Festival und Ausstellung im Bürgerhaus Weserterrassen bis 2. September Iberoamerikanische Nächte

Ab morgen bis zum Sonntag wird im Bürgerhaus Weserterrassen beim Festival "Iberoamericano", dem ersten seiner Art, spanisch und portugiesisch gesprochen und gesungen. Am Konzept haben die Sängerin und Tänzerin Diana América Monroy López, ihr Mann, der Gitarrist Tim Schikoré, und der Künstler Jorge Lázaro Pérez Fraga alias Papucho mitgearbeitet.
30.08.2012, 05:00
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Iberoamerikanische Nächte
Von Lisa Schröder

Ab morgen bis zum Sonntag wird im Bürgerhaus Weserterrassen beim Festival "Iberoamericano", dem ersten seiner Art, spanisch und portugiesisch gesprochen und gesungen. Am Konzept haben die Sängerin und Tänzerin Diana América Monroy López, ihr Mann, der Gitarrist Tim Schikoré, und der Künstler Jorge Lázaro Pérez Fraga alias Papucho mitgearbeitet.

Östliche Vorstadt. Bei Flamenco, Salsa und kubanischer Musik denkt man nicht gleich an den Osterdeich. Im Bürgerhaus Weserterrassen aber wird ab morgen ein Festival gefeiert, bei dem sich alles um die Kultur Lateinamerikas, Spaniens und Portugals dreht. Bis Sonntag lädt das "Iberoamericano" zu Konzerten, Workshops und der Ausstellung des kubanischen Künstlers "Papucho" ein, der mit bürgerlichem Namen Jorge Lázaro Pérez Fraga heißt und schon Fidel Castro porträtiert hat.

Das Konzept für das dreitägigen Festival haben die gebürtige Mexikanerin Diana América Monroy López und ihr Mann, der Gitarrist Tim Schikoré, entwickelt. "Das Festival soll das kulturelle Verständnis fördern und eine Rundreise durch die iberischen und lateinamerikanischen Länder sein", sagt Tim Schikoré. "Iberoamericano" bezeichnet die Kultur aus Spanien, Portugal und lateinamerikanischen Länder wie Kuba, Argentinien und Mexiko.

Bürgerhausleiter Stephan Pleyn freut sich darauf. "Das ist toll für uns, dass viele Leute dabei sind, die aus dem Kulturkreis kommen", sagt er. Diana América Monroy beispielsweise will Kindern und Erwachsenen in ihren Tanzworkshops typische Bewegungen zeigen: "Ich bringe anderen gern diese Kultur näher", sagt die 34- Jährige Tänzerin und Sängerin, die unter dem Künstlernamen "Diana La Negra" auftritt.

Mit vier Jahren hat die gebürtige Mexikanerin mit Ballett, Jazz und Modernem Tanz angefangen. "Mein Vater ist zwar Steuerberater, aber Literatur, Musik und Tanz waren ihm und der Familie immer sehr wichtig", sagt sie. "Das hat meinen Bruder und mich beeinflusst." América Monroy hat eine zwölfjährige Ballett- und Jazztanzausbildung absolviert. Seit drei Jahren lebt sie in Bremen, und heute wohnt sie mit ihrem Mann Tim Schikoré, und ihrer Tochter Triana Valentina in Horn-Lehe.

"Ich hatte zu Anfang natürlich Heimweh, und da spürt man gerade beim Tanzen Emotionen, die einen erinnern lassen", sagt Diana América Monroy. "Die Natur finde ich wunderbar. Auch das Viertel und die Leute dort gefallen mir." Sie könnte sich auch vorstellen, irgendwann Spanisch zu unterrichten oder mexikanische Kochkurse zu geben: "Man merkt immer wieder, dass die Leute die Kultur mögen und interessant finden, woher man kommt." Derzeit schreibt sie an einem Kinderbuch.

Die Freiheit des Flamenco

Ihr Mann Tim Schikoré, der über Bremen hinaus als Gitarrist und Komponist bekannt ist, spielt mit einer Besetzung seiner Band "Don Mendo" bei der Eröffnung des Festivals. Schon als Neunjähriger hat er sich für die Gitarre begeistert. "Der Klang löst irgendetwas aus, das man nicht erklären kann", sagt der Musiker, der 1968 in Osterholz-Scharmbeck geboren ist. "Und das ist meine Leidenschaft." Während des Studiums an der Hochschule für Künste hat Schikoré begonnen, sich auf spanische Musik, besonders den Flamenco, zu konzentrieren. "Flamenco ist beweglich und man hat eine große Freiheit. Wenn ich Lieder komponiere. ist das wie eine Tonmalerei."

