Gefährliche Leberentzündung Hohe Dunkelziffer bei Hepatitis

Tausende Menschen sind laut der Deutschen Leberhilfe mit Hepatitis infiziert - wissen aber nichts von ihrer Erkrankung, die unbehandelt zu Leberzirrhose und -krebs führt. Ein Screening könnte das ändern.
04.08.2019, 15:10
Lesedauer: 2 Min
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Hohe Dunkelziffer bei Hepatitis
Von Sabine Doll

Etwa 300 000 Menschen in Deutschland leben mit einer chronischen Infektion mit Hepatitis-B-Viren und ebenso viel sind mit Hepatitis C infiziert. Allerdings wissen viele Betroffene nichts davon, wie die Deutsche Leberhilfe mitteilt. Die Folgen können tödlich sein: „Ohne eine Behandlung können Hepatitis-Infektionen die Leber schwer schädigen und letztendlich zu Leberzirrhose, Leberkrebs und zum Tod führen“, warnen die Experten. Bei zwei von drei Todesfällen aufgrund von Leberkrebs seien Hepatitis B und C die Ursache. Ein weiteres Risiko: Wissen Betroffene nichts von ihrer Infektion, bestehe die Gefahr, dass sie unwissentlich anderer infizierten.

Viele schwere Krankheitsfälle werden dagegen vermeidbar: Gegen Hepatitis B gibt es nach Angaben der Leberhilfe eine Schutzimpfung, eine Infektion sei zwar noch nicht heilbar, aber durch eine Therapie gut kontrollierbar. Gegen Hepatitis C gebe es keine Impfung, dafür aber hochwirksame Medikamente: „Fast alle Hepatitis-C-Patienten können heute geheilt werden. Eine Tabletten-Therapie über acht bis zwölf Wochen eliminiert schon im ersten Versuch 95 Prozent der Hepatitis-C-Infektionen. Für die wenigen Menschen, die nicht schon im ersten Anlauf geheilt werden, bestehen erneut ähnlich hohe Heilungschancen mit einer zweiten, intensiveren Therapie.“

Der Zugang zur Therapie und Heilungsaussichten seien in Deutschland demnach sehr gut, da die Kosten für die Behandlung von den Krankenkassen übernommen werden. Schwachpunkt sei jedoch, dass viele Menschen nichts von ihrer Infektion wissen und es auch kein Screening-Programm gebe, um die unentdeckten Betroffenen zu diagnostizieren, kritisiert die Deutsche Leberhilfe. Das Problem: „Die Leber leidet stumm. Beschwerden bleiben lange Zeit aus oder sind eher unspezifisch, wie etwa Müdigkeit oder auch Gelenkbeschwerden“, so die Experten. Hepatitis-typische Symptome wie eine Gelbsucht beträfen nur wenige Patienten. Hepatitis kann unter anderem über Blutuntersuchungen auf bestimmte Antikörper nachgewiesen werden. Auch erhöhte Leberwerte könnten ein Anzeichen sein, im Umkehrschluss seien normale Leberwerte aber keine Entwarnung.

Hepatitis B wird nach Angaben der Deutschen Leberhilfe durch direkten Kontakt mit Blut, Sperma, Scheidensekret und gegebenenfalls auch über Speichel übertragen; Hepatitis C vor allem durch direkten Kontakt mit infiziertem Blut. Zu den wichtigsten Risikofaktoren gehören Blutprodukte vor 1990 für Hepatitis C, Hepatitis B und C in Partnerschaft oder Familie, häufiger Partnerwechsel, Tätowierungen und Piercings, gemeinsam benutztes Spritzbesteck bei intravenösem Drogenkonsum, die Herkunft aus Ländern, in denen Hepatitis B und C weit verbreitet sei sowie schlechte Hygiene bei medizinischen Eingriffen.

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