Gebäude in der Obernstraße an Kurt Zech verkauft "Ich geh' nach Karstadt"

Bremen. Karstadt – seit mehr als 100 Jahren ist das eine Institution in Bremen. „Ich geh’ nach Karstadt“, heißt es. Grammatikalisch nicht korrekt, aber Ausdruck enger Verbundenheit. Jetzt gibt es Veränderungen, und sie fangen damit an, dass das Karstadt-Gebäude in der Obernstraße verkauft worden ist.
18.02.2014, 20:08
Lesedauer: 2 Min
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Von Jürgen Hinrichs

Karstadt – seit mehr als 100 Jahren ist das eine Institution in Bremen. „Ich geh’ nach Karstadt“, heißt es. Grammatikalisch nicht korrekt, aber Ausdruck enger Verbundenheit. Jetzt gibt es Veränderungen, und sie fangen damit an, dass das Karstadt-Gebäude in der Obernstraße verkauft worden ist.

Es ist ein Bremer. Kurt Zech hat Karstadt gekauft. Nicht das Unternehmen, wohl aber das Gebäude, in dem das Warenhaus in Bremen sein Geschäft betreibt. So ist es jetzt aus sicherer Quelle bestätigt worden. Zech selbst, der als Bauunternehmer groß geworden ist und mittlerweile ein weltweites Geflecht von Immobilien führt, will dazu nichts sagen. „Von uns wird das weder bestätigt noch dementiert“, erklärt ein Unternehmenssprecher.

Karstadt in Bremen – das war in den ersten Jahren nach Gründung der Filiale im Jahr 1902 ein Gebäude an der Ecke Sögestraße/Pelzerstraße, dort, wo heute das Sporthaus von Karstadt steht. 30 Jahre später zog das Warenhaus in ein neues Gebäude, das auf der Ecke Sögestraße/Obernstraße errichtet wurde. Seit vier Jahren steht dieser Bau der Bremer Architekten Heinrich Wilhelm Behrens und Friedrich Neumark unter Denkmalschutz. Ein Fakt, den der neue Eigentümer bei möglichen Umbauten berücksichtigen müsste.

Größtes Warenhaus im Norden

Von Anfang an hatte das Kaufhaus einen enormen Sog entwickelt. Der Umsatz explodierte förmlich und mit ihm die Zahl der Mitarbeiter. In den 1960er-Jahren war Karstadt in Bremen mit einer Ladenfläche von 18500 Quadratmetern und rund 2000 Angestellten das größte Warenhaus in Norddeutschland. Es gab sogar einen Zoo. Zum bewundern oder kaufen, hieß es damals in der Werbung: Vom Wasserfloh bis hin zum Affen.

Nach einem weiteren Umbau im Jahr 1989 stieg die Quadratmeterzahl auf etwa 30000; Mitarbeiter waren es damals 1300. Heute ist die Ladenfläche geringfügig größer. Sie entspricht knapp einem Viertel von dem, was die gesamte Innenstadt an Verkaufsfläche zu bieten hat. In dem Haus an der Obernstraße arbeiten nach Angaben des Betriebsrats zurzeit 520 Angestellte. Hinzu kommen ein paar Hundert andere, die von Fremdfirmen beschäftigt werden. Zu Spitzenzeiten kümmern sich damit fast 1000 Mitarbeiter um die Kunden.

Früher war die Belegschaft das, was man in Bremen die Karstadt-Familie nannte. Es gab große Feste mit dem Personal, regelmäßig wurde dafür die „Glocke“ angemietet. Einmal, 1955, war es eine „Indische Nacht“, zu der die Geschäftsleitung eingeladen hatte. Ausdruck einer großen Gemeinschaft, die zumindest an so einem Abend keine Hierarchien kannte.

Zum Feiern ist den Angestellten bei Karstadt schon lange nicht mehr zumute. Seit Jahren kommt das Unternehmen nicht zur Ruhe, nachdem die damalige Dachgesellschaft des Unternehmens Insolvenz anmelden musste. Die Wirrnisse mit neuen Eigentümern, anderen Geschäftsmodellen und Immobilienspekulationen nehmen kein Ende.

Ende Januar dieses Jahres hatte der Aufsichtsratschef der Karstadt Warenhaus GmbH, Stephan Fanderl, einen radikalen Sanierungskurs angekündigt. Das neue Management werde Filialen identifizieren, die „trotz aller gemeinsamen Bemühungen nicht zu drehen sind“. Für diese Häuser schloss Fanderl schmerzhafte Konsequenzen bis hin zur Schließung nicht aus. Die Entscheidungen darüber müssten bereits in den kommenden Monaten fallen. Völlig offen, ob auch Bremen betroffen sein wird. Dass die Immobilie verkauft worden ist, hat darauf erst einmal keinen Einfluss. Karstadt besitzt einen langjährigen Mietvertrag.

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