Kult-Laden machte zu wenig Umsatz Holtorf im Bremer Viertel schließt am Samstag

Deutschlands letzter Kolonialwarenladen ist bald Geschichte: Familie Wewer gibt das Holtorf-Geschäft im Ostertor zum 26. August auf. Im Oktober soll ein Oldenburger Café-Betreiber übernehmen.
14.08.2017, 18:51
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Holtorf im Bremer Viertel schließt am Samstag
Von Jürgen Hinrichs

Betreiberwechsel im letzten Kolonialwarenladen, den es in Deutschland noch gibt, bei „Wilh. Holtorf. Lebensmittel seit 1874“: Nach nur vier Jahren gibt die Familie Wewer das Geschäft im Ostertor wieder auf. Übernehmen soll im Oktober ein Einzelhändler und Café-Betreiber aus Oldenburg. Sicher ist das aber noch nicht. Abschied nehmen werden die Wewers in ihrem Bremer Laden am 26. August.

Marcus Wewer, ein gebürtiger Bremer, hat auf zwei Biohöfen in der Region Landwirtschaft gelernt und sich dabei auf Fleisch spezialisiert. Als er Holtorf übernahm, war es für ihn nur folgerichtig, eine Fleischtheke einzurichten und dort Bioprodukte zu verkaufen. Eine Neuerung in dem Laden, der vor allem dafür bekannt ist, dass er in den großen Holzschubladen lose Ware anbietet – Getreide, Bohnen, Linsen, Rosinen, getrocknetes Obst und einiges mehr.

Fleischtheke brachte keinen Erfolg

Mit dem Fleisch hatte Wewer keinen Erfolg. „Es kamen zu wenig Kunden“, sagt er im Gespräch mit dem WESER-KURIER. Freitags und sonnabends sei es gut gewesen, in der Woche weniger. Also wurde die Theke wieder abgeschafft. „Danach war ein bisschen die Luft raus“, erzählt der Kaufmann. Fleisch ist sein Gemüse, wenn man so will. Ohne Fleisch wollte er auf Dauer nicht arbeiten, und als dann im April das Angebot einer großen Supermarktkette kam, sich um die Sicherheit und Qualität von Bioprodukten und eben auch Biofleisch zu kümmern, griff er zu und musste für Holtorf nur noch einen Nachfolger finden.

Die Wahl fiel auf „Heimathaven“, ein Geschäft in der Oldenburger Fußgängerzone, das den Verkauf von Feinkost mit einem Café kombiniert. „Unterschrieben haben wir noch nicht“, betont die Betreiberin auf Anfrage. Wewer bestätigt das, glaubt aber sicher, dass der Wechsel wie geplant zum Herbst über die Bühne geht.

Der Laden und das Haus stehen unter Denkmalschutz. Holtorf ist ein Kleinod, das Kolonialwarengeschäft taucht in den Touristenführern auf und bekommt an manchen Tagen mehr Besuch von Neugierigen als von Kunden. Landesdenkmalpfleger Georg Skalecki attestiert dem Laden einen außergewöhnlichen Rang. Die historische Einrichtung sei etwas „ganz, ganz Seltenes“, hatte Skalecki gesagt, als die früheren Eigentümer vor fünf Jahren verkaufen wollten und Mühe hatten, jemanden zu finden. Wewer bietet das Haus bereits zum Kauf an, den Laden wird er verpachten.

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