Fachkräftemangel an Schulen Hundert Lehrerstellen im Land Bremen unbesetzt

Bundesweit werden Lehrkräfte gesucht, Bremen steht in besonderer Konkurrenz zu Niedersachsen. Zwar will Bremen viele Lehrer bald besser bezahlen, doch dafür müssen sie in Niedersachsen weniger unterrichten.
29.03.2021, 20:44
Lesedauer: 3 Min
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Von Sara Sundermann und Basil Wegener

Wer ein abgeschlossenes Referendariat in der Tasche hat, ist begehrt: Weiterhin gibt es im Land Bremen und in Niedersachsen Lehrermangel. In der Stadt Bremen sind derzeit laut Bildungsbehörde 62 Lehrerstellen von 4871 Vollzeitstellen nicht mit voll ausgebildeten Kräften besetzt. In Bremerhaven waren nach Angaben des Magistrats zuletzt 39 von 1250 Lehrerstellen unbesetzt. Auch Niedersachsen hat weniger Personal, als es bräuchte: Von 1200 zuletzt ausgeschriebenen offenen Lehrerstellen konnten 172 nicht besetzt werden. In Niedersachsen gibt es mehr als 80.000 hauptberufliche Lehrerinnen und Lehrer.

Nach Einschätzung des Beamtenbundes (DBB) fehlen dem Staat mehrere Hunderttausend Beschäftigte, nicht nur an Schulen. Bei Bund, Ländern und Kommunen klaffe eine Lücke von rund 330.000 Beschäftigten, sagte der DBB-Vorsitzende Ulrich Silberbach. „Der Bedarf wächst seit Jahren um rund zehn Prozent jährlich“, so Silberbach. Die demografische Entwicklung begünstige eine Abwärtsspirale, gegen die der Staat zu wenig gegensteuere. Die größte Personallücke sieht der Beamtenbund bei den Kitas, an den Schulen fehlen laut DBB bundesweit 38.000 Beschäftigte. Diese Not sei nicht plötzlich über die Bundesländer hereingebrochen, so Silberbach, zum Beispiel würden seit Jahren steigende Schülerzahlen prognostiziert.

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Bremen steht beim Anwerben von Lehrern in Konkurrenz zu Niedersachsen. „Das Umland ist nah, die Konkurrenz ist groß, viele Lehrkräfte sind mobil, für viele ist ein Umzug kein Problem“, sagt Elke Suhr von der Bildungsgewerkschaft GEW Bremen. Sie konstatiert: Bei der Versorgung mit Lehrern stehe die Stadt Bremen „gut da und Bremerhaven katastrophal“. In Bremerhaven sei ein Drittel aller Lehrerstellen mit nicht voll ausgebildetem Personal besetzt.

Auch in Bremens Schulen unterrichten viele Studierende: Laut Behörde wurden für die 62 unbesetzten Stellen größtenteils Lehramt-Studenten über den Verein Stadtteilschule eingestellt. Sie dürfen elf Stunden pro Woche unterrichten. Der Verein Stadtteilschule ist ein externer Arbeitgeber, bei dem Bremen Personal beschäftigt, das nicht voll ausgebildet ist.

Insgesamt sind laut Behörde derzeit 318 Personen bei der Stadtteilschule angestellt, das entspricht 159 vollen Stellen. Der Personalrat Schulen nennt andere Werte: „Ich gehe davon aus, dass in Bremen rund 200 Stellen für voll ausgebildete Lehrkräfte fehlen“, sagt die Personalratsvorsitzende Angelika Hanauer. Denn zuletzt seien zusätzlich zu den Stadtteil­schul-Stellen mindestens 40 Stellen komplett unbesetzt gewesen.

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Bremens wichtigste Werkzeuge gegen Lehrermangel sind für das Bildungsressort „die schnelle Anwerbung von fertig werdenden Referendaren und Referendarinnen und die Vollendung der Aufstockung auf A 13“, Ressort-Sprecherin Annette Kemp. Von diesem Sommer an werden Lehrkräfte an Grundschulen und in der Sekundarstufe I besser bezahlt: Sie rücken auf in Besoldungsstufe A 13. Derzeit erhalten sie A 12 und zusätzlich eine monatliche Zulage. Die bessere Bezahlung von Schulbeschäftigten kostet Bremen in diesem Jahr sieben Millionen Euro und 9,2 Millionen Euro im Jahr 2022. Zudem hat die Stadt in den vergangenen Jahren die Zahl der Referendariatsplätze erhöht.

Mehr ausbilden und bessere Bezahlung seien sinnvoll, darin sind sich GEW und Personalrat Schulen einig. Bremen müsse darüber hinaus dringend die Arbeitsbedingungen an Schulen verbessern. Dazu gehöre, die Zahl der Unterrichtsstunden für Lehrer zu senken.

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Mit der Aufstockung auf A 13 habe Bremen einen kleinen Vorsprung vor Niedersachsen, sagt Elke Suhr – bis das Nachbarland nachziehe. Dafür müssten Lehrkräfte in Niedersachsen zum Teil weniger unterrichten. In Niedersachsen sind an Gymnasien 23,5 Stunden pro Woche Pflicht, an Gesamtschulen 24,5 Stunden. In Bremen sind an Gymnasien 27 Stunden in der Sekundarstufe I gefordert und 25 Stunden in der Sekundarstufe II. Gleiches gilt für Bremens Oberschulen, die den Gesamtschulen ähneln. „Fatal war aus unserer Sicht auch, dass Studiengänge wie Sport und Sonderpädagogik in Bremen eingestampft worden sind“, so Suhr. Es gebe insgesamt zu wenig Lehramt-Studienplätze.

Suhr und Hanauer betonen: Die Arbeitsbedingungen müssten besonders an Schulen in benachteiligten Stadtteilen verbessert werden, dort sei der Mangel am gravierendsten. Dafür gebe es bislang „zaghafte Ansätze“ der Behörde.

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