Gerold Janssen hält Vortrag im Ortsamt Horn-Lehe / Seit den 1970er-Jahren engagierter Naturschützer Hollerland-Aktivist erinnert sich

Bremen. Er sieht sich als Bremer Rebell, und tatsächlich hat Gerold Janssen oft gegen eine bürgerfeindliche Politik gestritten. Obwohl er sich auch für den Erhalt des Horner Bades und andere Projekte stark gemacht hat, wird sein Engagement vor allem in Verbindung mit dem Hollerland gewürdigt. Für den Erhalt des Naturschutzgebietes und gegen eine Bebauung des Geländes hat sich der 87-Jährige seit den 1970er-Jahren engagiert.
06.12.2010, 05:00
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Hollerland-Aktivist erinnert sich
Von Andreas D. Becker

Bremen. Er sieht sich als Bremer Rebell, und tatsächlich hat Gerold Janssen oft gegen eine bürgerfeindliche Politik gestritten. Obwohl er sich auch für den Erhalt des Horner Bades und andere Projekte stark gemacht hat, wird sein Engagement vor allem in Verbindung mit dem Hollerland gewürdigt. Für den Erhalt des Naturschutzgebietes und gegen eine Bebauung des Geländes hat sich der 87-Jährige seit den 1970er-Jahren engagiert.

Die damaligen Kämpfe und seine eigene Rolle beim Erhalt des Naherholungsgebiets will der engagierte Naturschützer in einem Vortrag wieder lebendig werden lassen. Als Ergänzung zur Ausstellung "825 Jahre Horn-Lehe" hält Gerold Janssen am Mittwoch, 8. Dezember, um 17.30 Uhr einen Vortrag im Saal des Ortsamts Horn-Lehe in der Berckstraße 10.

Als Kopf der Bürgerinitiative für den Erhalt des Hollerlandes war Janssen von Anfang an dabei. Während der jahrelangen Auseinandersetzungen zeigte er sich als einfallsreicher Mahner und brachte die Bevölkerung mit teils spektakulären Aktionen hinter sich. Ab 1977 kämpfte er gegen die Planungen des damaligen Bausenators Stefan Seifritz für ein riesiges Wohngebiet. Höhepunkt der Auseinandersetzungen war der Zeitraum Mai bis Oktober 1989. Schließlich kam es zum Kompromiss, der die Grenzen zwischen Baugebiet und Naturschutzgebiet samt Hollerwald und den westlichen Wiesenflächen festlegte.

Trotzdem gab es auch nach dieser Vereinbarung immer wieder Überlegungen, das Hollerland zu bebauen. Im Gespräch war etwa 2003 eine Technologiestadt, später wurde auch eine Nutzung als Gewerbegebiet oder als Standort für eine Schnelltrasse diskutiert. Erst seit 2004 ist das 293 Hektar große Naturschutzgebiet Westliches Hollerland endgültig in Sicherheit. "Da wurde das Gelände von der Europäischen Union unter den Schutz der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie gestellt", sagt Gerold Janssen. Damit sei eine mehr als 25-jährige Auseinandersetzung beendet.

Für den Naturschützer ist das Hollerland eine weitgehend unberührte Landschaft. "Die Artenvielfalt und die Bedeutung als Naherholungsgebiet sind einmalig", schwärmt der 87-Jährige. Seinen Vortrag will der streitbare Horner auch als Beitrag zur Ausstellung "825 Jahre Horn-Lehe" verstanden wissen. Janssen, der seit 1969 im Stadtteil lebt, hält mit Kritik an der Entwicklung des Stadtbildes nicht hinterm Berg. So werde die Mühle als bedeutendes Wahrzeichen Horn-Lehes teilweise von der Tankstelle verdeckt. Kritik übt Janssen auch am zunehmenden Verschwinden der Straßenbäume. "Das ist seit vielen Jahren zu beobachten. Das Grün im öffentlichen Raum wird immer weniger", beklagt er.

Auch das brachliegende Telekom-Gelände ist Gerold Janssen seit Langem ein Dorn im Auge. "Hier müssen endlich politische Entscheidungen kommen, damit dieses Gebiet genutzt werden kann", fordert er. Insgesamt, so sein Fazit zum Jubiläum, habe sich Horn-Lehe nicht unbedingt zu seinem Vorteil verändert. "Das Gesicht des Stadtteils ist nicht mehr zu erkennen", kritisiert er. Janssen hat die Auseinandersetzungen um das Hollerland in seinen Lebenserinnerungen ausführlich beschrieben. "Hier geiht de Wind! - Hände weg vom Hollerland" ist ebenso wie eine DVD mit dem Film "Der Traum des Gerold Janssen" von Jörg Streese im Donat-Verlag erschienen.

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