Neubau-Debatte erneut verschoben

Horner Polizeirevier in desaströsem Zustand

Bremen. Das Revier Horn macht einen erbarmungswürdigen Anblick: Das winzige Zimmer, in dem Zeugen befragt werden, lässt sich nicht schließen, und das heruntergekommene Mobiliar des Besprechungsraums gleicht dem einer Studenten-Bude aus den 70er Jahren.
26.03.2010, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Rose Gerdts-Schiffler
Horner Polizeirevier in desaströsem Zustand

Wird es nun geschlossen oder nicht? Die Zukunft des Polizeireviers Woltmershausen ist ungewiss.

Walter Gerbracht

Bremen. Das Revier Horn macht einen erbarmungswürdigen Anblick: Das winzige Zimmer, in dem Zeugen befragt werden, lässt sich nicht schließen, und das heruntergekommene Mobiliar des Besprechungsraums gleicht dem einer Studenten-Bude aus den 70er Jahren. Wo man auch hinschaut: ein beengtes, vollgestopftes Provisorium. Beirat wie Polizisten drängen auf eine Lösung. Doch die ist im März erneut verschoben worden.

Seit April 2009 hausen die Beamten in der früheren Meldestelle in der Berckstraße. Sechs Jahre hatte der Nebentrakt des Ortsamtes zuvor leergestanden. Kein optimales Haus für ein Revier, das für die größte Fläche und die meisten Einwohner in Bremen zuständig ist. Aber immerhin gab es keinen Schimmel und keine feuchten Wände. Damit hatten die Horner Polizisten in ihrer früheren Unterkunft schräg gegenüber so viel Erfahrung machen müssen, dass der marode Teil des Ortsamtes schließlich komplett geschlossen wurde. Seitdem hoffen alle Beteiligten auf die A-, B- oder C-Lösung.

Revierschließung befürchtet

'Hoffentlich nicht vergeblich', sagt der Bremer Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Horst Göbel, düster. Angesichts der Sparpläne des Senats befürchtet er Schlimmes und hält für die Zukunft auch eine Revierschließung nicht für unmöglich.

Hinter den drei Anfangsbuchstaben des ABC verbergen sich drei Varianten: Das Ortsamt aufwendig sanieren oder das alte Postgebäude an der Kopernikusstraße umbauen und dann mieten oder einen Neubau an der Lilienthaler Heerstraße realisieren. Letztere Variante soll nach bisherigen Berechnungen die günstigste Lösung sein. Fachleute hatten dafür rund 1,6 Millionen Euro berechnet. Im März sollte darüber im Senat eine Richtungsentscheidung fallen. Doch die Beratung wurde verschoben auf den Mai.

'Seit fünf Jahren schleppt sich der Entscheidungsprozess dahin', schimpft Ortsamtsleiter Wolfgang Ahrens. Nach der kürzlich ausgegebenen Senatslosung 'Wir müssen sparen', scheine nun alles wieder auf dem Prüfstand zu stehen. Vor dem Hintergrund, dass Bremen zusätzlich 46 Millionen Euro einsparen müsse, fürchtet Ahrens, dass womöglich keine der drei Lösungen umgesetzt werden kann.

Erst vor einigen Tagen habe er mit allen Beteiligten zusammengesessen und die Frage gestellt, ob es denn im Fall aller Fälle einen Plan D gebe, erzählt der Ortsamtsleiter. 'Da war nur betretendes Schweigen in der Runde.' Zumindest herrscht wohl Einigkeit, dass das Provisorium ein Ende haben muss. 'Das Revier ist in einem unzumutbaren Zustand', bestätigt Polizeipräsident Holger Münch auf Nachfrage. 'Wenn dort eine ältere Frau vorbeikommt, um eine Anzeige aufzugeben, fragt die wahrscheinlich spontan, wo ist denn hier der Spendentopf.'

Übereinander gestapelte Mobilbauten seien keine Lösung, betont der Polizeipräsident. Niemand erwarte eine schnelle Lösung in Wochen oder wenigen Monaten. 'Aber die Kollegen brauchen Licht am anderen Ende des Tunnels.'

Und Langmut, möchte man hinzufügen. Duschen gibt es keine, und die Küche, ein zwei Quadratmeter großer Abstellraum, spottet jeder Beschreibung. Das nur acht Quadratmeter große Zimmer, in dem Anzeigen aufgenommen werden, ist mit Drucker, Kopierer, Faxgerät, Funkgeräten, einem alten Holztisch und zwei Stühlen vollgestopft. Die Tür zum Flur geht nicht mehr zu, die Griffe sind abmontiert. 'Datenschutz ist hier nicht möglich', sagt Revierleiter Axel Schröder bedauernd. Beim Fahrraddiebstahl könne das vielleicht noch hingenommen werden, bei einem Sexualdelikt aber nicht.

Ab 1. April kommen vier zusätzliche Beamte zur Unterstützung ins Revier. Weitere vier sollen folgen. Sie sind langersehnt und sollen als sogenannte Teilintegrationskräfte sowohl die 110-Einsätze mit abarbeiten, aber vor allem auch 'normalen Streifendienst' im Revier fahren. Bislang verfügte Revierleiter Axel Schröder über keinen Wagen, den er einfach losschicken konnte. Denn: Die 110-Einsätze werden zentral und nicht von den Revieren gesteuert. Wie die neuen Leute ihre Arbeit in so beengten Verhältnissen verrichten sollen, ist unklar. 'Wir brauchen eine ehrliche Entscheidung noch vor den Wahlen', drängt GdP-Chef Göbel.

'Es gibt keine Debatte über eine Revierschließung', stellte Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) gestern klar. 'Im Gegenteil. Mit den neuen Kräften wird das Revier, wie zugesagt, verstärkt.' Die Beratung über die Gebäudeproblematik sei nur verschoben worden, da die Eigentümerin, die 'Immobilien Bremen' Kostenberechnungen angestellt und diese kurzfristig wieder zurückgezogen habe. 'Darüber gab es natürlich Verärgerung', fügte Mäurer hinzu. Nun habe sich aber der Geschäftsführer der Gesellschaft des Problems angenommen. Zugleich appellierte Mäurer, nicht die Gebäude-Debatte und die Zukunft des Reviers miteinander zu vermengen. Und: 'Eine der drei Lösungen wird realisiert.'

Darauf setzt auch Göbel, mahnt aber: 'Die Gebäudedebatte und die Arbeit auf dem Revier gehören engstens zusammen.'

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