Tim Schikoré ist seit 23 Jahren als Konzertgitarrist unterwegs, er hat vor 13 Jahren die Band "Don Mendo" gegründet, begleitete eine Lesung des Schauspielers Otto Sander, arbeitete an Hörspielen für Radio Bremen mit und hat eine Gitarrenschule im Schnoor. Auch auf dem Festival gibt er einen Gitarrenkurs.

Neben Konzerten und Workshops präsentiert "Iberoamericano" auch ausgewählte Werke des kubanischen Künstlers Jorge Lázaro Pérez Fraga. Der 1972 in Havanna geborene Maler wohnt mit seiner Frau und dem gemeinsamen Kind in Horn-Lehe. Eigentlich hatte er auf Kuba Ökonomie studiert, dann leistete er seinen Militärdienst und war bei der Polizei. "Die Kunst war aber immer da und brachte mir auch eine Sonderrolle ein", erzählt Lázaro Pérez. Schon als Schüler zeichnete er Comics oder karikierte seine Lehrer. Während der Zeit bei der Polizei hat er auch Porträts von Fidel Castro und des 1967 erschossenen Che Guevara gezeichnet. Später malte er für Touristen, doch mit falscher Signatur: "Um meine eigene zu benutzen, hätte ich mir die Erlaubnis der Regierung holen müssen", sagt der Exilkubaner. "Und das war kompliziert."

Ohne eine künstlerische Ausbildung entwickelte "Papucho" einen eigenen Stil. Entscheidend wurde dann die Zusammenarbeit mit dem kubanischen Landschaftsmaler Joel Ferrer. Als er gerade seine erste Ausstellung in einem Kino hatte, lernte er den Filmstudenten Carsten Möller aus Leipzig kennen, der in "Der zweite Blick. Social Club de Buenavista" die wahre Geschichte des berühmten Viertels in Havanna erzählen wollte. Lázaro Pérez, der bei der Restaurierung des Clubs mitgearbeitet hatte, wurde nach Berlin eingeladen.

Nach Bremen verschlug es ihn vor acht Jahren, und hier hat er auch seine Frau kennengelernt. Sein Atelier im Güterbahnhof ist einer seiner Lieblingsplätze in der Stadt. "Hier in Bremen habe ich meine Kunst weiterentwickelt", sagt er. "Zu Anfang habe ich oft Kuba gemalt, aus Heimweh. Später kamen dann Motive von hier." In seinem surrealen Stil, mit grellen Farben und gebogenen Linien, hat er zum Beispiel auch die Rathausarkaden und das Weserstadion gemalt.

Für das Festival ist sein Gemälde "Ciudad mundo" zentral. Darin mischt der Maler, für den im Übrigen Liebe die wichtigste Botschaft der Kunst ist, Städte wie Barcelona, Hamburg, Bremen und Havanna zu einer einzigen. "Im Mittelpunkt der drei Tage steht die Blutsbrüderschaft, die Hermanos De Sangre, und die kulturelle Verbindung", sagt Tim Schikoré über das Festival. "Wir alle sind Mitbürger der Welt und das soll auch zum Ausdruck gebracht werden", sagt Diana América Monroy.

Das Festivalprogramm , das auch als Faltblatt verteilt wird, haben wir bereits detailliert vorgestellt. Die Vernissage ist morgen um 18 Uhr, das Doppelkonzert des "Don Mendo Trios" und des Trios "Brisa Flamenco" beginnt um 20 Uhr (Eintritt 14, ermäßigt zehn Euro). Am Sonnabend um 20 Uhr spielen die "Cuban Boys" vor der "Noche de la Musica Latina mit Dee Dee Lopéz (Eintritt zwölf/acht Euro). Sonntag: 11 Uhr Matinee mit Gitarrestudierenden der Hochschule für Künste (fünf Euro), 20 Uhr "Music Cultural Hermonas De Sangre" (13, ermäßigt neun Euro).

Mehr Informationen und Karten unter 549490 im Bürgerhaus Weserterrassen, Osterdeich. Näheres über Tim Schikoré und seine Band "Don Mendo", sowie Hörproben aus ihrer CD ist auf www.donmendo.de zu finden. Die Homepage von Papucho heißt www.lazaroperez.kulturserver.de.

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