Olympia in Bremen? Hoffen auf die Spiele

Falls sich Hamburg durchsetzt und die Olympischen Spiele 2024 nach Deutschland kommen, dann soll auch Bremen ein Teil davon werden. Doch nicht alle Bremer finden, dass das eine gute Idee ist.
21.02.2015, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Sara Sundermann und Maren Beneke

Falls sich Hamburg durchsetzt und die Olympischen Spiele 2024 nach Deutschland kommen, dann soll auch Bremen ein Teil davon werden. Junior-Gastgeber für dieses internationale Riesenereignis sein – das wäre eine einmalige Chance für die Stadt, sagen Befürworter. Kritiker warnen vor neuen Schulden durch Großinvestitionen für Olympia.

Olympia und Bremen? Derzeit stößt man bei Internet-Recherchen zu diesem Thema noch vor allem auf ein alteingesessenes griechisches Restaurant namens „Olympia“ in Grohn, das für seine mediterrane Küche wirbt. Doch wenn die Olympischen Spiele 2024 tatsächlich nach Hamburg kommen sollten, wird das auch in Bremen für jede Menge Wirbel sorgen, so viel ist klar.

Schon jetzt fiebert mancher in der Stadt voller Vorfreude mit. Denn ein Stichtag naht: Am 21. März entscheidet sich, ob Hamburg oder Berlin für Deutschland in die internationale Olympia-Bewerbung zieht. Bremens Stadthallenchef Peter Rengel ist euphorisiert (siehe Interview rechts), zumal die ÖVB-Arena gemeinsam mit dem Weserstadion als möglicher Austragungsort für olympische Turniere von der Sportbehörde an Hamburg gemeldet wurde.

„Teil von Olympia zu sein, wäre für Bremen eine einmalige Chance“, sagt Frank Reimers, Abteilungsleiter für Stadtmarketing bei der Wirtschaftsförderung Bremen (WFB). „Olympia würde weltweite Werbung für Bremen bedeuten, ohne dass wir etwas investieren müssen.“

Handelskammer-Hauptgeschäftsführer Matthias Fonger ist überzeugt, dass die Bremer Gastronomie und Hotellerie einen großen Nutzen aus Olympia ziehen dürften: „Es wird alles ausgebucht sein.“ Gerade für internationale Gäste sei die Entfernung Hamburg-Bremen kaum der Rede wert. Der Kammer-Geschäftsführer macht darauf aufmerksam, dass Norddeutschland derzeit im Vergleich mit anderen deutschen Regionen wie etwa Bayern für internationale Touristen kaum eine Rolle spiele. „Durch Olympia wird sich das Image ganz klar zugunsten Norddeutschlands verändern“, sagt er.

Fonger sieht aber auch die Bremer Touristik-Zentrale in der Pflicht: „Auf diesem Image muss in den darauffolgenden Jahren mit Marketingaktionen aufgebaut werden.“ Zum Beispiel könnten US-Amerikaner darauf aufmerksam gemacht werden, dass es mit dem Auswandererhaus in Bremerhaven einen Ort gibt, der die Geschichte vieler ihrer Vorfahren lebendig macht.

André Heinemann vom Institut Arbeit und Wirtschaft warnt indessen davor, sich zu große Hoffnung auf einen langfristigen Tourismus-Effekt zu machen. „Ich glaube nicht, dass Menschen zehn Jahre später wegen der Olympischen Spiele nach Norddeutschland kommen werden“, sagt er. Er fordert daher ein nachhaltiges stadtplanerisches Konzept, das auch nach der Veranstaltung noch Bestand habe. Als gutes Beispiel nennt Heinemann etwa Barcelona. Dort sei die ganze Stadt im Vorfeld der Olympischen Spiele 1992 baulich umgekrempelt worden. „Heute fährt man in die Stadt, weil sie sich neu erfunden hat, und nicht, weil es dort olympische Stadien gibt.“

Allerdings: Dass Bremen als kleiner Partner Hamburgs für Olympia baulich umgekrempelt werden könnte, ist nicht zu erwarten, darin sind sich Politiker aller Fraktionen, Touristiker und Stadtvermarkter einig. Bremen werde gewiss keine neuen Stadien bauen, stellte die Sportbehörde bereits im Vorfeld klar. „Wir planen unsere Sportstätten-Infrastruktur unabhängig von Großveranstaltungen wie Olympia“, sagt Behördensprecherin Rose Gerdts-Schiffler. „Wenn Hamburg den Zuschlag erhält, müssten die Bedarfe vom Olympischen Komitee und Hamburg formuliert, aber dann auch finanziert werden.“

