Hochschulstudent und Ausnahmetalent: Artem Yasynskyy hat bei einem der renommiertesten Wettbewerbe der Welt Bronze geholt

„Ich spiele die Werke so, wie ich sie fühle“

An der Hochschule für Künste Bremen werden mit etwas Glück die Stars von morgen ausgebildet. Einer von ihnen ist mit Sicherheit Artem Yasynskyy. Der 25-jährige ukrainische Pianist hat vor Kurzem auf der 5. Sendai International Music Competition, einem der renommiertesten Klavierwettbewerbe der Welt, Bronze geholt und auch auf internationaler Ebene mit großem Erfolg Konzerte gegeben.
08.08.2013, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Sigrid Schuer

An der Hochschule für Künste Bremen werden mit etwas Glück die Stars von morgen ausgebildet. Einer von ihnen ist mit Sicherheit Artem Yasynskyy. Der 25-jährige ukrainische Pianist hat vor Kurzem auf der 5. Sendai International Music Competition, einem der renommiertesten Klavierwettbewerbe der Welt, Bronze geholt und auch auf internationaler Ebene mit großem Erfolg Konzerte gegeben.

Altstadt·Neustadt. "Wenn man nicht lebt und nicht liebt, dann fühlt man nichts, dann kann man auch nicht musizieren. Denn Musik ist Kommunikation", sagt Artem Yasynskyy, der in der Neustadt lebt. Dass der ukrainische Pianist musikalisch viel zu sagen hat, hat auf dem 5. Sendai International Music Competition in Japan, ein Klavier-Wettbewerb bewiesen. Der Student der Hochschule für Künste (HfK) Bremen bezauberte die Jury aus hochkarätigen Experten und das Publikum mit seinem emotional tief empfundenen und technisch versierten Spiel.

Konzertpianist zu sein, das sei sein Leben, seine Liebe. "Ich spiele die Werke so, wie ich sie fühle. Es wird nie langweilig. Jedes Jahr kann man etwas Neues entdecken und sich weiter entwickeln", sagt Artem Yasynskyy, dessen musikalische Neugier schier unerschöpflich ist und sich bis hin zum Jazz erstreckt. Sein Ziel ist es, sich ein möglichst großes Repertoire zu erarbeiten.

Der Lohn für intensive Übungsphasen, die bis zu acht Stunden täglich dauern: Der 25-Jährige, der seit 2010 ein Aufbaustudium bei Professor Patrick O’Byrne absolviert, wurde bei dem Wettbewerb mit der Bronzemedaille und dem Publikumspreis ausgezeichnet.

"In Japan wird man als Pianist förmlich auf Händen getragen", schwärmt Yasynskyy. Die klassikbegeisterten Asiaten seien perfekte Organisatoren. Beste Voraussetzungen also, um eine perfekte Leistung in dem anspruchsvollen Programm abliefern zu können. Und das hatte es bei einem der weltweit bedeutendsten Klavierwettbewerbe in sich.

In der ersten Runde spielte Yasynskyy Joseph Haydns Sonate in C-Dur (die Englische) sowie beide Bänder der Paganini-Variationen von Johannes Brahms. "Eines der schwierigsten Stücke in der Klavierliteratur", sagt Artem Yasynskyy. "Trotzdem muss es schön und leicht klingen".

Für den Sendai International Music Competition, der alle drei Jahre ausgetragen wird, hatten sich insgesamt 229 Bewerber aus 30 Ländern beworben. Artem Yasynskyy zählte zu den 38 Kandidatinnen und Kandidaten, die es in die erste Runde schafften. Davon blieben zwölf Pianistinnen und Pianisten in der zweiten Runde übrig. Dabei wusste Yasynskyy mit der virtuosen Interpretation von Mozarts Klavierkonzert in c-Moll restlos zu überzeugen – auch dank der von ihm selbst komponierten Kadenzen. "Ich habe während meines Studiums auch drei Jahre Komposition studiert. Das macht mir viel Spaß. Zu dem Klavierkonzert von Mozart gab es noch keine Kadenz, das hat mich gereizt, eine zu komponieren", erzählt er. Überhaupt dürfe Mozarts Musik, die bei aller Heiterkeit viel Tiefgang habe, nicht süßlich gespielt werden.

Eine gesunde Grundnervosität sei bei Wettbewerben durchaus von Vorteil, sagt der Pianist, der exzellent Deutsch spricht: "Ich kann das Spiel und die Musik bei aller Konzentration trotzdem genießen." Im Finale, das von sechs Kandidaten bestritten wurde, spielte Yasynskyy mit dem Sendai Philharmonic Orchestra unter der Leitung von Pascal Verrot das 3. Klavierkonzert seines Landsmannes Sergej Prokofjew. "Das ist Musik, die sehr genau komponiert ist, daran muss man sich akribisch halten", sagt er. Der Komponist Prokofjew stammt wie der junge Pianist Yasynskyy, der in Donezk geboren wurde, wie viele große Musiker aus der Ukraine. Die Liebe zum Klavierspielen wurde Artem Yasynskyy von seinen Eltern, die beide Pianisten aus Leidenschaft sind, quasi in die Wiege gelegt. Mit sieben Jahren begann er Klavier zu spielen. "Meine Eltern haben mir da ganz viel geholfen", betont das Ausnahmetalent.

Spezialschule besucht

Artem Yasynskyy besuchte zunächst die Spezialmusikschule für begabte Kinder und absolvierte anschließend die Fächer Instrumentales Musikstudium/Klavier an der Staatlichen Musikschule Prokofjew und schloss seine Ausbildung mit Auszeichnung ab.

Mit seinem Vater teilt er die Leidenschaft für die Fotografie. Die ist allerdings viel mehr als nur ein Hobby: Artem Yasynskyy hat in der Ukraine auch schon als Fotograf gearbeitet. Der junge Pianist hat bereits an mehreren internationalen Wettbewerben und Festspielen erfolgreich teilgenommen. So bestritt er unter anderem 2000, 2005 und 2007 den Wettbewerb "Zum Andenken von Vladimir Horowitz" in Kiew.

Der große Pianist sei früher sein Vorbild gewesen, heute begeistere ihn vor allem Radu Lupu, sagt der Student. "Aber man muss als Pianist schon seinen eigenen Weg und seinen eigenen Stil finden." Das Legato, also die Verbindung musikalischer Phrasen, könne man am allerbesten von Opernsängerinnen wie Renata Tebaldi lernen. "Wenn ich am Klavier neue Stücke einstudiere, dann singe ich die Noten immer mit", erzählt er.

Dass er den richtigen Weg bereits gefunden hat, beweist unter anderem die Tatsache, dass Yasynskyy im Juni 2011 den Steinway-Förderpreis in Hamburg gewonnen hat und im Oktober 2011 beim 62. Internationalen Klavierwettbewerb "Gian Battista Viotti" mit dem dritten Preis ausgezeichnet wurde.

Trotzdem fühlt er sich in Bremen sehr wohl: "Ich habe Bremen und speziell meinem Professor Patrick O’Byrne viel zu verdanken", betont Artem Yasynskyy. "Hier kann ich mich künstlerisch entfalten."

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