Draht und Esel „Ich liebe das Gefühl von Freiheit“

Stefan Krömer ist 44 Jahre alt und lebt seit 19 Jahren in Bremen. Er ist Grafikdesigner und Geschäftsführer einer Bremer Designagentur und stellt sein Fahrrad vor.
02.06.2019, 14:00
Lesedauer: 3 Min
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„Ich liebe das Gefühl von Freiheit“
Von Ina Bullwinkel

Das erste Mal auf zwei Rädern

Stefan Krömer: Mit dem Fahrradfahren habe ich mich anfangs sehr schwer getan. Ich habe es sehr spät gelernt, wann genau weiß ich nicht, aber auf jeden Fall, bevor ich zur Schule ging. Allerdings weiß ich noch, dass es mit einem selbstgebauten Fahrrad war, das mir mein Bruder gebaut hatte. Aus Sperrmüllrädern machte er ein Fahrrad, dessen Vorderrad größer war als das Hinterrad. Ich hatte damit immer das Gefühl, bergauf zu fahren, aber dafür nie Angst, vom Rad zu fallen.

Das aktuelle Fahrrad

Ich habe ein Alltagsrad, ein Hollandrad für Damen, mit Kindersitz hinten drauf. Ansonsten habe ich diverse aktuelle Fahrräder, weil das auch immer Projekte sind, an denen ich arbeite. Ein Rad, das ich kürzlich restauriert habe, ist ein französisches Rad, vermutlich aus dem Jahr 1896, von der Pariser Marke „Cycle Gladiator“. Es ist, wie man heute sagt, ein Fixie. Diese alten Räder hatten ja keinen Freilauf, sondern eine starre Narbe, man kann quasi vor- und rückwärts treten.

Die Vorgängermodelle

Vor dem Gladiator-Modell habe ich ein Rennrad aus den 1920er-Jahren für meine Frau restauriert. Ein sehr seltenes, frühes „Meisterschaftsmodell“ von Mifa – den Mitteldeutschen Fahrradwerken. Bei dem Rad meiner Frau handelt es sich um ein Spitzenmodell für Straßenrennen aus der Zeit.

Die schönste Tour ...

... war mit dem Verein für historische Fahrräder bei einem Jahrestreffen, Velocipediade genannt. Da kommen aus ganz Deutschland Mitglieder zusammen, man tauscht sich aus und macht Ausfahrten mit seinen alten Fahrrädern in zeitgenössischer Kleidung – auch nachts mit der alten Beleuchtung, den Öl-, Kerzen- und Karbidlampen. Und die schönste Tour war anlässlich einer dieser Velocipediaden in Weinböhla an der Sächsischen Weinstraße. Dort war es landschaftlich wunderschön und es gab auch einen großen Festakt in einem Saal.

Fahrer von historischen Rädern sind …

... charmante Nervensägen. Das Sammeln und Restaurieren ist schon sehr speziell, und auch wenn es viel Spaß macht mit den Leuten, sind sie oft ein bisschen eigentümlich. Die sind sehr beharrlich und häufig Hobbyhistoriker. Hollandradfahrer sind dagegen eher bequem. Das Hollandrad ist zwar nicht wirklich sexy, aber hier für die Region ist es sehr praktisch.

Ich fahre gern Fahrrad, weil ...

... es für Bremen und überhaupt das beste Individualtransportmittel ist. Radfahren ist perfekt. Es ist gesund, macht Spaß und ich persönliche liebe daran das Gefühl von Freiheit. Fahrradfahren ist einfach super. Wenn man aus eigener Muskelkraft beschleunigt, ist das einfach eine tolle Sache – selbst wenn das Wetter schlecht ist.

Der letzte Diebstahl

Ich hatte mich mit einem Kumpel im Viertel getroffen, um in die Kneipe zu gehen. Ich hatte mein Fahrrad, ein Stück aus den 1950er-Jahren, an einen Bauzaun angeschlossen und irgendwie habe ich das nicht ordentlich gemacht. Als ich aus der Kneipe gekommen bin, war das Fahrrad weg. Zwei Monate später war ich mit einem anderen Rad unterwegs, als mir ein Mann auf meinem gestohlenen Fahrrad in der Schwachhauser Heerstraße entgegenkommt. Ich bin gleich hinterher und habe ihn verfolgt. Als ich ihn eingeholt habe, hat er es sofort hergegeben und gesagt, er habe es an einer Haltestelle gefunden. Ich weiß nicht, ob das stimmt, ich war nur froh, mein Fahrrad in die Garage zu den anderen zu schieben.

Der ausgefallenste Fahrradschmuck

Das ist ohne Zweifel der Säbelhalter. Es gibt viele verrückte Sachen aus der Zeit, aber das ist schon das Speziellste, weil es aus der Zeit gefallen ist. Wer hat das schon noch? Damit unterwegs bin ich nicht, denn vielleicht würde ich ja Ärger wegen des Säbels bekommen.

Der schlimmste Unfall

Vom Rad gefallen ist wohl jeder schon einmal, aber etwas Schlimmes ist mir noch nie passiert. Ich habe allerdings mal erlebt, wie einem Hochrad die Speichen weggebrochen sind. Erst ist das Rad ins Eiern geraten und dann haben sich die Speichen einfach zur Seite gebogen. Zum Glück ist keiner zu Schaden gekommen, aber das war der krasseste Unfall, den ich je gesehen habe.

Die Lieblingsstrecke

Hier in Bremen und umzu ist immer durchs Blockland. Das ist einfach die schönste Strecke. Mit den alten Rädern bequem bei schönem Wetter fahren. Was auch noch eine ganz schöne Strecke ist, nach Delmenhorst Richtung Nordwolle und hinten über Strom am Flughafen lang ist auch eine ganz schöne Strecke.

Fahrradfahren in Bremen ist ...

... angenehm. Alles ist sehr eben, da ist das Fahren nicht wirklich anstrengend. Ich komme aus dem Weserbergland, da gibt es viele Steigungen, das hat man in Bremen nicht. Radfahren in Bremen ist top.

Die Fragen stellte Ina Bullwinkel.

Info

Zur Person

Stefan Krömer

ist 44 Jahre alt und lebt seit 19 Jahren in Bremen. Er ist Grafikdesigner und Geschäftsführer einer Bremer Designagentur. In seiner Freizeit sammelt und restauriert Krömer Fahrräder, im Verein Historische Fahrräder ist er seit 2011 Mitglied. Zweimal im Jahr treffen sich die Mitglieder des Vereins zu einer großen Ausfahrt.

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