Einführungsveranstaltung zu Max Bruchs Oratorium „Odysseus - Szenen aus der Odyssee“ Höchste Zeit für ein Revival

Altstadt. „Brüllend wälzen mit Schaum daher sich unermessliche Wogen“, heißt es im Chor der Okeaniden in einer Szene des Odysseus. Vom Untergang bedroht ist das Schiff des Helden und seiner Gefährten, die zehn Jahre dauernde Heimreise durch die Ägäis von Kämpfen und Abenteuern geprägt.
04.02.2016, 00:00
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Von Christiane Tietjen

„Brüllend wälzen mit Schaum daher sich unermessliche Wogen“, heißt es im Chor der Okeaniden in einer Szene des Odysseus. Vom Untergang bedroht ist das Schiff des Helden und seiner Gefährten, die zehn Jahre dauernde Heimreise durch die Ägäis von Kämpfen und Abenteuern geprägt.

Das Schiff, das unterzugehen droht, ist eindrucksvoll dargestellt auf dem Programmheft zum Konzert des Orchesters und des Chors der Universität und von Solisten, das Wort Heimat ist gleich zweimal auf der sich auftürmenden Welle zu erkennen, einmal in Spiegelschrift. Studierende des Seminars „Musik für alle“ haben das Heft erstellt, zusammen mit der Universitätsmusikdirektorin Susanne Gläß, die das Konzert leitet. Bei „Wissen um elf“ im Haus der Wissenschaft haben sie und drei Studierende das Publikum auf das Konzert am Sonnabend, 6. Februar, um 20 Uhr in der Glocke eingestimmt.

Die Odyssee übers Mittelmeer, die Homer vor etwa 3000 Jahren und Max Bruch mit seinem weltlichen Oratorium vor rund 150 Jahren beschrieben hat, ist mit umgekehrten Vorzeichen aktuell. Was damals eine Heimkehr war, ist heute für viele eine Flucht aus der Heimat. Die Bedeutung dieses Ortes, an dem die geliebten Menschen sind, war auch für den Komponisten und Dirigenten Max Bruch ganz zentral, sagt Gläß zur Einführung. Der „Igeler Hof“ im Bergischen Land, wo Bruch den „Odysseus“ verfasste, war ein solcher Ort für ihn. 1871 stieß er auf der Suche nach einem Opernlibretto auf Homers Odyssee. Drei Jahre zuvor hatte er mit seinem Violinkonzert Nr. 1 Weltruhm erlangt, der bis heute anhält. „Mir ist die Herrlichkeit dieser Urpoesie so aufgegangen, dass ich nicht mehr von dem Gedanken loskam, daraus eine Reihe lyrischer Szenen zu machen“, waren Bruchs Worte.

„Das Werk der Romantik wurde zu seiner Zeit erfolgreich aufgeführt, ist aber heute zu Unrecht etwas in Vergessenheit geraten“, sagte Susanne Gläß. An Klangbeispielen – denen sie sichtlich bewegt folgt – führt sie vor, wie genial der Komponist die großen und klaren Linien der griechischen Antike aufgegriffen hat. Genau wie der Librettist Wilhelm Paul Graff, der zwar keine Hexameter verwendete, aber ein sehr rhythmisches Zitieren zugrunde legte. „Die Wellenbewegung spielt natürlich in dieser Musik eine große Rolle“, erklärte Gläß.

Mit den Szenen „Odysseus in der Unterwelt“, „Der Seesturm“, „Das Gastmahl bei den Phäaken“, „Penelope, ein Gewand wirkend“ und „Fest auf Ithaka“ ist das Homer-Epos komprimiert worden, sagte der Soziologiestudent Christoph Dwortzak. Christiane Zink, die Kultur- und Wirtschaftswissenschaft studiert, und die Biologiestudentin Ana Loose Martinez de Castro schilderten die Biografie des Komponisten und arbeiteten Eigenschaften der Hauptcharaktere Odysseus und Penelope – hier die Willensstärke und die für ihre Zeit untypische Unabhängigkeit – heraus. Bruchs „Odysseus“, 1872 in Bremen erstmals aufgeführt, erlebt in der Glocke, gesponsert von der Waldemar Koch Stiftung, ein Revival. Nach Ansicht von Susanne Gläß höchste Zeit: „Nach 1900 wurde es leider still um das Werk, während Brahms‘ Requiem immer noch zum festen Repertoire der Kirchenchöre in aller Welt gehört.“

„Odysseus“: Sonnabend, 6. Februar, um 20 Uhr in der Glocke, Domsheide. Mit Kerstin Stöcker (Alt), Martin Kronthaler (Bariton), Sabrina Franzke (Sopran), Dagmar Hildebrand (Mezzosopran), Nils Roeske (Bass), Orchester und Chor der Universität Bremen. Leitung: Susanne Gläß.

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