Berner Landtagsabgeordnete Karin Logemann berichtet über ihre ersten 100 Tage im niedersächsischen Parlament

„Ich bin eine Straßenpolitikerin“

Im Oktober 2014 ist die Berner Sozialdemokratin Karin Logemann in den niedersächsischen Landtag nachgerückt. Gut 100 Tage stehen mittlerweile auf ihrem Konto als Berufspolitikerin.
07.02.2015, 00:00
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„Ich bin eine Straßenpolitikerin“

Karin Logemann hat ihre politische Laufbahn im Jahr 2001 im Berner Gemeinderat begonnen, inzwischen sitzt sie im niedersächsischen Landtag.

Christian Kosak

Im Oktober 2014 ist die Berner Sozialdemokratin Karin Logemann in den niedersächsischen Landtag nachgerückt. Gut 100 Tage stehen mittlerweile auf ihrem Konto als Berufspolitikerin. Mit Barbara Wenke sprach die 54-Jährige über Zusammenhalt im Landtag, erste Spuren, die sie im Landesparlament hinterlassen hat, und die wichtige Bindung an die Basis.

Frau Logemann, Sie gehören jetzt gut 100 Tage dem niedersächsischen Landtag an. Wie haben Sie sich eingelebt?

Karin Logemann: Schneller als gedacht. Das verdanke ich meinen Kollegen, die mir immer helfen, wenn ich etwas wissen möchte. Übrigens über alle Parteien hinweg.

Wie hat sich Ihr Alltag verändert?

Ich habe schon immer sehr viel gearbeitet, aber jetzt hat sich mein örtlicher Arbeitsschwerpunkt verschoben. Man kann grob sagen, dass ich zweieinhalb bis drei Wochen pro Monat in Hannover bin. Ich versuche allerdings immer, abends nach Hause zu fahren, so dass ich noch Termine im Wahlkreis wahrnehmen kann

Was hat sich als anders herausgestellt, als Sie es erwartet haben?

Eigentlich nichts. Ich wusste sehr gut, was mich erwartet, denn ich habe viele Kollegen, die mir vorher viel erzählt haben.

In welchen Ausschüssen arbeiten Sie mit?

Ich bin in drei Ausschüssen: im Kultusausschuss, im Unterausschuss Häfen und Schifffahrt und im Petitionsausschuss. Ursprünglich war ich im Ausschuss Recht und Verfassung, aber ich konnte mit Doris Schröder-Köpf tauschen, die aus dem Kultusausschuss zu Recht und Verfassung wechseln wollte. Und ich gerne anders rum.

Haben Sie schon im Plenum gesprochen?

Noch nicht. Meine erste Rede steht fürs Februar-Plenum an. Das macht mich schon ein bisschen raschelig.

Worüber werden Sie reden?

Einmal zu einer Petition. Und einmal über das Thema Traditionsschifffahrt. Wie es im Moment aussieht, werde ich dann gleich zweimal sprechen.

Aufgeregt?

Absolut.

Wer schreibt die Rede?

Ich. Das ist Chefsache. Da bin ich sehr aufgeregt und brauche die Sicherheit, dass ich weiß, was als nächstes kommt.

Aber Pressemitteilungen kommen, seit sie dem Landtag angehören, in Ihrem Namen aus einem Büro. Schreiben Sie die auch selbst, oder werden die für Sie geschrieben?

Das ist eine glückliche Fügung. Als Landtagsabgeordnete bekommt man vom Land Niedersachsen ein Kontingent von 40 Stunden. Die darf man auf bis zu drei Mitarbeiter aufteilen.

Und wo sitzen Ihre persönlichen Mitarbeiter, in Hannover?

Nein. Hannover ist zu weit weg. In Hannover habe ich zwar auch ein Büro, aber meine Arbeit mache ich überwiegend hier im Wahlkreis. Deshalb sitzen zwei Mitarbeiter bei mir im Abgeordnetenbüro in Hiddigwarden. Die dritte Mitarbeiterin sitzt bei uns in der SPD-Geschäftsstelle in Delmenhorst

In welche Projekte konnten Sie sich bereits einbringen?

Bei meinem zweiten Plenum hatten wir ein Plenumsrandgespräch mit unserem Wirtschaftsminister. Wir, das waren Horst Kortlang von der FDP aus Elsfleth, der CDU-Fraktionsvorsitzende Björn Thümler, der ebenfalls aus Berne kommt, und ich. Da ging es um die Variantenprüfung für die Bundesstraße 212 neu. Der Minister hat uns vorgestellt, wie das Ministerium sich die Planung für den abschließenden Teilabschnitt vorstellt. Dann sind wir drei Abgeordneten aus der Wesermarsch zu einer gemeinsamen Pressemitteilung gekommen. Ich bin zudem viel im Sozialministerium, wenn es um Hospiz- und Palliativangelegenheiten geht, um unsere Krankenhäuser oder um Städtebauförderung. Außerdem bin ich mit der Bildungsministerin im Gespräch, wenn es um das Schul- oder Kita-Gesetz oder um Inklusion geht.

