CDU-Beiratsmitglied legt Mandat nieder "Ich gehe ohne Groll"

Erst hält sie als letzte Christdemokratin die Fahne im Beirat hoch, dann kommt der überraschende Rückzug: Vanessa Baumann-Werschky erklärt im Interview, warum sie das Handtuch geschmissen hat.
29.03.2018, 00:03
Lesedauer: 3 Min
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Von Karin Mörtel
Es kam für viele Menschen überraschend, dass Sie sich aus dem Neustädter Beirat zurückgezogen haben und die Christdemokraten damit auch ihren letzten Sitz verlieren. Was gab den Ausschlag für Ihre Entscheidung?

Vanessa Baumann-Werschky: Es war meinerseits keineswegs ein spontaner Entschluss, sondern ich habe lange mit mir gerungen. Doch am Ende überwog das Gefühl, dass ich mich von der Partei im Stich gelassen fühlte und es vor mir selbst nicht mehr verantworten konnte, mich für die CDU zu engagieren. Daher habe ich nicht nur mein Beiratsmandat vor zwei Monaten niedergelegt, sondern bin auch aus der Partei ausgetreten.

Das klingt extrem frustriert. Was genau ist denn vorgefallen?

Da kamen viele Dinge zusammen. Zunächst einmal rechnet man auf einem hinteren Listenplatz nicht unbedingt damit, schließlich allein im Beirat zu sitzen, obwohl die CDU eigentlich drei Sitze errungen hatte. Dass nach dem freiwilligen Ausscheiden von Monika Peters und dem Wegzug von Alexander Bauermann und Julia Weidlich kein weiterer Nachrücker zu finden war, ist niemandes Schuld. Aber ich erwarte in so einer Situation einfach mehr konkrete Unterstützung, doch die ist leider ausgeblieben.

CDU-Landesgeschäftsführer Heiko Strohmann sagt, er wusste von Ihrer Unzufriedenheit, Sie hätten sich mit Ihrem Beschwerdebrief allerdings an die falsche Stelle gewendet.

Ich habe mehrmals beim Kreisvorstand meinen Unmut geäußert, doch da kam keine Reaktion. Daher hielt ich es absolut für angemessen, mich direkt an den Landes- und den Fraktionsvorsitzenden zu wenden und um Hilfe zu bitten.

Und haben Sie dort Gehör gefunden?

Zunächst ja. Thomas Röwekamp und Jörg Kastendiek haben mich daraufhin zu einem Gespräch eingeladen. Sie versicherten mir, sie würden mein Anliegen ernst nehmen und mir Unterstützung zukommen lassen. Im Nachhinein hat sich aber leider herausgestellt, dass das nur warme Worte waren, denn für die Beiratsarbeit ist keinerlei konkrete Entlastung erfolgt. Das Wenigste wäre gewesen, dass Deputierte, Bürgerschaftsabgeordnete und Parteifunktionäre im Stadtteil mehr sichtbar gewesen wären.

In der CDU ist zu hören, dass auch die Konkurrenz mit Monika Peters, die an Ihrer Stelle den Posten in der Bildungsdeputation bekam, ein Grund für ihren Frust gewesen sein könnte.

Natürlich fühlte ich mich vor den Kopf gestoßen, als mir jemand vor die Nase gesetzt wurde, der eben nicht wie ich jahrelang Basisarbeit betrieben hat. Alles andere wäre gelogen. Ich fühlte mich nicht wertgeschätzt. Ich konnte aber die Gründe, die für Monika Peters sprachen, dennoch nachvollziehen. Ich bin auf den Posten auch nicht angewiesen und habe auch ohne einen Sitz in der Deputation gerne und aus Überzeugung weitergemacht.

Klingt nach einem „Aber“.

Alles wäre gut gewesen, hätte ich mehr Unterstützung vor Ort bekommen. Aber die Arbeitsentlastung blieb leider aus. Die Partei stand also offenbar nicht in gleichem Maße hinter mir, wie ich ihr jahrelang loyal gegenüberstand. Dadurch wurde es für mich unmöglich, weiter meine Kraft für die CDU zu investieren. Es tut mir nur Leid für die Wähler, die mir ihre Stimme anvertraut haben. Diesen Menschen kann ich nur versichern: Ich habe mir die Entscheidung nicht leicht gemacht.

Gehen Sie nun mit einer Faust in der Tasche?

Nein, ich gehe ohne Groll. Ich habe immer gesagt, dass mein Selbstbewusstsein nicht an Posten hängt, daher wünsche ich insbesondere dem neuen Stadtbezirksvorstand viel Glück bei der weiteren Arbeit in der Neustadt. Und ich habe die Hoffnung, dass mein Weggang die Partei vielleicht auch ein wenig wach rüttelt. Denn es kann nicht sein, dass die Ehrenamtlichen im Beirat, von denen die Menschen in den Stadtteilen Lösungen für ganz konkrete Probleme erwarten, von den Berufspolitikern einfach hängen gelassen werden.

Das Gespräch führte Karin Mörtel.

Info

Zur Person

Vanessa Baumann Werschky (35)

war seit 2007 bis vor Kurzem CDU-Mitglied. Sie vertrat die Partei fünf Jahre im Beirat Neustadt. Zuletzt übte sie auch das Amt der Stadtbezirksvorsitzenden aus.

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