Deichverband präsentiert im Beirat erstes Konzept Hochwasserschutz am Hafen

„Das soll keine seelenlose Planung sein.“ Wilfried Döscher Vegesack.
16.02.2016, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von DORIS FRIEDRICHS

Rund 80 Kilometer lang ist die Deichlinie Bremens. 65 Kilometer davon rechts der Weser sollen erhöht werden. Denn ohne einen funktionierenden Deichschutz, so machte Wilhelm Koldehofe, Referatsleiter beim Bausenator, jetzt während der jüngsten Sitzung des Vegesacker Beirates deutlich, würden 90 Prozent der Landesfläche untergehen.

Berechnungen der Forschungsstelle Küste auf Norderney hätten 2003 ergeben, dass die Deiche aller Küstenländer nicht mehr hoch genug sind. Würde aber allein Niedersachsen erhöhen und Bremen nicht, so lägen hier die Durchlaufstellen. Die Hansestadt sei dann im schlimmsten Fall das Überlaufbecken, erläuterte Koldehofe. Die aktuellen Planungen für den Schutz in Vegesack beginnen ab Fähranleger, führen am Kiosk und dem Kito entlang, einmal um den Hafen herum, weiter an der Außenseite des Haven Höövts, vorbei am Wendehammer, hinunter zu den Vier Deichgrafen und hinüber zu einem Privatgelände. Laut Hauke Krebs vom Ingenieurbüro Inros Lackner läge damit das gesamte Gebiet im öffentlichen Hochwasserschutzbereich.

Ziel sei eine Erhöhung der Spundwand von 6,75 Meter auf 7,40 Meter. „Entweder muss man die Scharte höher legen, um sie später schließen zu können – oder aufgeben“, erklärte Krebs. Deichscharte müssten im Fall einer Sturmflut von Hand verschlossen werden. Ihre Zahl muss daher begrenzt blieben.

Die neue Hochwasserschutzlinie rückt zudem 1,50 Meter vom Kito ab. „Die alte Linie wird zurückgebaut und das Schiebetor zu einem Stemmtor umgebaut und dadurch schmaler.“ Darüber hinaus wird die Wand beim Spielplatz an einigen Stellen aufgrund der bestehenden Nähe zu den Häusern versetzt. Die Treppenanlage am Hafenkopf biete statisch eine komplizierte Situation, so Krebs. „Da steckt die Hochwasserschutzanlage drin.“ Vorgesehen ist eine Erhöhung um eine Treppenstufe von 30 Zentimetern. Für die dortigen Recker-Figuren bedeutet dies, dass sie künftig in einer Aussparung stehen. „Weil wir sie aus Kostengründen nicht anfassen und hochstellen wollen“, betonte Krebs.

Auch die Treppenanlage beim Haven Höövt scheint sich als eine kompliziertere Angelegenheit zu erweisen. Dort könne keine zusätzliche Treppenstufe aufgebaut werden, um die Fluchtwege nicht einzuschränken, erläuterte der Ingenieur. Deshalb sollen dort die Öffnungen in der Wand verschlossen werden. Beim Wendehammer ist eine Geländeanpassung auf 7,40 Meter geplant.

Der Hochwasserschutz bei den Vier Deichgrafen ist laut Hauke Krebs aktuell privat und wird künftig vom Bremischen Deichverband rechts der Weser übernommen. „Die alte Wand wird weggerissen und durch eine neue ersetzt. Für das nachfolgende Gelände ist eine Uferwand favorisiert, inklusive Zufahrten zu den dortigen Gebäuden.“ Das sei aber noch nicht endgültig entschieden.

Siegfried Hafke vom Bauamt Bremen-Nord forderte eine ergänzende Darstellung der Maßnahmen, die den Hochwasserschutz und das Umfeld in Einklang bringen. Außerdem eine gemeinsame Stellungnahme mit dem Denkmalpfleger und dem Beirat für die Freiraumqualität, unter anderem mit Grünzügen, da auch Bäume für den neuen Hochwasserschutz weichen müssten. Ebenso sollte die Nutzung des Bereichs für Feste wie das Hafenfest in die Planungen mit einbezogen werden.

„Was wir Ihnen vorgestellt haben, soll keine seelenlose Planung sein, aber wir müssen mit dem Hochwasserschutz einen vernünftigen Ring herstellen und das scheint die beste Linie zu sein“, argumentierte Wilfried Döscher, Geschäftsführer beim Deichverband rechts der Weser. Alles, was außerhalb der Planung liege, müsse gesondert finanziert werden.

Die Kosten für die Deicherhöhung übernimmt zu 70 Prozent der Bund, 30 Prozent kommen vom Land Bremen. Das Verfahren bis zum ersten Spatenstich, vom Bauentwurf bis zum Planfeststellungsbeschluss und den darauffolgenden Ausschreibungen, ist lang. Erst 2019, so Döscher, würde der Bau losgehen.

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