Sanierungsarbeiten beginnen im September

Mehr als 100 Pfähle sollen Hochwasserschutzwand an der Tiefer stabilisieren

Nach rund 500 Jahren ist eine neue Basis fällig: Im September beginnt die aufwendige Sanierung der Hochwasserschutzwand an der Tiefer. Die Arbeiten sollen bis Ende November 2021 dauern.
07.08.2020, 05:00
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Mehr als 100 Pfähle sollen Hochwasserschutzwand an der Tiefer stabilisieren
Von Justus Randt
Mehr als 100 Pfähle sollen Hochwasserschutzwand an der Tiefer stabilisieren

Die sich senkende Hochwasserschutzwand an der Tiefer verursacht Risse an den Arkaden, hier dem Portalbogen an der Wilhelm-Kaisen-Brücke.

Justus Randt

Der Endspurt für die Vorbereitungen läuft: In der zweiten Septemberhälfte soll die Sanierung der Hochwasserschutzwand an der Tiefer beginnen. Die Methode, nach der dabei verfahren wird, heißt Pilgerschritt und beschreibt anschaulich, wie es laufen soll: Stück für Stück, zielstrebig, aber in kleinen Schritten.

Die unter Experten auch Schwergewichtswand genannte Mauer aus dem 16. Jahrhundert diente einst auch dazu, Schiffe festzumachen. Die eingelassenen Eisenringe zeugen noch von dieser Aufgabe, der das historische Bauwerk heute nicht mehr ohne Einschränkung gewachsen wäre: Die Holzpfähle, auf die die Wand gebaut worden ist, haben sich im Laufe der Jahrhunderte zersetzt.

Bremischer Deichverband plante Sanierung

In Zusammenarbeit mit dem Amt für Straßen und Verkehr, in dessen Zuständigkeit die vor der 128 Meter langen Wand stehenden Tiefer-Arkaden gehören, hat der Bremische Deichverband am rechten Weserufer die Sanierung der Hochwasserschutzwand planen lassen. „Wegen des Hochwasserschutzes sind wir als Deichverband auch mit im Boot“, sagt der technische Leiter Rolf Dülge. „Aktuell befinden wir uns im Stadium der Auftragsvergabe.“

Die Arkaden vor der jahrhundertealten Wand sind im Jahr 1913 entstanden und hatten schon 1960 eine Rückverankerung an der Stützwand bekommen, die bis unter die Fahrbahn der Straße Tiefer reicht. Mächtige Bolzen und Muttern, mit denen das Bauwerk in Schraubtechnik verankert wurde, sind unter der Decke zu sehen. Damals, vor 60 Jahren, wurde die frühere Eisenbetonplattendecke, über die seit 1914 zwei Kräne gelaufen waren, ausgewechselt gegen eine Stahlbetondecke. Diese Plattform ist seit 2016 aus Sicherheitsgründen weithin sichtbar abgesperrt. Auch der zur Wilhelm-Kaisen-Brücke hin gelegene Portalbogen der Arkaden ist verbarrikadiert.

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Vor vier Jahren war der Untergrund der Hochwasserschutzwand für eingehendere Untersuchungen geöffnet worden. Dabei stellte man fest, dass die Pfahlköpfe unter den horizontal verlaufenden Stützbalken der Mauer und die Köpfe der darunter tief ins Erdreich ragenden Pfähle schwer in Mitleidenschaft gezogen sind. Fazit des Amtes für Straßen und Verkehr (ASV) vor einem Jahr: „Die Last aufnehmende Konstruktion ist weg.“ Jetzt geht es darum, die Wand vor dem weiteren Absinken zu bewahren: „Ziel ist es, die Bewegung zu minimieren oder zum Stillstand zu bringen“, sagt Thomas Sauer, Leiter der ASV-Abteilung für Brücken.

Dass das imposante Bauwerk in Bewegung ist, lässt sich unschwer erkennen an den Rissen, die sich in den Sandsteinsäulen der Arkadenbögen gebildet haben und die regelmäßig vom ASV und von Geoinformation Bremen kontrolliert werden. Die Arkaden stehen auf Betonrammpfeilern. Beton soll auch die neue Basis der Wand bilden. Die Projektsteuerung und Bauüberwachung der komplizierten Arbeiten übernimmt das Amt für Straßen und Verkehr (ASV) für den Deichverband.

Ende der Bauarbeiten voraussichtlich November 2021

Etwa bis Ende Mai 2021, so Sauer, sollen die Betongründungsarbeiten abgeschlossen sein, ebenso die „Rückverankerung über große Stahllanzen“. Bis Ende November kommenden Jahres könnte alles fertig sein, schätzt Sauer. „Aber wir wissen nicht, was uns bei einem so alten Bauwerk erwartet.“ Während der Arbeiten sei es zumeist damit getan, die Fläche zwischen Wand und Bögen abzusperren.

Mit voraussichtlich 2,4 Millionen Euro kostet die Sanierung der Hochwasserwand doppelt so viel, wie noch im vergangenen Jahr vermutet. Das Projekt soll aus dem Budget für die Gemeinschaftsaufgabe Agrarstruktur und Küstenschutz finanziert werden. 70 Prozent übernehme der Bund, mit 30 Prozent sei das Land Bremen beteiligt, sagt Rolf Dülge vom Deichverband. Die Kosten erklärt er mit der Komplexität der Aufgabe: „Die ganze Gründung der Mauer muss unterfangen werden.“ Peu à peu würden dann Stahlbetonpresspfähle gegossen und etappenweise in die Tiefe getrieben. „Die übernehmen die Funktion der eigentlichen Gründungspfähle“, sagt Dülge. Gut 100 Stück werden es sein. Alle 1,25 Meter wird ein Pfahl gesetzt – auf der gesamten Länge der Mauer.

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