Tischgespräch

Hofrestaurant in Syke: Zu Gast in der Idylle

Saisonale und regionale Küche stehen im Vordergrund des Bioland Hofrestaurants in Syke, das vor allem Familien anlocken will. Die Speisen überzeugen weitestgehend.
13.08.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Hofrestaurant in Syke: Zu Gast in der Idylle
Von Temi Tesfay
Hofrestaurant in Syke: Zu Gast in der Idylle

Tischgespräch im Bioland-Hofrestaurant: Gastro-Kritiker Temi Tesfay sitzt mit Besitzerin Stefanie Wolters an einem Tisch. Vor den Fenstern erstreckt sich eine große Apfelwiese.

Michael Braunschädel

Plötzlich kommt alles hoch. Erst beginnt sie zu stocken. Dann bricht ihr die Stimme. Und schließlich verliert Stefanie Wolters doch noch den Kampf gegen die Tränen. Sie ist beim Wendepunkt ihrer Story angelangt. Der Geschichte, die den Erfolg ihres Syker Hofrestaurants bei der Vox-Show „Mein Lokal, Dein Lokal“ nachzeichnen sollte. Vom fieberhaften Warten auf die Ausstrahlung, von der süßen Freude des Sieges, von der stillen Hoffnung auf einen großen Werbeeffekt. Das war die Storyline. Doch dann kam der Plot-Twist namens Corona. Die Sendung fiel exakt in jene Märzwoche, als erstmals Ausgangsbeschränkungen erteilt wurden.

„Absagen folgten auf Reservierungen“, erinnert sich Wolters ringend. Da kommt ihr Mann aus der Küche herbeigeeilt und wischt seiner Frau die Tränen von den Augen. Ich bin ergriffen. Von der Kulisse, die, wohin mein Auge auch blickt, das Bild einer surreal schönen Idylle bezeugt. Zu meiner rechten heraus ein Feld mit Apfelbäumen, deren Früchte hier in wenigen Wochen zu Kuchen verarbeitet werden. Gerade hindurch der große Garten, in dem Kräuter noch in voller Blüte erstrahlen, bevor sie schon bald für die nebenan gelegene Küche gepflückt werden.

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Und schließlich zu meiner linken das Gemälde dieses umwerfenden Bauernhauses, in dessen Erdgeschoss die Inhaber tagsüber ihre Gäste verwöhnen, um später am Abend unterm Dachboden selbst zur Ruhe zu kommen. Dirk und Stefanie Wolters, dieses vermählte Koch- und Service-Gespann, sind das Zentrum meiner Faszination. Sie bewirten mich so bescheiden, offen und freundlich, dass ich sie nur mit Ovids mythologischer Blaupause eines glücklichen Gastgeber-Paares vergleichen kann: Philemon und Baucis.

Probiert und empfohlen: Während jene ihren Gästen zunächst Käse und Honig auftischten, starten wir mit einer Tomatensuppe samt Basilikumklößchen (6,50). Für die 50-Jährige ist die Kombi aus frischen Tomatenwürfeln und klarem Saft ein „perfektes Geschmacksspiel“. Für mich ein erfrischendes Konsistenzspiel, das sich bei den Klößchen, die weder farblich noch geschmacklich an Basilikum erinnern, leider verdribbelt.

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Weiter geht’s mit dem in in der TV-Show viel gerühmten Hausklassiker: den Braten vom Wasserbüffel (23,50). Wie ein Gewinnergericht sieht es allemal aus: links und rechts an den Außenbahnen rangieren jeweils vier Kartoffelscheiben, oben und unten schließt das Kohlrabi-Möhrengemüse den Beilagenkreis, der konzentrisch auf das würdevoll in der Mitte postierte Herzstück verweist: den leicht in Tomaten-Basilikumsauce schwimmenden Braten aus der Aller.

Nein, im Vorfeld lässt nichts erahnen, dass diese Speise eine Enttäuschung werden könnte. Doch genau das ist sie. Leider. „Zu mürbe“, gibt sich Wolters ebenfalls kritisch. Ich bin bei ihr – und habe fast Mitleid mit der dünnen Sauce, welche im Versuch, sich neben dem vom intensiven Aroma ausgezeichneten Fleisch zu behaupten, hilflos untergeht. Da stellen sich die wunderbar zubereiteten Beilagen schon deutlich besser an, wobei auch diese beim Thema Salz einer gnadenlosen Austeritätspolitik zum Opfer fallen.

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Zum Schluss gibt es die hausgemachten Bandnudeln mit Pesto, Riesengarnelen und einem Beilagensalat (22,80 €). Wobei Letzteres ein Understatement ist für die Hingabe, mit der von den Bohnen, Gurken, Karotten und der Beete hinweg bis zum Salatmix wirklich jede Ingredienz mit eigener Vinaigrette angemacht wurde. Respekt. Für mich der Hidden Champ dieses auch ansonsten vorzüglichen Gerichts, dessen Hauptattraktion weder die bissfesten Bandnudeln noch die tadellos gebratenen Bio-Garnelen sind, sondern dieses unvergleichliche Pesto.

Es zu probieren, ist wie ein Spaziergang durch den Kräutergarten: Da begegnet einem Altbekanntes wie Petersilie, Thymian und Schnittlauch, Überraschendes wie Liebstöckel oder Salbei, aber auch Unerwartetes wie Ysop. „Einmal quer durchs Beet“, beschreibt der Koch diese nach Lust und Verfügbarkeit komponierte Kräutersinfonie. „Eine schöne Sommerspeise“, bringt die Front-Chefin es wunderbar auf den Punkt.

Bioland Hofrestaurant, An der Wassermühle 18, 28857 Syke, Telefon: 04242 8363. Öffnungszeiten: Mittwoch bis Donnerstag von 17 bis 22 Uhr, Freitag von 15 bis 22 Uhr, Samstag bis Sonntag von 11.30 bis 14 sowie von 15 bis 22 bzw. 17.30 Uhr, Montag bis Dienstag: geschlossen. www.bioland-hofrestaurant.de. Barrierefrei.

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