Antrag von Rot-Grün-Rot Höheres Krebsrisiko für Feuerwehrleute

Laut Studien haben Feuerwehrleute ein höheres Krebsrisiko durch Brandrauch. Rot-Grün-Rot fordert in einem Bürgerschaftsantrag: Der Senat soll sich im Bund für die Anerkennung als Berufskrankheit einsetzen.
04.03.2020, 06:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Höheres Krebsrisiko für Feuerwehrleute
Von Sabine Doll

Feuerwehrfrauen und -männer sind bei Einsätzen gesundheitlichen Risiken ausgesetzt: unter anderem durch giftige Schadstoffe im Brandrauch. Nach Studien aus Kanada und Skandinavien haben die Einsatzkräfte dadurch ein höheres Risiko, bestimmte Krebserkrankungen zu entwickeln. Die Bremer Regierungsfraktionen von Linken, SPD und Grünen haben einen Antrag in die Bürgerschaft eingereicht, wonach sich der Senat auf Bundesebene dafür einsetzen soll, dass bestimmte Krebsarten bei Feuerwehrleuten als Berufskrankheit anerkannt werden.

„Nur durch die Anerkennung von Krebs als Berufskrankheit können betroffene Feuerwehrleute bei Unfallkassen beziehungsweise Berufsgenossenschaften Leistungen wie spezielle Facharztbehandlungen, Reha-Maßnahmen, Verletztengeld und Verletztenrente in Anspruch nehmen“, begründet der gesundheitspolitische Sprecher der Fraktion der Linken, Nelson Janßen, den Antrag. „Wichtig ist aber auch, dass sich die Erkrankten nicht am Ende noch damit herumschlagen müssen, diese Ansprüche auch wahrnehmen zu können.“ Derzeit müssten Menschen, die an einer anerkannten Berufskrankheit leiden, beweisen, dass dieser eine beruflich bedingte Ursache zugrunde liege. Janßen: „Wir fordern die Bundesregierung dazu auf, dass zunächst immer eine berufliche Ursache vermutet wird, sofern keine anderen Anhaltspunkte vorliegen.“ Der Senat soll sich für eine Umkehr der Beweislast einsetzen.

Krebserkrankungen kommen dreimal so häufig vor

Die Fraktionen von Rot-Grün-Rot weisen in ihrem Antrag vor allem auf Studien aus Kanada zur Gefährdung durch toxische Schadstoffe im Brandrauch hin: Danach seien 86 Prozent der untersuchten Todesfälle bei aktiven Feuerwehrleuten durch Krebs verursacht. Die Ergebnisse zeigten auch, dass bestimmte Krebserkrankungen bei Feuerwehrkräften dreimal so häufig vorkämen als in der übrigen Bevölkerung.

Ähnliche Studien aus Deutschland, die einen Zusammenhang oder die Häufigkeit von Krebserkrankungen belegen, gibt es derzeit noch nicht: Aktuell läuft ein Forschungsprojekt der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung, das unter anderem klären soll, ob und wie viele der krebserregenden Substanzen aus dem Brandrauch etwa über die Haut aufgenommen werden. Die Ergebnisse sollen im kommenden Jahr vorgelegt werden, heißt es in dem Antrag. Laut der Hamburger Initiative Feuerkrebs ist insbesondere das Risiko für Hautkrebs, Prostatakrebs, Hodenkrebs und eine spezielle Form von Lymphdrüsenkrebs erhöht. Die Schadstoffe würden vor allem über die Haut aufgenommen.

Lesen Sie auch

„Wir unterstützen diesen Vorstoß der drei Regierungsfraktionen voll und ganz“, sagt Michael Richartz, Sprecher der Bremer Berufsfeuerwehr und Leiter der Feuerwehr- und Rettungsleitstelle. „Die Anerkennung als Berufskrankheit würde die Versorgung verbessern.“ In dieser Jahreshälfte sollen nach Angaben des Feuerwehr-Sprechers auch die ersten Garnituren einer neuen Schutzausrüstung geliefert werden. Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) und Feuerwehr-Chef Karl-Heinz Knorr hatten die Schutzkleidung vor fast genau einem Jahr vorgestellt.

"Beim Schutz vor Hitze und Feuer ist die aktuelle Ausrüstung das Beste, was es gibt. Aber: Sie schützt nicht davor, dass krebserregende Schadstoffe durch das Material auf die Haut und in die Blutbahn gelangen. Darauf müssen wir reagieren", begründete Mäurer die Anschaffung. Ein Jahr lang hatten 40 Einsatzkräfte aus unterschiedlichen Bremer Feuerwachen die Ausrüstung getestet. 3000 Garnituren für insgesamt 1300 Einsatzkräfte wurden bestellt; zunächst soll die Berufsfeuerwehr und danach die Freiwilligen Feuerwehren ausgestattet werden. Die Kosten: drei Millionen Euro.

Krebserregende Substanzen sollen nicht mehr in die Wache gelangen

Die neue Schutzausrüstung ist Bestandteil eines Konzepts zur sogenannten Einsatzhygiene, das auch die Feuerwachen einschließt. Ziel sei, dass krebserregende Substanzen nicht mehr über verschmutzte Kleidung in die Wachen getragen werden. Jacke, Hose, Helm und Handschuhe würden noch am Einsatzort abgelegt und die Ausrüstung gewechselt. Richartz: „Das geschieht jetzt schon. Zusätzlich wollen wir ein eigenes Logistik-Fahrzeug anschaffen, das am Einsatzort neue Kleidung aus einem Pool vorhält. Allerdings steht dieses Fahrzeug noch auf einer Wunschliste.“ Zu dem Hygienekonzept gehöre auch, dass die Wachen in reine und nicht-reine Bereiche aufgeteilt werden, deren Zugänge etwa durch grüne und rote Türen gekennzeichnet seien. „Das wird bereits schrittweise umgesetzt.“

Auch die Bremer Landesgruppe der Deutschen Feuerwehr-Gewerkschaft unterstützt den Antrag. „Das ist hervorragend. Wir fordern seit Langem die Anerkennung als Berufskrankheit“, sagt der Vorsitzende, Axel Seemann. Die Gewerkschaft hatte in den vergangenen Jahren mehrfach neue Schutzausrüstung angemahnt und dabei auf andere Bundesländer verwiesen. Ein umfassendes Konzept der Einsatzhygiene am Brandort und in den Feuerwachen hält Seemann für zwingend, die Umsetzung geht dem Landesgruppen-Vorsitzenden aber nicht schnell genug: „Das dauert aber alles viel zu lange, aus unserer Sicht wird das nur halbherzig angegangen.“

Lesen Sie auch

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+