Frühchen-Tod am Klinikum Mitte Hygiene-Bericht enttäuscht Bremer CDU

Bremen. Vom Sonderbericht, der am Dienstag zum Tod dreier Frühchen vorgestellt worden ist, hat sich die CDU mehr erwartet. Nach ihrer Einschätzung steht nichts Neues darin. Die Linke moniert gar einen Fehler in der Untersuchung.
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Bremen. Vom Sonderbericht, der am Dienstag zum Tod dreier Frühchen vorgestellt worden ist, hat sich die CDU mehr erwartet. Nach ihrer Einschätzung steht nichts Neues darin. Die Linke moniert gar einen Fehler in der Untersuchung.

Auf der Frühgeborenen-Station am Klinikum Bremen-Mitte sind Unterlagen nachlässig dokumentiert und Meldepflichten nicht beachtet worden. Dies geht aus einem Untersuchungsbericht hervor, den Justizstaatsraat Matthias Stauchvorgelegt hat. Er hatte die Akten im Auftrag von Regierungschef Jens Böhrnsen (SPD) gesichtet. In dem Krankenhaus waren drei Kinder an einem gefährlichen Darmkeim gestorben. Von diesem Sonderbericht zeigt sich die CDU nun enttäuscht. Es würden nur bekannte Verstöße gegen Meldepflichten untermauert, in der Sache gebe es jedoch wenig neue Erkenntnisse. So wäre es wünschenswert gewesen, wenigstens etwas über die Strukturen und Mängel im Gesundheitsamt zu erfahren.

Das kritisiert der gesundheitspolitische Sprecher der Bürgerschaftsfraktion, Rainer Bensch. Eine Bestandsaufnahme dessen, was schon bekannt sei, brauche man nicht. „Man kann sicher nicht vom Staatsrat erwarten, dass er in seinem Bericht Verantwortliche für Informationspannen und das schlechte Krisenmanagement benennt. Dies wird am Ende wohl nur dem Untersuchungsausschuss gelingen“, sagt Bensch. Er fordert Konsequenzen in der personellen und strukturellen Organisation des Gesundheitsamts. Um zu dieser Erkenntnis zu gelangen, wäre nach seiner Einschätzung jedoch kein Sonderbericht notwendig gewesen.

Ganz so enttäuscht vom Ergebnis des Berichts ist die Fraktion Die Linke nicht. Einige der aufgeführten Fehler, die mit dem Keim-Ausbruch zusammenhängen, seien zwar schon bekannt gewesen. Doch es habe auch neue Erkenntnisse gegeben, findet Claudia Bernhard. „Erschütternd ist dabei, dass insbesondere die MitarbeiterInnen des Klinikum gar nicht über ihre Meldepflichten aufgeklärt wurden beziehungsweise dass diese im Hygieneplan teilweise verschleiert wurden“, wird sie in einer Pressemitteilung zitiert. Hätte der Senat nur einen Bruchteil der Aufmerksamkeit, die er den betriebswirtschaftlichen Zahlen des Klinikums Bremen Mitte widmete, dem Infektionsschutz zukommen lassen, wäre eine solche Fehlsteuerung nicht möglich gewesen.

Allerdings sei die Behauptung des Sonderberichts falsch, dass das Robert-Koch-Institut (RKI) nicht eine personelle Unterversorgung als eine Ursache für den Keimausbruch sehe. „Der RKI-Bericht sagt lediglich, dass die personelle Situation an den Tagen vor einer Infektion auch nicht schlechter war als sonst. Wenn man immer mit 250 km auf der Autobahn fährt und dann einen Unfall baut, dann war die Geschwindigkeit am Tag des Unfalls auch nicht höher als an den anderen Tagen“, so Bernhard.

Klinikum weiter in der Kritik

Laut Infektionsschutzgesetz sind Krankenhäuser dazu verpflichtet, das Auftreten von bestimmten Keimen fortlaufend zu dokumentieren und zu bewerten. „Hierbei gibt es dringenden Verbesserungsbedarf in der Klinik“, betonte der Jurist. „Die Aufzeichnungen waren nicht vollständig und nicht in jeder Hinsicht zutreffend.“ Den ersten nachweisbaren Fall gab es bereits am 30. April, somit hätte spätestens Anfang August das Bremer Gesundheitsamt informiert werden müssen und nicht erst einen Monat später.

Auch das Gesundheitsamt habe mit großer Verzögerung reagiert: Bis zum 21. September hätte eine Meldung an die senatorische Dienststelle erfolgen müssen, sagte Stauch. „Da gab es Unklarheiten, wer wohin zu melden hatte.“ Erst am 1. November wurde jedoch Gesundheitssenatorin Reante Jürgens-Pieper (SPD) informiert, die die Frühchen-Station sofort am nächsten Tag stilllegte. Die drei Frühchen waren am 8. August sowie am 16. und 27. Oktober gestorben. Insgesamt sind seit April 25 Frühchen mit dem gefährlichen Keim in Kontakt, neun von ihnen erkrankten.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt derzeit wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung und fahrlässiger Körperverletzung; Hauptbeschuldigter ist derzeit der am 15. November fristlos entlassene Chefarzt der Frühchen-Intensivstation. (gor, sad)

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