Bremer Philharmoniker nehmen im Theater am Goetheplatz Groß und Klein mit auf Tour / Nächstes öffentliches Kinderkonzert am 2. März Höchst amüsante, musikalische Weltreise

Ostertor. Platsch! Da landet ein gefiedertes Etwas, das aussieht wie eine Mischung aus dem Vogelmenschen Papageno aus Mozarts „Die Zauberflöte“ und dem tollpatschigen Albatros aus dem Disney-Film „Bernard und Bianca“, mitten auf der Bühne des Theaters am Goetheplatz. Alexander Swoboda steckt in dem Kostüm mit den riesigen orangefarbenen Füßen.
13.02.2014, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Sigrid Schuer

Platsch! Da landet ein gefiedertes Etwas, das aussieht wie eine Mischung aus dem Vogelmenschen Papageno aus Mozarts „Die Zauberflöte“ und dem tollpatschigen Albatros aus dem Disney-Film „Bernard und Bianca“, mitten auf der Bühne des Theaters am Goetheplatz. Alexander Swoboda steckt in dem Kostüm mit den riesigen orangefarbenen Füßen.

Der Schauspieler riskiert als Moni die Möwe in dem Familienkonzert, das die Bremer Philharmoniker unter der kessen Leitung von Clemens Heil im sehr gut gefüllten Theater geben, eine nicht minder kesse Lippe. Muss sich der erste Kapellmeister doch flapsig als „Häuptling einer Pinguin-Bande“ anmachen lassen. „In 60 Minuten um die Welt“ soll es in dem Konzert gehen, das Groß und Klein eine kurzweilige Stunde lang viel Freude beschert.

Moni trägt einen Turban, denn sie ist gerade aus dem Sprachurlaub in der Türkei zurück und hat eine Strickleiter mitgebracht. Und die Philharmoniker haben den passenden Sound dazu, die Ouvertüre zu Mozarts Singspiel „Die Entführung aus dem Serail“. Clemens Heil lässt sein Orchester die Janitscharenklänge, die zu Mozarts Zeit schwer in Mode waren, unter anderem von türkischen Becken spielen. Die allerdings hält die vorlaute Moni für praktische Blechteller, die sich vorzüglich dafür eignen, um Baklava, klebrig-süßes Gebäck aus der Türkei darauf zu servieren. Doch da hat die Möwe die Rechnung ohne den Dirigenten gemacht. Und überhaupt: „Was ist denn eigentlich dieses Serail?“, wundert sich Moni. Clemens Heil beginnt die Geschichte von Belmonte zu erzählen, der seine Geliebte Konstanze aus dem Palast des Bassa Selim befreien will. Dieses Serail bietet auch die Scherenschnitt-Kulisse für das rund einstündige Familienkonzert.

Die Tore öffnen sich von Zeit zu Zeit, um den Blick auf den jeweiligen musikalischen Schauplatz freizugeben, etwa auf die Skyline von New York, vor der ein majestätisches Passagierschiff in den Hafen einläuft. Dazu lässt das Orchester den zweiten Satz aus Antonin Dvoraks „Sinfonie aus der Neuen Welt“ erklingen. „Mensch, ist das wunderschön, aber auch traurig. Kannst du mich mal in den Arm nehmen?“, gibt sich die Möwe anlehnungsbedürftig. Auch hier liefert Clemens Heil Informationen zu dem biografischen Hintergrund der 9. Sinfonie. Der tschechische Komponist wurde 1892 zum Leiter des New Yorker Musik-Konservatoriums berufen und reiste von Prag über Bremerhaven per Schiff in die Vereinigten Staaten. „In der Sinfonie aus ,Der Neuen Welt’ sind die allerschönsten Melodien der klassischen Musik zu hören. Sie klingen deswegen so melancholisch, weil Dvorak nur zwei von seinen sechs Kindern mit nach Amerika nehmen konnte und immer Heimweh nach den anderen vier hatte. Für den klagenden Ton sorgt übrigens das Englischhorn.“ Und schon ist Moni zu den zarten, leisen Moll-Klängen eingeschlummert. Jetzt fragt der Dirigent in die Runde: „Na, wie lange wird Dvorak wohl nach New York per Schiff unterwegs gewesen sein?“ „Ein Jahr“, schallt es zurück. „Nö, er ist ja nicht geschwommen“, erwidert Heil. „Aber 14 Tage an Bord des Schiffes waren es schon.“

Auf der musikalischen Weltreise wird ein Zwischenstopp in der Karibik eingelegt, und Moni tauscht flugs ihren Turban gegen einen Piratenhut. Auch diesen Soundtrack haben die Philharmoniker voll drauf und rocken als „Piraten der Karibik“ das Theater. „Volle Kraft voraus!“, kommandiert die Möwe, die sich durch die Zuschauerreihen drängelt, und auf der Bühne kommt eine Schatztruhe. Und in der befinden sich jede Menge Schlaginstrumente zum Krachmachen. Die Percussionisten geben schon mal einen Vorgeschmack auf den Samba-Karneval. An den Sambarasseln beweist Moni, wieviel Rhythmus eine Möwe im Blut hat. Das liegt ihr wesentlich mehr, als das Orchester zu dirigieren.

In Spanien staunt Moni nicht schlecht, als sich eine Kuh als Carmen entpuppt. Tamara Klivadenko stellt in der Titelrolle der Oper von Georges Bizet mit großer Stimme ihr Temperament unter Beweis. Darauf Moni: „Ich suche deine Lautsprecher!“ Und die russische Mezzosopranistin antwortet: „Na, ich habe keine, ich bin doch Opernsängerin!“ Tamara hat immer großes Heimweh nach ihrer Heimat Russland. Deshalb gibt’s am Ende der musikalischen Weltreise zum Trost noch eine Schneeballschlacht zu den Glöckchen-Klängen der munteren „Petersburger Schlittenfahrt“. Na, und was war nun das Beste an dieser musikalischen Weltreise? „Alles!“, sind sich Hanna und Esther aus dem Viertel einig, die wie das restliche Publikum stürmisch applaudieren. Die vier- und siebenjährigen Schwestern haben zum ersten Mal ein Familienkonzert besucht. Dass sie wiederkommen werden, ist abgemacht.

„In 60 Minuten um die Welt“ der Bremer Philharmoniker: Die nächste öffentliche Aufführung ist am Sonntag, 2. März, um 11 Uhr im Theater am Goetheplatz. Karten zu 14 Euro für Erwachsene und zu sieben Euro für Kinder gibt es an der Theaterkasse, erreichbar unter Telefon 3653333.

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