Kommen wir kurz zu Ihrem Lieblingsthema: die Bildung. Sind Sie, beispielsweise beim Thema G 9, also zurück zum Abitur nach neun Jahren, in die Ausgestaltung der Lehrpläne eingebunden? Oder wie muss ich mir Ihre Arbeit vorstellen?

G 9 ist vor meiner Zeit entschieden worden. Das ist aber eine Entscheidung, zu der ich zu hundert Prozent stehe. Aber nehmen wir mal das viel diskutierte Thema Förderschulen Sprache. Das sollte ursprünglich schneller vorangetrieben werden. Wir haben Stellungnahmen von über 40 Verbänden und Institutionen bekommen, die wir sehr ernst nehmen. Die Einwände und die Diskussionen mit den Schulen haben uns dazu bewogen, langsamer voranzugehen. Denn wir haben an vielen Stellen die Voraussetzung noch nicht geschafft.

Woran denken Sie da konkret?

Die Überarbeitungen der inhaltlichen Anforderungen für die Lehrerbildung gehen weiter. Lehrkräfte werden zukünftig auf die Herausforderung Inklusion vorbereitet. Die Kultusministerkonferenz hat die Überarbeitung der ländergemeinsamen inhaltlichen Anforderungen für die Lehrerbildung mit Blick auf die Erfordernisse inklusiven Unterrichts fortgesetzt. Auch den Weiterbildungsmöglichkeiten im inklusiven Bereich muss mehr Zeit eingeräumt werden.

Welche weiteren Themen gibt es?

Unser Landesraumordnungsprogramm. Moorschutz, Nutzungsräume und ländliche Entwicklungsmöglichkeiten sind die Themen, die da auf großen Widerstand getroffen sind. Mir ist es gelungen, ein Gespräch zwischen dem Ministerpräsidenten und Vertretern der Entwässerungsverbände, der Deichbände und unserem Kreislandvolk zu arrangieren. Die Verbände waren hervorragend vorbereitet und haben dem Ministerpräsidenten die besondere Situation der Wesermarsch dargestellt. Unser Landkreis liegt an vielen Stellen unter Normalnull. Wenn man hier an das seit Jahrhunderten ausgeklügelte Wassermanagement geht, dann hat das enorme Auswirkungen. Das war für den Ministerpräsidenten ein neuer Aspekt.

Bleiben wir mal in der Wesermarsch. Was haben Sie für den Landtag aufgegeben?

Ich habe im Laufe meiner 14-jährigen ehrenamtlichen politischen Tätigkeit einige Funktionen inne gehabt. Ich war Vorsitzende der Kreistagsfraktion, Vorsitzende des Kreisschulausschusses und des Arbeitskreises Schulentwicklung. Außerdem war ich im Arbeitskreis Migration und und und. Diese Ämter habe ich mittlerweile abgegeben. In Berne habe ich den einen oder anderen Ausschuss getauscht, bin aber noch stellvertretende Bürgermeisterin. Ich möchte unbedingt meine Verbindung in den Rat und den Kreistag und damit den Bezug zur Basis behalten. Was ich außerdem unbedingt aufrecht zu erhalten versuche, ist meine Tätigkeit als Pressereferentin der Kreislandfrauen. Das ist mein Hobby.

Können die Berner Sie denn noch in Berne antreffen und ansprechen?

Die Berner und auch alle anderen aus der Wesermarsch und Rastede können mich wie bisher kontaktieren. Per E-Mail bin ich immer gut zu erreichen. Und ich gehe einkaufen wie bisher. Dafür rechne ich immer rund eineinhalb Stunden ein, weil mich unterwegs immer jemand anspricht. Auf meiner Internetseite steht, dass ich Straßenpolitiker bin. Das bin ich auch, und das wird so bleiben.

Zur Person: Karin Logemann (54) ist in Berne geboren und aufgewachsen. Die gelernte Erzieherin schulte 40-jährig zur IT-System-Kauffrau um und machte sich wenig später mit einer PR-Agentur selbstständig. Nebenbei arbeitete sie 15 Jahre als Journalistin bei einer Tageszeitung. 2001 zog Karin Logemann in den Berner Gemeinderat ein. Die begeisterte Reiterin ist verheiratet, hat drei Töchter und ein Enkelkind.

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