Kanalschaden in der Findorffstraße erfordert Sofortmaßnahmen Höchste Sicherheitsstufe

Findorff. Die Buslinie 25 soll demnächst in beiden Richtungen über Herbststraße und Plantage umgeleitet werden. Die Schäden im Kanal unter der Findorffstraße sind prekär. Ab Herbst des kommenden Jahres sollen Kanal und Straße saniert werden.
15.05.2014, 08:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Anke Velten

Die Buslinie 25 soll demnächst in beiden Richtungen über Herbststraße und Plantage umgeleitet werden. Glücklich ist darüber niemand, doch es scheint die beste unter den unangenehmen Alternativen. Fest steht nur: Viel Zeit zum Diskutieren bleibt nicht. Die Schäden im Kanal unter der Findorffstraße sind prekär und dürfen nicht zum Sicherheitsrisiko werden. Ab Herbst des kommenden Jahres sollen Kanal und Straße saniert werden.

In der vergangenen Woche war bekannt geworden, dass der Kanal unterhalb der Findorffstraße marode ist – der Stadtteil-Kurier berichtete. Nun gab Hansewasser vor dem Findorffer Beirat Näheres bekannt. Tatsache ist: Unter den jetzigen Bedingungen können die Verantwortlichen die Tragfähigkeit der Straße nicht mehr garantieren. Damit nichts Schlimmeres passiert, muss durch diverse Notmaßnahmen die Belastung rigoros reduziert werden. Dazu gehört neben der Geschwindigkeitsbegrenzung auch die Umleitung der Buslinie 25, die die Straße genau in dem Bereich befährt, der besonders gefährdet ist. Die Findorffstraße soll halten, bis die Münchener Straße voraussichtlich im Herbst 2015 fertig saniert und wieder freigegeben ist. Denn die simultane Sperrung zweier Findorffer Hauptstraßen wäre ein Szenario, das vermieden werden soll.

Rohre aus dem Baujahr 1913

Der Handlungsbedarf ist dringend und erlaubt keinen Aufschub, erläuterte Hansewasser-Vertreter Arne Schmüser Beirat und Gästen der gut besuchten öffentlichen Sitzung im Jugendzentrum Findorff. Vor zwei Wochen war bei einer Routineüberprüfung ein klaffender Scheitelriss in dem Sammler entdeckt worden, der auf 440 Metern zwischen Findorfftunnel und Hollerallee verläuft, seither laufen auf Hochdruck Gespräche mit allen Beteiligten. Zwei Besonderheiten machen den Riss mit einer Breite von einem bis zwei Zentimetern besonders riskant, so Schmüser: Die Kanalrohre aus dem Baujahr 1913 weisen ein sogenanntes „Maulprofil“ auf, und sie liegen teilweise gefährlich dicht unter der abschüssigen Straße.

Auf der Seite der Hollerallee wirken rund zwei Meter Bodentiefe als Pufferzone. Vor dem Findorfftunnel liegt der Kanal nur noch einen halben Meter unter der Straßendecke. Ein statisches Gutachten habe erwiesen, dass Kanal und Straße den Belastungen nicht dauerhaft standhalten können. Um eine Vollsperrung und eine sofortige Sanierung zum jetzigen Zeitpunkt zu vermeiden, wurden Maßnahmen erarbeitet, die bis auf Weiteres den Druck von der Straße nehmen sollen. Parallel wird der Zustand des Kanals von Hansewasser ständig überprüft. Die Verkehrsschilder, die die Geschwindigkeit zwischen Tunnel und Hollerallee auf 30 Stundenkilometer begrenzen, stehen bereits. Ende Mai soll die Straße dann zwischen Tunnel und Buddestraße für den Schwerlastverkehr gesperrt werden. Fahrzeuge, die ein Gewicht von zwölf Tonnen überschreiten, müssen sich dann andere Wege suchen. Mit Schlachthof, Bürgerweide und Messe seien dazu bereits Gespräche in Gang, so Schmüser. Problematischer als dieser Zulieferverkehr, der auch auf andere Art den Zielort erreicht, sind die Linienbusse, die bis zum Doppelten dieses Limits wiegen können. Die Buslinie 25 befährt ausgerechnet den Straßenbereich zwischen Admiralstraße und Tunnel, der besonders prekär ist.

Die Lösung, die beim Amt für Straßen und Verkehr (ASV) und der Bremer Straßenbahn AG (BSAG) favorisiert und geprüft wird, sieht eine Umleitung der Busse über Herbststraße und Plantage vor. Darauf müsste die Herbststraße in den kommenden Wochen vorbereitet werden, berichtete der Kanalbau-Experte. Parkender Verkehr und bauliche Hindernisse müssen vom Straßenrand entfernt, das marode Großpflaster durch eine glatte Asphaltdecke ersetzt werden.

Die Reaktionen unter den Beiratspolitikern waren geteilt und spalteten mitunter auch die Fraktionen. Während Grünen-Mitglied Pelster das Vorhaben als „absolut wahnsinnig“ kritisierte und die Verantwortlichen beschwor, andere technische Lösungen zu prüfen, fand sein Fraktionskollege Ulf Jacob zustimmende Worte: „Das ist besser, als wenn der Bus dort überhaupt nicht mehr fährt.“ SPD-Parteisprecherin Gönül Bredehorst pflichtete bei: „Das Wichtigste ist, dass das Quartier nicht vom öffentlichen Personennahverkehr abgehängt wird.“

Als Hiobsbotschaft betrachten die Findorffer Geschäftsleute die Maßnahme, erklärte Andreas Eckert, stellvertretender Vorsitzender des Vereins: Sie stecken momentan in den Vorbereitungen für ein großes „Mittsommerfest“ am 21. Juni, für das Hemmstraße und Admiralstraße gesperrt werden sollen. Ursprünglich geplant war, die Busse wie bei früheren Veranstaltungen über Eickedorfer- und Findorffstraße umzuleiten – diese Lösung ist mit der geplanten Sperrung hinfällig.

Zu Wort meldete sich abschließend auch Gottfried Piaskowski, Verkehrssachbearbeiter an der Findorffer Polizeistation mit seinem Plädoyer, keinerlei Risiko einzugehen. Er erinnerte daran, dass es in der Vergangenheit auch in Deutschland bereits katastrophale Vorfälle durch einbrechende Straßen gegeben hat. Die Situation erfordere „höchste Sicherheitsstufe“, so Piaskowski. Dass in seinem letzten Dienstjahr auf diese Weise Menschen in seinem Revier zu Schaden kommen, wolle er nicht miterleben.

Immerhin einen Trost hatte der Hansewasser-Kanalexperte für die Findorffer. Die unvermeidliche Sanierung der Findorffstraße sei auch eine Chance, mit gestalterischen Maßnahmen die Attraktivität des Bereichs zu steigern. Immerhin dafür bleibt nun reichlich Zeit, sich ganz in Ruhe Gedanken zu machen.

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