegründet; die Nachfrage für die dortigen Angebote sei groß.

Manfred Cordes, Rektor der Hochschule für Künste, strich die Bedeutung der HfK unter anderem für das kulturelle Leben in der Stadt heraus - auch das sei ein Standortfaktor. Die HfK bestreite etwa 400 Konzerte und Ausstellungen im Jahr. Die Zahl der Bewerberinnen und Bewerber habe sich seit 2002 verdreifacht; auf jeden der 180 Erstsemester-Plätze kämen jedes Jahr etwa zehn Bewerber. Ein Drittel von ihnen komme aus dem Ausland. Momentan habe die HfK gut 60 Professoren und 800 Studierende, kaum einer breche das Studium ab.

Die Hochschule für öffentliche Verwaltung habe eine Sonderstellung, sagte Rektorin Luise Greuel. Denn ihre vorrangige Aufgabe ist es, die Nachwuchskräfte für die Bremer Polizei auszubilden. Allerdings gebe es auch zwei Studiengänge, die sich an externe Interessenten richten; etwa aus Sicherheitsabteilungen von Unternehmen.

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