„Es werden keine Neubauten benötigt“, heißt es auch aus der CDU-Bürgerschaftsfraktion. Sie wirft der Landesregierung vor, die Bewerbung Hamburgs nicht offensiv genug zu unterstützen. Bremen müsse seine Sportstätten aktiv bewerben, fordern die Christdemokraten. Kiel habe sich sofort als Partner für Olympia angeboten, Bremen aber nicht, kritisiert Erwin Knäpper, sportpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion. „Wir müssen zeigen, dass wir weltoffen sind und gerne olympische Gäste aufnehmen“, fordert Knäpper. Ein Antrag, in dem die CDU verlangt hatte, der Senat solle bis Ende März ein Konzept zur Unterstützung Hamburgs bei der Olympia-Bewerbung vorlegen, wurde von den anderen Fraktionen abgelehnt. Für ungefragt eingereichte Konzepte von Bremen an Hamburg sei es noch zu früh, hieß es.

SPD und Grüne äußern sich zurückhaltend: „Wir haben im Moment kein Geld dafür, hier für Olympia etwas auf- oder nachzurüsten“, sagt Petra Krümpfer, sportpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) stelle hohe Anforderungen an Austragungsorte: „Wenn Olympia kommt, heißt es vom IOC oft: Friss oder stirb“, so Krümpfer. „Wir werden nicht in vorauseilendem Gehorsam handeln und warten jetzt erst einmal die Bürgerbefragung in Hamburg ab.“

„Wir sind offen und finden Olympia gut“, sagt Mustafa Öztürk von den Grünen. Doch Umbauten mit Bremer Steuermitteln seien nicht tragbar, stellt er zugleich klar. „Wir haben hier andere Sorgen, überall fehlt es an Geld, vor allem in Kitas und Schulen, da werden wir bestimmt kein Geld für Olympia ausgeben.“

Die Linken wenden sich ganz gegen Olympia: „Wir werden die Bewerbung auf keinen Fall unterstützen“, sagt Cindi Tuncel von der Linksfraktion. „Vergangene Olympiaden haben gezeigt, dass sich das IOC vertraglich die Gewinne sichert und die Städte später auf den Schulden sitzen bleiben.“ Er nennt das IOC einen „korrupten Milliardenkonzern“.

„Es wäre wunderbar, wenn Bremen Olympia-Partner sein könnte“, sagt dagegen Peter Siemering, Chef der Bremer Touristik-Zentrale (BTZ). „Wir haben hervorragende Sportstätten, die wir nicht mit Steuermitteln speziell aufrüsten müssen – und Hamburg weiß das.“ Bremen habe ausreichend Hotelbetten, um als olympische Partnerstadt zu fungieren – neue Hotels seien nicht notwendig. „Wir setzen auf gute hanseatische Nachbarschaft und werden Hamburg unsere Unterstützung anbieten“, so Siemering. Dass durch Olympia für Bremen ein besseres öffentliches Verkehrsnetz entstehen könnte, glaubt er nicht: „Wir haben ja schon eine wunderbare Infrastruktur: Bremen hat den einzigen internationalen Verkehrsflughafen in der Nähe von Hamburg. Wenn man sich ein olympisches Turnier in Halle 7 ansehen will, kommt man vom Flughafen mit der Straßenbahn in 15 Minuten ans Ziel – und vom Bahnhof aus sogar in fünf Minuten.“

Karsten Nowak, bei der Handelskammer zuständig für den Bereich Einzelhandel, ist bereits voller Vorfreude und hofft, dass Bremen Teil der Spiele wird: „Das wäre sehr zu begrüßen und würde die Stadt mal wieder ins richtige Licht rücken.“ Hotels, Restaurants, Souvenirshops und Kioske könnten kurzfristig von den Spielen profitieren, sagt Nowak. Doch an einen nachhaltigen Effekt für den Bremer Einzelhandel glaubt er nicht. Viel zentraler sei der Imagegewinn für die Stadt, so Nowak: „Und auch für die Bremer selbst wäre dieses positive Gefühl wichtig: ,Jawohl, wir sind dabei!“

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